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Pneumothorax - Hintergrund / Einleitung

Pneumothorax


Beim Pneumothorax handelt es sich um ein in der Regel akut auftretendes, je nach Ausprägung lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem Luft in den Spalt zwischen Lungen- und Brust- bzw. Rippenfell (Pleuraspalt) gelangt und so zu einem teilweisen oder kompletten Kollaps der Lunge führt. Je nach Ursache wird zwischen einem primären Spontanpneumothorax, einem sekundären Spontanpneumothorax, einem Spannungspneumothorax, einem traumatischen (verletzungsbedingten) Pneumothorax und einem iatrogenen (therapiebedingten) Pneumothorax unterschieden. Behandelt wird ein Pneumothorax unter anderem mittels Nadel-/Katheterentlastung, der Anlage einer Thoraxdrainage oder einer Pleurodese.

 initiales Röntgenbild des Brustkorbes mit großem Pneumothorax rechts (bzw. beginnendem Spannungspneumothorax)
initiales Röntgenbild des Brustkorbes mit großem Pneumothorax rechts (bzw. beginnendem Spannungspneumothorax)

Definition: Pneumothorax


Bei einem Pneumothorax gelangt Luft in den Spalt zwischen Lungen- und Brust- bzw. Rippenfell (Pleuraspalt). Dies führt zu einem teilweisen oder kompletten Kollaps der Lunge.

Der Pleuraspalt ist der Raum zwischen Lungenfell (Pleura visceralis) und Brust- bzw. Rippenfell (Pleura parietalis). Der Pleuraspalt sorgt durch den darin herrschenden Unterdruck (sog. hydrostatischer Druck) für die Verschieblichkeit des Lungenfells des rechten und linken Lungenflügels gegen das Brust- bzw. Rippenfell der jeweiligen Brustkorbseite. Geht durch das Eindringen von Luft in diesen Raum der Unterdruck verloren, folgt das elastische Lungengewebe seiner inneren Spannung und fällt in sich zusammen. In der Folge steht dieser Lungenflügel für die Atmung nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung.

Ein solcher Pneumothorax tritt in der Regel akut, entweder spontan oder in Folge eines Traumas, auf und ist je nach Ausprägung ein akut lebensbedrohliches Krankheitsbild.

Formen und Ursachen des Pneumothorax


1. Primärer Spontanpneumothorax:


Ein primärer Spontanpneumothorax tritt in der Regel bei lungengesunden Menschen mit einer Häufigkeit von 1,2 – 28/100.000 auf. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Der bedeutendste Risikofaktor für das Auftreten eines primären Spontanpneumothorax ist das Rauchen. Ursache eines primären Spontanpneumothorax sind in der Regel das Platzen von LLungenbläschen (sog. Bullae) an der Lungenoberfläche. Wie bei einem Loch im Fahrradschlauch tritt durch das geplatzte Bläschen Luft aus (89% bei Raucher, 81% bei Nicht-Raucher). Diese Bullae entstehen durch eine lokale Entzündungsreaktion mit nachfolgendem Verschluss der kleinen Atemwege. Am häufigsten sind die Bullae an der Lungenspitze bzw. am Lungenunterlappenspitzensegment lokalisiert. Bei einem primären Spontanpneumothorax ist die Gefahr eines erneuten Auftretens (Rezidiv) sehr hoch (ca. 20% in 10 Jahren).

2. Sekundärer Spontanpneumothorax:


Der sekundäre Spontanpneumothorax tritt vor allem bei älteren Patienten mit vorbestehenden Lungenerkrankungen auf. Der Altersgipfel liegt bei 65 Jahren. Diese Form des Spontanpneumothorax entsteht in der Regel durch entzündliche Umbauvorgänge oder Überdruck im Bereich vorgeschädigter Lungenareale. Da bei diesen Patienten oft Verwachsungen zwischen Lungen- und Rippenfell bestehen, kommt es oft nur zu einem partiellen Pneumothorax.

3. Spannungspneumothorax:


Der Spannungspneumothorax ist eine lebensgefährliche Form des Pneumothorax. Dabei tritt Luft entweder von außen (z.B. Stichverletzung) oder von innen in den Brustkorb ein, kann jedoch nicht entweichen. Dieser sog. Ventilmechanismus führt zu einem Anstieg des intrathorakalen Druckes auf der verletzten Seite auf Werte von 10 – 25 mmHg. Dadurch wird das Mittelfell (Mediastinum) mit dem Herzen und den großen Gefäßen auf die gesunde Gegenseite verdrängt und dadurch vor allem der venöse Rückstrom zum Herzen gedrosselt. Schließlich nimmt das Schlagvolumen des Herzens ab, was final zum Tode führen kann.

4. Traumatischer (verletzungsbedingter) Pneumothorax:


Jede Art von mechanischer Gewalteinwirkung auf den Brustkorb kann diesen durchbrechen und so zu einem Pneumothorax führen. Die häufigste Ursache sind Rippenbrüche. Dringt neben Luft auch Blut in den Pleuraspalt ein, liegt ein sog. Hämatopneumothorax vor.

5. Iatrogener (therapiebedingter) Pneumothorax:


Ein iatrogener (therapiebedinger) Pneumothorax kann zum Beispiel durch eine computertomografisch gesteuerte, transkutane (durch die Haut) Punktion eines unklaren Lungenherdes, durch die Anlage eines zentralen Venenkatheters, durch eine transbronchiale (über die Atemwege) Probeentnahme oder auch durch Überdruckbeatmung entstehen. Nach einer potentiell einen Pneumothorax hervorrufenden therapeutischen Maßnahme sollte immer ein Röntgenbild des Brustkorbes mit Lunge durchgeführt werden. Oft tritt lediglich ein kleiner iatrogener Pneumothorax auf, der im weiteren Verlauf lediglich engmaschig kontrollbedürftig ist.

Artikelinformationen zu Pneumothorax
Autor
Dr. Denis Ehrl

Dr. med. Denis Ehrl

Zur Webseite
Prof H-G Rau

Prof. Dr. med. Horst-Günter Rau

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