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Pneumokokken-Infektion - Hintergrund / Einleitung

Pneumokokken

Was macht Ihr Kind krank?
Bakterien der Art Streptococcus pneumoniae

Wie wird der Erreger übertragen?
Durch Tröpfcheninfektion: Bei 40 -70% gesunder Erwachsener siedelt der Erreger im menschlichen Nasen- und Rachenraum, ohne Symptome zu verursachen.

Wann bricht die Krankheit aus?
Hierüber existieren keine genauen Angaben: Erst bei einer Schwächung des Immunsystems kommt es zum Ausbruch; besonders betroffen sind Frühgeborene und Kinder mit Gedeihstörungen.


Welche Symptome zeigt das kranke Kind?

Der Erreger löst verschiedene Erkrankungsformen aus, mit zunächst unspezifischen Symptomen wie Fieber und schlechtem Allgemeinzustand: Besonders gefürchtet ist die akute Hirnhautentzündung (Meningitis): Jedes Zehnte daran erkrankte Kinder stirbt an den Folgen.
Eine andere schwere Form der Erkrankung ist die Lungenentzündung (Pneumonie). Sie beginnt mit Schüttelfrost und hohem Fieber, Atemnot und Husten.
Schwere Pneumokokken-Infekte lösen oft eine Blutvergiftung (Sepsis) aus und führen trotz intensiver Betreuung und Behandlung mit Antibiotika zum Tode.
Des weiteren verursachen Pneumokokken-Bakterien Mittelohr-Entzündungen (Otitis media) mit pochenden Schmerzen im Ohr und Schüttelfrost.

Wie können Sie Ihr Kind schützen?
Für Kleinkinder unter zwei Jahren wird ein 7-valenter Konjugat-Impfstoff angeboten. Für Kinder über zwei Jahren steht ein 23-valenter Polysaccharid-Impfstoff zur Verfügung. Der Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff wird vor allem Risikogruppen empfohlen: Frühgeborene (< 38. Woche), Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 2500 g sowie für Säuglinge und Kinder mit Gedeihstörungen oder neurologischen Krankheiten. Sie sind am häufigsten und schwersten durch Pneumokokken-Erkrankungen betroffen. In diesen Fällen werden die Kosten für die Impfung von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die Impfung schützt vor schweren invasiven Erkrankungen, nicht aber vor Mittelohrentzündung.

Pneumokokken im allgemeinen
Pneumokokken-Bakterien sind alles andere als harmlose Burschen. Entweder ganz ohne Vorankündigung oder nach Schüttelfrost und hohem Fieber sorgen sie für ernsthafte Komplikationen: Lungen-, Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung können tödlich sein! Wirksamen Schutz bietet nur die Impfung. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, können Sie sich dem nächsten Thema zuwenden. Wenn nicht, dann sollten Sie hier weiterlesen.
 
Das Bakterium Pneumokokkus pneumoniae hält sich bei fast jedem zweiten Erwachsenen im Nasen-Rachen-Raum auf, auch bei Gesunden. Es liebt das Vagabunden-Dasein und nutzt die Tröpfchen bei Husten, Niesen und Sprechen, um von Kehle zu Kehle zu wandern. Eine weitere Taktik der Pneumokokken: Sie lieben die Vielfalt. Sie existieren in 90-facher Ausführung, so dass das körpereigene Immunsystem immer wieder aufs Neue auf sie hereinfällt. Nicht alle sind jedoch für den Menschen gefährlich. 23 Pneumokokken-Typen zeichnen sich für 90 Prozent der schweren Erkrankungen verantwortlich.

Ist das Abwehrsystem nicht in der Lage, die Eindringlinge in Schach zu halten, schlagen sie zu. Schüttelfrost und plötzliches hohes Fieber über 39 Grad sind meist die ersten Hinweise. Manchmal meldet sich der Erreger auch ganz ohne Vorwarnzeichen. Die durch Streptokokkus pneumoniae verursachte Infektion kann verschiedene Erkrankungen zur Folge haben, am häufigsten eine Lungenentzündung.

