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Notfall - Diabetisches Koma und starke Unterzuckerung sind ein Fall für den Notarzt

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die mit einer entsprechenden Therapie und Anpassung des Lebensstils die betroffenen Patienten in der Regel nur wenig bis gar nicht einschränkt. Es kann jedoch auch zu einer Notfall-Situation kommen. Oft ist das diabetische Koma das erste Symptom bei Patienten, bei denen der Diabetes noch gar nicht bekannt ist. Unbemerkt steigt der Blutzucker auf extrem hohe Werte über 300 bis 600 mg%. Je nach Diabetes-Art lässt sich das ketoazidotische vom hyperosmolaren Koma unterscheiden.

Diabetisches Koma durch zu viel, lebensbedrohliche Hypoglykämie durch zu wenig Glucose

Doch auch bei Diabetikern, bei denen die Erkrankung bekannt ist und die bereits mit Insulin behandelt werden, kann es zu einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung kommen. Wird zum Beispiel das Insulin falsch dosiert oder benötigt der Patient wegen eines Infekts, einer falschen Ernährung oder einer Magen-Darm-Erkrankung mehr Insulin als sonst, kann der Blutzucker in ungesunde Höhen schießen. Wird hingegen zu viel Insulin gespritzt oder hat der Patient zu wenig Kohlenhydrate zu sich genommen, kann es zu einer starken Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen, die wie das diabetische Koma bis zum Bewusstseinsverlust führen kann.

Patienten und Angehörige sollten über die Symptome im Notfall Bescheid wissen

In jedem Fall muss in diesen Notfallsituationen schnell gehandelt werden. Deshalb sollten Patienten und Angehörige die Anzeichen des diabetischen Komas oder der starken Unterzuckerung kennen, um schnell richtig handeln zu können. Hierzu gehört etwa die Gabe von Glucose oder das Spritzen von Glukagon bei Unterzucker oder das Spritzen von Insulin beim diabetischen Koma. Außerdem sollte der Notarzt verständigt werden.

Ein diabetisches Koma ist eine ernste Komplikation bei Diabetes mellitus

Durch schweren Insulinmangel und der Freisetzung gegenregulatorischer Hormone kann der Stoffwechsel entgleisen und zum diabetischen Koma führen. Dabei kann zwischen dem hyperosmolaren Koma (typisch bei Diabetes Typ 2) und dem ketoazidotischen Koma (typisch für Diabetes Typ 1) unterschieden werden. Der Blutzucker steigt auf extrem hohe Werte von über 300 mg%, beim hypersomolaren Koma sogar auf über 600 mg%. Bei beiden Formen kommt es zur Bewusstlosigkeit infolge Austrocknung und Übersäuerung des Blutes und der Gewebe.

Die Zeichen eines beginnenden diabetischen Komas sind:

  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • starker Durst, vermehrter Harndrang,
  • Kurzatmigkeit und
  • Schwäche mit der Neigung zum Kollaps.

Das ketoazidotische Koma: Azeton im Urin und im Atem kündigt das Geschehen an

Das ketoazidotische Koma kann man mit einem absoluten Insulinmangel gleichsetzen: Der Blutzucker wird nicht mehr in die Zellen transportiert, der Blutzucker-Spiegel steigt stark an. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Insulin nicht nur im Zucker-, sondern auch im Fettstoffwechsel regulierend eingreift. Durch das Fehlen von Insulin und daraus resultierendem vermehrten Fettabbau wird der Körper mit Fettsäuren überschwemmt, die in dieser Situation nur unvollständig zu sauren Vorstufen des Azetons verbrannt werden können. So ist zu erklären, warum der Organismus übersäuert wird und weshalb sich ein drohendes Koma durch eine ausgeprägte Azetonausscheidung im Harn und in der Atemluft ankündigt. Aufgrund des Azetons riecht der Atem des Diabetikers nach faulen Äpfeln oder Nagellack. Dieser Zustand wird auch als Ketoazidose bezeichnet.

Das hyperosmolare Koma

Diabetiker, den diese Form des Komas droht, haben einen relativen Insulinmangel: Das Insulin reicht nicht aus, um den Blutzuckerspiegel genügend zu senken, aber eine gewisse Menge an Insulin verhindert, dass vermehrt Fettsäuren wie bei der Ketoazidose abgebaut werden. Deshalb feht bei dieser Art von diabetischem Koma der Azetongeruch.

