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Medikamentenpumpen-Implantation - Methoden

Vorgehensweise bei der Implantation einer Medikamentenpumpe


Zunächst wird im Rahmen einer Schmerzsprechstunde entschieden, ob die Therapie mit einer Medikamentenpumpe für Sie in Frage kommt. Hierfür wird eine genaue Anamnese erhoben, insbesondere hinsichtlich Ihrer Schmerzmitteleinnahme, Schmerzstärke, -charakter und früherer Therapien. Sie werden körperlich untersucht, ggf. auch mit Röntgen, CT oder MRT. Ist die Entscheidung für eine Medikamentenpumpe (auch Schmerzpumpe genannt) gefallen, werden Sie genau hierüber aufgeklärt. Es müssen für die Operation bestimmte Medikamente wie Blutverdünner oder bestimmte Diabetes-Medikamente abgesetzt werden. Die Vorgehensweise bei der Implantation einer Medikamentenpumpe ist dann wie folgt standardisiert:
  • Stationäre Aufnahme (Aufenthalt 14 bis 18 Tage)
  • Im Falle einer Schmerztherapie: Absetzen aller opiathaltigen Schmerzmittel!
  • 1. Operation: Anlage des intrathekalen (im Hirnwasser liegenden) Katheters über die untere Wirbelsäule in Vollnarkose mit Ausleitung nach außen in ein geschlossenes System (Flanke rechts oder links, je nach Wunsch des Patienten) für die Testphase
  • Fortlaufende Applikation des Medikaments (Morphin) über 5 bis 6 Tage mit Dokumentation der Wirksamkeit und ggf. Nebenwirkungen über eine automatische Spritze auf einer Überwachungseinheit; langsames Erhöhen der Dosis und zunächst immer Einzeltherapie mit dem Medikament Morphin!
  • Im Falle der Spastik: 1- bis 2-malige Testgabe des Medikaments Baclofen intrathekal (in das Hirnwasser) in Lokalbetäubung über den unteren Rücken ohne Operation
  • 2. Operation: Sekundär - bei nachgewiesener Wirksamkeit und guter Verträglichkeit – Implantation der Medikamentenpumpe und des Verbindungskatheters in einer erneuten Vollnarkose. Während der Operation Befüllung der Medikamentenpumpe mit dem Medikament
  • Programmierung der Medikamentenpumpe
  • Ausstellen eines Patientenausweises mit Dokumentation
  • Entlassung des Patienten 7 bis 10 Tage nach der zweiten Operation
  • Weiterbetreuung durch einen bekannten niedergelassenen Schmerztherapeuten zur weiteren Therapie

Die erste Operation zur Implantation einer Medikamentenpumpe

Zugangsweg am Rücken
Zugangsweg am Rücken
Bild 1: Ausleitung des Katheters zur Testung; Bild 2: Patient ist in der Testphase mobil
Bild 1: Ausleitung des Katheters zur Testung; Bild 2: Patient ist in der Testphase mobil


Die zweite Operation zur Implantation der Medikamentenpumpe

Implantierte Medikamentenpumpe am Bauch mit Hautschnitt
Implantierte Medikamentenpumpe am Bauch mit Hautschnitt

Bild 1: Die implantierte Medikamentenpumpe (Röntgenbild) kurz nach der OP; Bild 2: Schematische Darstellung der implantierten Medikamentenpumpe (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)
Bild 1: Die implantierte Medikamentenpumpe (Röntgenbild) kurz nach der OP; Bild 2: Schematische Darstellung der implantierten Medikamentenpumpe (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)
Programmierung der Medikamentenpumpe und des Katheterverlaufs innerhalb der Wirbelsäule (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)
Programmierung der Medikamentenpumpe und des Katheterverlaufs innerhalb der Wirbelsäule (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)


Pumpensysteme der Medikamentenpumpe
Medikamentenpumpe (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)
Medikamentenpumpe (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)


Alle Medikamentenpumpen werden unter dem Unterhautgewebe verlegt, meist seitlich im Bauchbereich. Alle Medikamentenpumpen werden über eine Nadel von außen befüllt, wenn das Medikament zur Neige geht. Das kann genau berechnet werden und der Patient erhält ein Datum, zu dem er wieder zur Medikamentenbefüllung kommen muss! Versäumt der Patient diesen Termin und lässt die Medikamentenpumpe sich nicht mehr befüllen, führt dies zum einen zu schweren Entzugssymptomen und zum anderen zu einem Versagen der Medikamentenpumpe!

Die nicht programmierbaren Medikamentenpumpen mit fester Flussrate haben ein definiertes Zeitintervall, nach dem sie wieder befüllt werden müssen. Die Dosis des Medikaments kann hier nur über eine Änderung der Konzentration und einen Austausch des Pumpeninhalts variiert werden! Je nach Größe der Medikamentenpumpe und Flussrate sind dies 30 bis 40 Tage. Beim Erwachsenen werden meist 40ml-, seltener 20ml-Medikamentenpumpen implantiert.

Die programmierbaren und beim Erwachsenen heutzutage vorzugsweise zu implantierenden Medikamentenpumpen können über ein externes Gerät programmiert werden. Hier kann die Dosis einfach und so oft wie nötig geändert werden. Und das kann anfangs, bis die richtige Dosis gefunden ist, häufig notwendig werden. Diese Medikamentenpumpen müssen je nach Flussgeschwindigkeit alle 7 bis 10 Jahre ausgetauscht werden!
Pumpensystem und Zubehör (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)
Pumpensystem und Zubehör (Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der Firma Medtronic)


Artikelinformationen zu Medikamentenpumpen-Implantation
Autor
Dr. Susanne Hager

Dr. med. Susanne Hager, Klinik für Neurochirurgie mit Zertifikat für "Spezielle neurochirurgische Schmerztherapie“, Städtisches Klinikum München

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