Streptokokken
Streptokokken sind die Übeltäter von 30 bis 50 Prozent der im Alltag erworbenen Lungenentzündungen, jeder Vierte entwickelt eine so genannte Bakteriämie, bei der sich der Eindringling über das Blut Zugang zum Zentralen Nervensystem, zum Herzen oder zu den Knochen verschafft. Zudem sind die Erreger die weltweit häufigste Ursache der bakteriellen Hirnhautentzündung, und auch die Hälfte aller Fälle von bakterieller Mittelohrentzündung geht auf das Konto von Streptokokken. Die Beschwerden unterscheiden sich nach dem Entzündungsort: heftiger Husten mit Auswurf bei einer Lungen-, starke Ohrenschmerzen bei einer Mittelohr- oder rasender Kopfschmerz bei einer Hirnhautentzündung. Treten diese Symptome auf, ist sofort der Arzt zu verständigen.

Ab 60 gegen Pneumokokken impfen lassen
In den meisten Fällen bekommt man die Pneumokokken-Erkrankung mit Antibiotika gut in Griff, besonders wenn es sich um Infektionen der oberen Atemwege handelt. Menschen über 60 Jahre und chronisch Kranke haben jedoch häufig mit Komplikationen zu kämpfen, und die Behandlung muss im Krankenhaus fortgesetzt werden. In schweren Fällen nimmt die Erkrankung einen fulminanten Verlauf: Jeder Zweite stirbt trotz Antibiotika-Therapie innerhalb 48 Stunden! In Deutschland sterben Schätzungen zufolge jährlich etwa 12000 Patienten an deren Folgen, davon sind 80 bis 90 Prozent über 60 Jahre. Pneumokokken-Erkrankungen bedeuten für über 60-Jährige viermal häufiger den Tod. Besonders fatal, da in dieser Altersgruppe die Gefahr bis zu dreimal so hoch ist, sich Pneumokokken einzufangen.

Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) in Berlin, generell alle Personen über 60 Jahre und zudem Kinder ab dem dritten Lebensmonat, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter Gesundheitsgefährdung infolge eines Grundleidens gegen Pneumokokken vorbeugend zu impfen. Grundkrankheiten sind etwa Immundefekte, He rz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder chronische Atemwegserkrankungen. Diese Personen haben eines gemeinsam: Ihr Immunsystem kann den Pneumokokken nicht ausreichend Paroli bieten. Die Impfung hilft, mit den Bakterien fertig zu werden.

Raucher besonders gefährdet
Raucher leben mit einer höheren Gefahr, eine Pneumokokken-Infektion aufzuschnappen. Nikotin-Liebhaber haben einer amerikanischen Studie zufolge ein viermal so hohes und Passivraucher ein 2,5-mal so hohes Risiko wie Nichtraucher zu erkranken. Zum einen behindert Tabakrauch die Arbeit der Flimmerhärchen und damit die Selbstreinigungskräfte der Atemwege; Bakterien können leichter anhaften. Zum anderen reißt der Tabakrauch die oberste Zellschicht der Atemwege auf; das öffnet den Eindringlingen Tür und Tor.

Pneumokokken-Unwissenheit schützt vor Schaden nicht
Man sollte meinen, bei dem Gefahrenpotential, das die Bakterien mit sich bringen, ist es eine Selbstverständlichkeit, sich zu impfen. Aber weit gefehlt. Nur knapp sieben Prozent der Risikopatienten haben einen wirksamen Impfschutz! Das liegt nicht nur an der Unwissenheit der Bevölkerung, sondern auch an der mangelnden Bereitschaft der Ärzte, ihre Patienten aufzuklären, haben Umfragen ergeben. Dabei tragen die Krankenkassen die Kosten der Impfung.

Die Pneumokokken-Impfung muss bei Erwachsenen alle sechs Jahre aufgefrischt werden. Auch eine überstandene Lungenentzündung bietet keinen Schutz vor einer erneuten Erkrankung. Gegen Pneumokokken kann man zwar das ganze Jahr über impfen. Für Menschen über 60 Jahre empfiehlt es sich jedoch, in diesen Tagen im Herbst die Pneumokokken-Impfung mit der gegen Grippe zu kombinieren. So hat man alles an einem Tag in einem Aufwasch erledigt.

Die Impfungen werden dazu in je einen Oberarm injiziert. Den Arzt fragen, in welchen Arm die Pneumokokken-Impfung kam. Erfahrungsgemäß sorgt sie nämlich gelegentlich für etwas stärkere Reaktionen um die Einstichstelle als die Grippe-Impfung. Lokale Hautrötungen und Schmerzen, die sich nach ein bis zwei Tagen verlieren, sind im Vergleich zu der tödlichen Pneumokokken-Gefahr sicherlich erträglich. Mehr Gesundheit als durch Impfung gibt es nicht.

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