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Umgang mit Demenzkranken - Generelle Tipps

Generelle Tipps zum Umgang mit Demenzkranken


Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist von stetigen Abbauprozessen gekennzeichnet. Die erste Phase der Demenzerkrankung wird bewusst erlebt; die Betroffenen spüren, dass ihre Welt immer mehr auseinander bricht. Sie können sich an Personen nicht mehr erinnern, Gegebenheiten werden vergessen. In dieser ersten Phase verspüren die Betroffenen große Angst und möchten ihre beginnenden Einschränkungen vor Anderen verbergen. Sie fühlen sich beobachtet und entwickeln oft Schutzstrategien, um ihre Würde zu bewahren und sich nicht ausgeliefert zu fühlen. Unter Schutzstrategien versteht man beispielsweise Fremdbeschuldigen (jemand hat meinen Schlüssel verlegt), Somatisieren (ich kann mich heute nicht konzentrieren, ich habe Kopfschmerzen) oder der Rückzug aus sozialen Bindungen.

Im Verlauf der Demenzerkrankung gehen die kognitiven Kontrollinstanzen und damit das Erleben der eigenen Abbauprozesse verloren. Gefühle werden von Demenzkranken spontan und echt vermittelt, die Schamgrenzen lösen sich immer mehr auf, Regeln der Höflichkeit können nicht mehr eingehalten werden. Da die Gedächtnislücken immer größer werden und das Kurzzeitgedächtnis als erstes verloren geht, stützt sich die eigene Identität auf die noch vorhandenen Erinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis. Eine 90jährige Frau ist in ihrem Selbsterleben eine junge Mutter, die sich um ihre Kinder sorgt. Diese momentan gelebte Lebensphase des Demenzkranken mit allen gelebten Gefühlen soll nicht korrigiert oder in Frage gestellt werden. Für die Betroffenen ist es die einzige Realität.

Die Schwierigkeiten im Umgang mit Demenzkranken sind vielfältig und werden durch die Persönlichkeit des Betroffenen, den Schweregrad der Demenz, aber auch durch den Umgang mit dem Kranken beeinflusst. Für den Umgang mit Demenzkranken gibt es keine allgemeingültigen, sondern nur individuelle situative Lösungen.

Grundsätzlich sollte im Umgang mit Demenzkranken folgendes beachtet werden:

Kommunikation


Gerade in der Anfangsphase einer Demenzerkrankung bedeuten Einschränkungen für den Betroffenen ein hohes Stresspotential. Entschärfen Sie die Situation, indem Sie ruhig und geduldig kommunizieren und den Betroffenen nicht korrigieren. Vermeiden Sie Konfrontation und ermutigen Sie zum Sprechen, dies trainiert das Gehirn und verbale Fähigkeiten können so länger erhalten bleiben. Kommunizieren Sie in kurzen eindeutigen Sätzen und unterstreichen Sie das Gesagte mit ihrer Mimik und Gestik. Halten Sie Blickkontakt. Stellen Sie keine Alternativfragen (möchtest du das blaue oder das rote Kleid anziehen). Besser sind einfache Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Lassen Sie dem Demenzkranken Zeit zu antworten. Wird das Wort nicht gefunden, bieten Sie es selber an. Zeigen sie, dass die das Gesagte verstanden haben, indem Sie den Satz wiederholen. Vermeiden Sie Ironie oder übertragene Bedeutungen. Praktizieren Sie einen wertschätzenden Umgang.

Orientierung


Demenzkranke benötigen klare Strukturen, um die räumliche, zeitliche und personelle Orientierung des Betroffenen zu unterstützen.

Die Umwelt des Demenzkranken muss überschaubar sein. Richten Sie die Wohnung/Zimmer mit alten, bekannten Möbeln ein. Hängen Sie Fotos auf, die an früher erinnern. Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung an wichtigen Wegen. Kennzeichnen Sie Orte, wie beispielsweise die Toilette, durch Symbol und Wort. Kennzeichnen Sie Glastüren. Beseitigen Sie Stolperfallen und Dinge, die zu Verletzungen führen können. Lassen Sie keine Schlüssel liegen. Bingen Sie eine gut lesbare Uhr und einen Kalender an, um die zeitliche Orientierung zu erleichtern. Blenden Sie unnötige Reize aus. Schalten Sie beispielsweise bei der Nahrungsaufnahme den Fernseher ab.