Diabetisches Koma entsteht oft durch Behandlungsfehler während der Insulintherapie

Am häufigsten entsteht ein diabetisches Koma durch Behandlungsfehler wie ein Defekt der Insulinpumpe, beim erstmaligen Auftreten eines Typ-1-Diabetes, durch Infektionen, verschiedene andere Erkrankungen oder Operationen.

Richtig handeln bei drohendem diabetischen Koma

Jeder Diabetiker sollte die Symptome einer Stoffwechselentgleisung und eines diabetischen Komas kennen. Das diabetische Komas ist eine lebensbedrohliche Situation, deshalb ist rasches und richtiges Handeln wichtig. Auch den folgenden Notfallplan sollte sich jeder Diabetiker verinnerlichen. Sie können diesen Plan auch als PDF-Datei ausdrucken.

Notfallplan bei Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose)

Notfallplan bei Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose)

Richtig handeln bei Unterzuckerung – Glukagon hebt den Blutzuckerspiegel

Nicht nur ein zu hoher Blutzuckerspiegel wie beim diabetischen Koma, sondern auch ein starker Unterzucker kann zur Bewusstlosigkeit führen. Deshalb muss auch bei einer starken Hypoglykämie schnell gehandelt werden. Wenn Sie als Diabetiker Symptome einer Hypoglykämie verspüren, sollten Sie zur Sicherheit einen Blutzucker-Schnelltest durchführen und falls nötig umgehend Kohlenhydrate zu sich nehmen: zum Beispiel 20 g Traubenzucker (= 4 Plättchen Dextro-Energen) oder die doppelte Menge an Rohrzucker (z. B. 8 Stück Würfelzucker) oder 200 ml Fruchtsaft oder Cola. Setzen oder legen Sie sich hin und warten Sie, bis die Hypoglykämie nach einigen Minuten abgeklungen ist. Unterlassen Sie körperliche Aktivität, denn sie verstärkt eine Unterzuckerung. Grundsätzlich führen in Flüssigkeit gelöste Kohlenhydrate zu einem rascheren Blutzuckeranstieg als feste Nahrungsmittel. Zur Stabilisierung des Blutzuckers können Sie anschließend Obst oder Brot zu sich nehmen. Schokolade ist bei einer Hypoglykämie ungeeignet, weil sie zu langsam wirkt.

Angehörige von Patienten mit Diabetes können im Notfall Glukagon spritzen

Als Angehöriger sollten Sie sich ebenfalls über die Anzeichen und die notwendigen Maßnahmen bei einer Unterzuckerung informiert haben, damit Sie richtig handeln können. Bei Bewusstlosigkeit sollten Sie sofort den Arzt verständigen und nicht versuchen, zuckerhaltige Getränke einzuflößen. Vielmehr ist es sinnvoll, Luft- und Atemwege frei zu machen, den Mund von Speiseresten zu säubern, das Gebiss herauszunehmen und den Bewusstlosen in eine stabile Seitenlage zu bringen. Wenn Glukagon zur Verfügung steht, sollte 1 mg gespritzt werden. Dabei sollten Sie sich vorher schon einmal mit der Glukagon-Spritze vertraut gemacht haben.

Wie wird Glukagon gespritzt?

Mit der Glukagon-Spritze kann ein Unterzucker mit Bewusstlosigkeit in der Regel schnell behoben werden. Es führt zu einer Freisetzung von Zucker aus der Leber. Die Glukagon-Spritze kann vom Arzt verordnet werden und ist im Kühlschrank zu lagern. Die Packung enthält ein Fläschchen und eine Spritze mit eingeschweißter Nadel. Im Fläschchen mit dem weißlichen, puderähnlichen Inhalt ist das Glukagon. Es muss zunächst mit dem Lösungsmittel aus der Spritze gelöst werden. Dazu nehmen Sie die Spritze, entfernen die Schutzkappe und spritzen das Lösungsmittel in das mit Glukagon gefüllte Fläschchen. Der Inhalt wird so lange geschüttelt, bis das Glukagon gelöst ist. Danach ziehen Sie die fertige Glukagon-Lösung in die Spritze auf.

Nach dem Erwachen: Schnell Kohlenhydrate zuführen

Glukagon wird in das Fettgewebe (wie Insulin) oder in den Muskel (z. B. in den dicken Oberschenkelmuskel, etwas seitlich) gespritzt. Nach dem Erwachen soll der Patienten sofort Kohlenhydrate (am besten in flüssiger Form) zu sich nehmen, um die Zuckervorräte des Körpers wieder zu ergänzen. Andernfalls kann nach einer kurzen beschwerdefreien Zeit ein Rückfall in die Hypoglykämie auftreten.


Verwendete Quellen:

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