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Leber - Anatomie und Funktion

Die Leber


LeberDie Leber ist mit etwa 1,2 bis 1,5 Kilogramm Gewicht (etwa 2% des tatsächlichen Körpergewichts) nicht nur das größte Organ des menschlichen Körpers, sondern auch die größte Drüse. Sie produziert nicht nur die Gallenflüssigkeit,  sondern ist auch für den Stoffwechsel zuständig, denn sie übernimmt wichtige Aufgaben bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen wie Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen. Zusätzlich greift sie auch regulieren in das menschliche Hormon- und Immunsystem ein. Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ für den Menschen, ohne sie können wir nicht überleben.

Lage und Aufbau der Leber


Anatomie der Leber
Die Leber liegt im rechten Oberbauch, direkt unter dem Zwerchfell, mit dem sie an einigen Stellen im oberen Bereich auch fest verwachsen ist. In der Anatomie, wird die Leber grob in zwei Teile unterteilt: den rechten und den linken Leberlappen. Beide Leberlappen sind gut zu unterscheiden, denn sie werden von einer bandartigen, vom Zwerchfell ausgehenden Struktur (dem Ligamentum falciforme hepatis) unterteilt. Am unteren Ende der Leber verläuft das sogenannte runde Leberband (das Ligamentum teres hepatis) vom Ligamentum falciforme bis hin zum Nabel. Dieses runde Leberband besteht aus Resten der Nabelvene (Vena umbilicalis), welche während der Embryonalzeit  mit Sauerstoff angereichertes Blut aus dem Blutkreislauf der Mutter hin zur embryonalen Leber und über einen „Kurzschluss" (eine kurze Gefäßverbindung) auch direkt in die untere Hohlvene transportierte.

Auf der Unterseite der Leber liegt die sogenannte Leberpforte, die mehrere Gefäße bündelt. Hierzu zählen die Pfortader und die Leberarterie, die in die Leber hineinführen, und auch der Gallengang, der aus der Leber herausführt. In der Pfortader  sammelt sich das Blut aus dem Magen-Darm-Trakt, der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase und der Milz. Die Leberarterie versogt die Leber mit Blut aus dem großen Blutkreislauf. Auf der oberen Seite der Leber leiten unzählig viele kleine Lebervenen das Blut aus der Leber in die untere Hohlvene ab und damit zurück in den großen Blutkreislauf.

Anatomie Leberläppchen
Das innere Lebergewebe unteilt sich in etwa ein bis zwei Millimeter große Läppchen, die sogenannten Leberläppchen. Im Querschnitt ist jedes Leberläppchen ein Sechseck, in dessen Mitte eine Zentralvene verläuft. Umgeben sind diese Leberläppchen von Bindegewebe, das sie untereinander zusammenhält. Durch dieses Bindegewebe verlaufen an den jeweiligen sechs Eckstellen der Leberläppchen Äste der Leberarterie, der Pfortader und des Gallenganges. Diese Struktur nennt man periportales Feld oder auch Glisson-Dreieck.

Das Innere des Läppchen besteht aus Leberepithelzellen (den sogenannten Hepatozyten), die strahlenförmig von der Zentralvene aus nach außen gehen. Zwischen diesen Leberzellen liegen feinste Blutgefäße (Lebersinuide genannt), die das Blut vom Äußeren des Läppchens hin zur Zentralvene befördern. Zwischen den Hepatozyten liegen außerdem die Gallenkapillaren, die die Gallenflüssigkeit aus dem Inneren der Leberläppchen nach außen leiten, wo sie schließlich im periportalen Feld in die Gallengänge übergehen.

Die Funktion der Leber


Durch ihre Lage nahe der Verdauungsorgane fällt der Leber bei der Verwertung von Nahrungsbestandteilen eine wichtige Rolle zu. Pro Minute durchströmen die Leber etwa 1,5 Liter Blut, was etwa ein Viertel des gesamten Blutes des Körpers entspricht. Etwa 25% davon dienen der Sauerstoffversorgung der Leber, die über die Leberarterie mit ausreichend sauerstoffreichem Blut aus der Hauptschlagader (Aorta) versorgt wird. Die restlichen 75% des Blutes stammen aus den Gefäßen des Magen-Darm-Trakt, die gesammelt über die Pfortader ihr venöses (nicht sauerstoffhaltiges) Blut an die Leber schicken. Dieses Blut ist mit Nährstoffen angereichert, die über den Magen-Darm-Trak abgesondert wurden. Diese Nährstoffe können sowohl gute Stoffe wie z.B. Eiweiß, Kohnlenhydrate oder Fett sein, aber auch schädliche Stoffe wie Gift oder Medikamente.

Die Leber filtert das Blut, um die anderen Organe des Körpers vor Schädigungen zu bewahren. Wichtige Stoffe wie Kohlenhydrate und Eiweiß können für schlechtere Zeiten direkt in der Leber zwischengelagert werden während schädliche Stoffe hier weitgehend entschärft (d.h. entgiftet) werden.

Der menschliche Stoffwechsel


1.            Kohlenhydratstoffwechsel
Eine der Hauptaufgaben der Leber liegt in der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Glukose im Körper. Werden Kohlenhydrate über die Nahrung aufgenommen, werden sie im Darm zu Glukose umgebaut, an das Blut abgegeben und zur Leber transporiert. Die Leber speichert die Glukose und setzt sie, wenn ein Glukosemangel im Körper herrscht, wieder frei.

