Schliessen
medführer Arzt- und Kliniksuche


medführer Startseite » Verdauung » Behandlungen » Schilddrüsenoperation » Komplikationen und Risiken

Schilddrüsenoperation - Komplikationen und Risiken

Technische Methoden zur Risikominderung einer Schilddrüsenoperation


Grundsätze der risikoarmen, gewebeschonenden Schilddrüsenoperation sind hoher Ausbildungsstandard des Operateurs, anatomiegerechte, blutsparende subtile Präparationstechnik und beste anatomische Exposition (Abb. 4 und 5).
Abb. 4: Blick in den OP-Saal: dreiköpfiges Operationsteam
Abb. 4: Blick in den OP-Saal: dreiköpfiges Operationsteam
Abb.5: anatomiegerechte Übersicht trotz kleinen Hautschnitts, mit individuell einstellbarem Hakensystem (Fa. Condor Medicaltechnik, Salzkotten)
Abb.5: anatomiegerechte Übersicht trotz kleinen Hautschnitts, mit individuell einstellbarem Hakensystem (Fa. Condor Medicaltechnik, Salzkotten)

Neuromonitoring bei einer Schilddrüsenoperation


Eine gute Möglichkeit, das Risiko einer Stimmbandnervlähmung merklich zu reduzieren, besteht in der Messung der Nervfunktion während der Schilddrüsenoperation. Dies bezeichnet man in der Fachsprache als Neuromonitoring (Abb. 6 und 7). Dazu wird die Aktivität des Kehlkopfmuskels ( Musculus vocalis), d. h. des Erfolgsorgans des Stimmbandes, durch eine Sonde entweder auf dem Beatmungstubus oder im Kehlkopf, während der Schilddrüsenoperation gemessen. In bestimmten Zeitabständen oder auch kontinuierlich kann der Stimmbandnerv oder der zu ihm hinführende 10. Hirnnerv (N.vagus) gereizt werden. Auf diese Weise ist vor und nach kritischen Operationsschritten eine Erfolgskontrolle der Nervfunktion möglich. Allerdings ist die Rate an Nervlähmungen trotz dieser sehr wertvollen Vorsichtsmaßnahme nicht auf 0 abzusenken. Sie liegt aber in erfahrenen Kliniken in einer Größenordnung von unter 1% - für bleibende Lähmungen.
Abb.6: Neuromonitoring: Reizung des Stimmbandnerven mit Handelektrode
Abb.6: Neuromonitoring: Reizung des Stimmbandnerven mit Handelektrode
Abb. 7: Neuromonitoring II: Darstellung der Aktionskurve des Musculus vocalis (Kehlkopfmuskel)
Abb. 7: Neuromonitoring II: Darstellung der Aktionskurve des Musculus vocalis (Kehlkopfmuskel)

Schonung der Nebenschilddrüsen bei einer Schilddrüsenoperation


Wie oben gesagt, ist die Störung der Epithelkörperchenfunktion, d. h. ein nach der Schilddrüsenoperation auftretender Kalziummangel im Blut, die zweithäufigste Komplikation bei Schilddrüsenoperationen.
Abb.8: Der Operateur trägt eine Lupenbrille mit 2.5 facher Vergrößerung.
Abb.8: Der Operateur trägt eine Lupenbrille mit 2.5 facher Vergrößerung.
Dies geschieht nicht durch unabsichtliche Entfernung von Nebenschilddrüsen, sondern durch eine Beeinträchtigung ihrer Durchblutung aufgrund der Präparationsmaßnahmen. Dem kann am besten entgegengewirkt werden, indem der Operateur die gefährdeten Drüsen während der Präparationsphase darstellt, den vorgegebenen anatomischen Gesetzen folgt und insbesondere die Durchblutung dieser kleinen, erbsen- bis linsengroßen Drüsen nicht zerstört.

Präparationstechnisch ist die Verwendung einer Lupenbrille mit 2- bis 2,5-facher Vergrößerung hilfreich (Abb. 8).

Kommt es während einer Schilddrüsenoperation unbeabsichtigt zur Abtrennung einer Nebenschilddrüse von ihrem Gefäßstiel und wird dies bemerkt, kann diese gerettet werden, indem sie zerkleinert in einen Halsmuskel verpflanzt wird. Solche Transplantate kommen, wie man aus der Nebenschilddrüsenchirurgie bei Dialysepatienten weiß, nach einigen Wochen in hohem Prozentsatz an und nehmen auch dort ihre Funktion wieder auf.

Abb.9: Ultraschalldissektionsgerät mit Schere. (Fa. Olympus, Hamburg)
Abb.9: Ultraschalldissektionsgerät mit Schere. (Fa. Olympus, Hamburg)

Methoden der Bluteinsparung und der Gewebeschonung bei einer Schilddrüsenoperation


Ein weiteres wichtiges technisches Hilfsinstrument ist heute die Ultraschalldissektion zur Mobilisierung eines Schilddrüsenlappens, zum Abtrennen von Venen oder auch zur Gewebedurchtrennung, wenn Schilddrüsengewebe zurückbleiben soll (Abb. 9). Alternativ ist auch die Verwendung elektronisch gesteuerter Hitzekoagulation möglich.

Fazit zur Schilddrüsenoperation


Insgesamt ist die Schilddrüsenchirurgie bei benignen Erkrankungen und auch bei den hochdifferenzierten Karzinomen heute aufgrund der langen Erfahrung, der spezialisierten und hochtechnisierten Operationstechnik für den Patienten sehr sicher geworden und das Risiko ist gut kalkulierbar. Schilddrüsenoperationen gehören zu den sichersten Operationen bei parenchymatösen Organen überhaupt. Die Indikationstellung zur Schilddrüsenoperation und die Nachbehandlung sollte die chirurgischen Partnerdisziplinen Endokrinologie und Nuklearmedizin mit einbeziehen.

Als Autor anmelden

Spezialisten finden


Ärzte fragen

Sie suchen einen Spezialisten?
medführer hilft Ihnen weiter.
Senden Sie Ihre Anfrage an unsere Ärzte in Kliniken und Praxen.

zum Anfrageformular


Anzeigen Service