Schaffen Sie einen gleichbleibenden Tagesablauf, indem Sie Gewohnheiten des Demenzkranken beibehalten. Die Zeiten zur Nahrungsaufnahme, Aktivitäten und Nachtruhe sollten täglich eingehalten werden. Beziehen sie den Demenzkranken in den Alltag mit ein. Aktivitäten, wie Kochen, Bügeln, Putzen etc. erhalten die Alltagskompetenz des Betroffenen und vermitteln ein Gefühl der Sicherheit. Vorhandene Ressourcen werden gefördert und bleiben so länger erhalten.

Wertschätzender Umgang


Berücksichtigen Sie die momentane Erlebniswelt des Demenzkranken und nehmen Sie diese als gegeben an. Korrigieren Sie ihn nicht. Verhelfen Sie dem Betroffenen vielmehr zu Erfolgserlebnissen. Suchen Sie Aufgaben und Beschäftigungsmöglichkeiten, die der Demenzkranke mit seinen aktuellen Fähigkeiten noch bewältigen kann. Zeigen Sie ihm dafür Anerkennung und Respekt. Finden Sie das geeignete Maß zwischen Über- und Unterforderung und unterstützen Sie den Betroffenen nur, wenn es nötig ist.

Förderung der Selbständigkeit


Eine weitestgehende selbständige Lebensführung ist zur Aufrechterhaltung von Selbstsicherheit und Zufriedenheit von großer Bedeutung. Der Demenzkranke soll so lange wie möglich alltägliche Aufgaben alleine oder mit Unterstützung ausführen. Übernehmen Sie keine Aufgaben, die dem Demenzkranken schwer fallen. Stellen sie stattdessen ihre eigenen Ansprüche an eine angemessene Verrichtung bestimmter Tätigkeiten zurück und geben dem Demenzkranken verbal oder bildlich die nächsten Handlungsschritte vor. Tätigkeiten, die aus der eigenen Lebensgeschichte vertraut sind, eigenen sich besonders gut zur Aktivierung von Demenzkranken. Richten Sie dabei das Augenmerk immer auf die Ressourcen und nicht auf die Defizite des Erkrankten.

Biographie


Das Verstehen demenzkranker Menschen gestaltet sich häufig angesichts der Einschränkungen oder des Unvermögens der Betroffenen, sich ausdrücken und angemessen reagieren zu können, nicht leicht. Kenntnisse über biographische Daten sind in vielerlei Hinsicht wichtig für den Umgang mit Betroffenen. Zum einen erleichtert das Wissen über die Lebensgeschichte den Kontaktaufbau zu Betroffenen. Die Biographie liefert Anknüpfungspunkte und Gesprächsstoff. Zum anderen wird die momentane Erlebniswelt der Erkrankten nachvollziehbar. Oft können, ansonsten unerklärliche Verhaltensweisen und Bewegungsmuster, aus den Erlebnissen und Tätigkeiten in bestimmten Lebensepochen ableitet werden.

Auch Kenntnisse über den früheren alltäglichen Ablauf können hilfreich sein. Wird ein Demenzkranker beispielsweise morgens um 3:00 Uhr wach, da er jahrelang die Zeitung austrug, wird dieses Verhalten nicht als nächtliche Unruhe bewertet. Auch Aktivitäten, die dem Demenzkranken angeboten werden, sollten immer biographieorientiert sein. Spiele und Lieder, die aus der Vergangenheit bekannt sind, vermitteln dem Demenzkranken das Gefühl der Kompetenz und Zugehörigkeit. Da neues Lernen für Demenzkranke nicht mehr möglich ist, ist es umso wichtiger, Altbekanntes durch Übung zu erhalten bleiben.

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