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Kreuzbandschaden - was tun? - Hintergrund

Kreuzbandschaden - was tun?

Viele der früher häufig gesehenen Komplikationen nach Knieoperationen gehören heute - dank der modernen Technologie und dem exponentiell gewachsenen Wissensstand - der Vergangenheit an. In diesem Beitrag sollen auf der Basis des gegenwärtigen Standes der Kniechirurgie neue Entwicklungen dargestellt werden, von denen bereits jetzt absehbar ist, dass sie einen Standardplatz in unserem chirurgischen Repertoire einnehmen werden.

Das Kniegelenk ist nicht nur das größte Gelenk des Menschen, sondern auch das komplexeste, oder im Volksmund das komplizierteste. Trotz der Errungenschaften der modernen Medizin fürchten sich viele Menschen vor operativen Eingriffen am Kniegelenk wegen möglicher Komplikationen bis hin zur Versteifung, auch wenn die arthroskopischen Videotechniken manche Angst vor Knieoperationen genommen hat.

Die Kreuzbänder

Eine Untersuchung der schwedischen Folksam-Unfallversicherung, in der jeder Sport treibende Schwede versichert sein muss, hat in ihrer statistischen Analyse nachweisen können, dass ein Ansteigen von Fußballverletzungen im Zeitraum von 1976 bis 1983 zum Zeitraum 1986 bis 1990 um das 2,5fache zu beobachten ist. Von 1990 bis heute ist es nochmals zu einem Anstieg um ca. 30 % gekommen (Engebretsen ESSKA 2004). Ursache kann nur die veränderte und rauere Spielweise sein, da sich die Anzahl der versicherten Fußballspieler in beiden Zeiträumen nicht unterschied. Von besonderem Interesse war bei dieser Untersuchung die Frage, welche Sportverletzungen zu einer dauernden Invalidität führen. Danach sind die Verletzungen des Kniegelenkes am gefährlichsten, da allein 86 % der Unfälle eine dauernde Invalidität verursachten. Untersucht wurde auch, welche Verletzungen im Kniegelenk für diese erschreckend hohe Zahl verantwortlich waren. 87 % aller Fälle mit bleibender Invalidität wurden hiernach durch eine Zerreißung der Kreuzbänder ausgelöst. Die Bedeutung der Kreuzbandverletzungen ist demnach evident. Die operativen Eingriffe zur Wiederherstellung der Kreuzbänder verlangen eine spezielle Ausbildung, höchste Präzision bei der Ausführung der Operation und eine moderne, funktionell optimale Nachbehandlung. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, ist nach Analyse der Folksam Studie mit einer höheren Arthroserate zu rechnen, die der Arthroserate nach nicht operativ versorgtem Kreuzbandschaden gleichkommt.

In Deutschland wird die Anzahl der Kreuzbandzerreißungen pro Jahr auf ca. 80.000 geschätzt. Nicht ohne Grund hat der bekannte amerikanische Kreuzbandspezialist Feagin sein Buch über die Kreuzbänder (Ligamenta cruciata, engl. cruciate ligaments) the „Crucial ligaments“, also die kritischen Bänder, genannt. Kaum einem anderen Band oder Ligament in unserem Körper wird so viel Aufmerksamkeit und gleichzeitig Respekt entgegengebracht. Ursache ist einerseits die verbleibende Instabilität mit der drohenden Spätarthrose bei nicht-operativer Behandlung, andererseits die nicht unbeträchtliche Anzahl postoperativer Probleme mit Verlust an Bewegungsumfang, Belastungsschmerzen und Schwellungen, um nur einige zu nennen, die meist zur Aufgabe der früher durchgeführten Sportart, wenn nicht gar jeglicher Art von Sport, führen können. Leider ist es auch nicht ungewöhnlich, dass die Instabilität zurückkehrt, mit der Folge eines notwendigen Revisionseingriffes. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, lassen sich aber meist durch adäquate Operationstechniken vermeiden.

Die Naht des vorderen Kreuzbandes (VKB)

Die alleinige Naht, selbst wenn sie mit einem resorbierbaren (PDS) oder permanenten Kunstband verstärkt wird, sollte der Vergangenheit angehören.

Als einzige Ausnahme mag die seltene knöcherne Ablösung des VKB von der Oberschenkelrolle gelten. Beim Riss (Ruptur) des VKB kommt es stets zu einer mit dem Auge nicht wahrnehmbaren Zerstörung der Kollagenstruktur im Band, jener mikroskopisch nur erkennbaren Grundsubstanz eines jeden Bandes im Körper. Der Riss kann daher nur mit einer minderwertigen Narbe ausheilen, die größeren Belastungen nicht standhalten kann und dann erneut reißen wird. Lediglich die Verstärkung der Naht mit einer körpereigenen Sehne, wie der Semitendinosussehne, führt zu akzeptablen Ergebnissen.

ortho-121.jpgDa aber der operative Aufwand dem einer Kreuzbandersatzoperation zumindest gleicht, wenn nicht sogar übersteigt, die Ergebnisse aber langfristig unterlegen sind, sollte der primäre Kreuzbandersatz bevorzugt werden. Zudem ist das Risiko der Entwicklung einer so genannten Arthrofibrose (Abb 1) (krankhafte Bindegewebsvermehrung mit Kapselschwarte und damit verbundene Bewegungseinschränkung) bei der Akutoperation zu hoch.


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Dr. med. Hans H. Pässler

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