2.            Fettstoffwechsel
Fette sind neben den Kohlenhydraten wichtige Energieträger für den menschlichen Körper, als auch Bausteine für verschiedene Zellstrukturen (z. B. die Zellwände). Sie werden genau wie die Kohlenhydrate über den Darm in die Blutbahnen resobiert und zur Leber transportiert. Fette (und Fett verwandte Substanzen wie das Cholesterin) werden allerdings erst direkt in der Leber in ihre Bestandteile wie Fettsäuren und Glyzerin zerlegt. Die Endprodukte stehen dem Körper dann als Energielieferanten und -speicher zur Verfügung.

3.            Eiweißstoffwechsel
Der Körper benötigt Eiweiße als Baubestandteil für Zellen und Gewebe. Bereits im Dünndarm wird das Eiweiß in seine kleinsten Bestandteile (die Aminosäuren) zerlegt, die über die Blutbahn an die Leber geschickt werden. Aus diesen verschiedenen Aminosäuren werden in der Leber dann körpereigene Eiweißsubstanzen zusammengebaut. Die Leber produziert in dieser Art und Weise eine ganze Menge an verschiedenen Eiweißte und Proteine, ohne die der menschliche Körper nicht überleben würde.

Die Reinigung des Blutes


Eine weitere Aufgabe der Leber ist die Reinigung des Blutes von giftigen Stoffen, die sowohl körpereigen als auch körperfremd sein können. Hierzu werden diese Substanzen aus dem Blutplasma direkt in die Leberzelle überführt, wo sie in mehreren Schritten chemisch umgewandelt werden. Die Endprodukte dieser Umwandlung werden dann entweder direkt in die Galle abgegeben oder über die Nieren und den Harn komplett aus dem Kreislauf eliminiert. Zu den häufigsten körperfremden Schadstoffen, die über die Leber entgiftet werden, zählen Genussmittel wie Alkohol und Arzneimittel.

Ein wichtiges Beispiel für die Umwandlung von körpereigenen Stoffen ist die Eliminierung von Bilirubin aus dem Blutkreislauf. Der rote Blutfarbstoff der Blutkörperchen, das Hämoglobin, wandelt sich im Blutkreislauf in mehreren Schritten in Bilirubin um. Dies ist ein ganz natürlicher Schritt des menschlichen Körper während der Blutversorgung. Erreicht das Bilirubin die Leber, wird es hier aus dem Blutkreislauf entzogen und über den Gallengang in den Darm geleitet, wo es letztendlich mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Wird diese Funktion der Leber beeinträchtigt, kann das Bilirubin nicht mehr aus dem Blut gefiltert werden. Es bildet sich eine Übermenge an Bilirubin im Körper, ein sogenannter Rückstau, was eine Gelbsucht zur Folge hat.

Gallenbildung in der Leber


Die Bildung der Galle in der Leber dient zwei wesentlichen Zwecken: zum einen ermöglicht die aus Cholesterin hergestellte Galle die Aufnahme von Fetten, fettlöslichen Vitaminen und Cholesterin aus der Nahrung im Darm, zum anderen können über die Galle Stoffe aus der Leber in den Darm abgegeben werden. Hierfür sind verschiedene Transportsysteme verantwortlich, die an der Oberfläche jeder Leberzelle zu finden sind.

Abbildung rechts: Vergrößerung zweier Leberzellen mit zentralem Gallenkanälchen. Rot: Aufnahme der Stoffe in die Leber. Grün: Sekretion in das Gallenkanälchen. Abbildung links: Mehrere kleine Gallenkanälchen gehen in den Gallengang über, von wo die Gallenflüssigkeit in den Darm transportiert wird.
Abbildung rechts: Vergrößerung zweier Leberzellen mit zentralem Gallenkanälchen. Rot: Aufnahme der Stoffe in die Leber. Grün: Sekretion in das Gallenkanälchen. Abbildung links: Mehrere kleine Gallenkanälchen gehen in den Gallengang über, von wo die Gallenflüssigkeit in den Darm transportiert wird.

Auf einer Seite jeder Leberzelle werden über spezielle Transportsysteme die Stoffe aus dem Blut in die Leberzelle aufgenommen. Hier werden sie umgebaut oder zersetzt bevor sie auf der anderen Seite der Zelle über weitere Transportsysteme in die Gallenkanälchen abgegeben werden. Diese kleinsten Kapillaren bündeln sich zu größeren Gallengängen in der Leber, die wiederum alle im Hauptgallengang enden. Von hier wird die Galle entweder direkt in den Darm transportiert oder in der an der Leber anliegenden Gallenblase zwischengespeichert.

Weitere wichtige Aufgaben der Leber


Neben Glukose speichert die Leber auch viele Vitamine und lebenswichtige Spurenelemente wie Eisen, Zink, Kupfer und Mangan. Bei Bedarf werden sie genau wie die Glukose freigesetzt und über das Blut anderen Organen und Geweben im Körper zur Verfügung gestellt. Ferner ist die Leber auch an der Aktivierung von verschiedenen Hormonen beteiligt und kann Stoff produzieren und ins Blut abgeben, die bei einer Infektion an anderer Stelle im Körper helfen, Bakterien oder Viren abzuwehren bzw. kann diese direkt im Blutkreislauf bekämpfen.

Die Leber ist somit das zentrale Stoffwechselorgan des Menschen, denn sie verarbeitet die über die Nahrung aufgenommenen wichtigen Nährstoffe und bildet aus ihnen Cholesterin, Fett, Eiweiß und Galle. Sie reguliert fernen den Stoffwechsel an Glukose, Fetten und Proteinen und entgiftet den Körper. Ohne eine funktionierende Leber ist der menschliche Körper nicht in der Lage, zu überleben.




Verwendete Quellen:
Sauer, PD Dr. Peter und Prof. Dr. Wolfang Stremmel. Ratgeber für Patienten: Funktion der Leber/Galle. Gastro- Liga e.V. - Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e.V., Gießen.


Autor
medführer

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