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Interview Prof. Sohn - Interview mit dem Direktor der Frauenklinik an der Universität Heidelberg, Prof. Dr. med., Prof. h.c. Christof Sohn (medizinischer Beirat) zum Thema "zertifizierte Brustzentren"

Prof. Dr. med., Prof. h.c. Christof Sohn„Das Internet spielt eine zunehmend wichtigere Rolle. Längst ist die Zeit vorbei, als ausschliesslich junge Frauen sich dieses Mediums bedient haben.“ Prof. Dr. med., Prof. h.c. Christof Sohn

Worin liegt der Nutzen der zertifizierten Brustzentren für die Patientin?
Die zertifizierten Brustzentren entstanden auf Initiative einer Arbeitsgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die den rechtlich nicht geschützten Begriff mit Leben, Kompetenz und Qualität gefüllt wissen wollten. Ihre Intention war es, bundesweit eine hohe Qualität in der Behandlung von Brustkrebspatientinnen sicherzustellen.

In zertifizierten Brustzentren ist nicht nur der Standard der Diagnostik und Therapie auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Forschung, sondern auch der Rundum-Service für die Pa­tientin. Sozialdienst, Psychoonkologie, Sanitätshäuser, Physiotherapie und onkologisches Fachpflegepersonal müssen ebenso vorhanden sein wie Gynäkologen, Radiologen, Pathologen, Plastische Chirurgen und Onkologen. Darüber hinaus sind frei zugängliche Informationsmaterialien und Patienteninformationstage Pflicht. Selbsthilfegruppen müssen zu Wort kommen. Auch die Forschung und Entwicklung verbesserter Therapie müssen an allen Brustzentren im zentralen Blickpunkt stehen und für Patientinnen offen sein. Das heißt, die Patientinnen haben durch verschiedene Studien Zugang zu neuesten Medikamenten oder Behandlungsschemata.

Hat sich aus Ihrer Sicht etwas seit der Zertifizierung verändert?
Die Brustzentren sind seit der Einführung der Zertifizierung sehr stark in ihrer Kompetenz und Qualität in der Versorgung gewachsen. Das merken auch die betroffenen Frauen, deren deutliche Mehrheit nur noch in zertifizierten Brustzentren behandeln lassen.

Wir registrieren aber auch selbst einen deutlichen qualitativen Sprung in dem Umgang mit dieser Erkrankung, ausgelöst durch die erforderliche kontinuierliche Kommunikation aller Experten untereinander und der direkten Einbindung der betreuenden Berufsgruppen wie Humangenetiker, Psychoonkologen, Sozialdienstmitarbeiter und Fachpflegekräfte. Des Weiteren werden alle Brustzentren durch die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems gezwungen, sich mit ihren Zahlen aktiv und kritisch auseinanderzusetzen.

Auf welchen Weg kommen die Patientinnen zu Ihnen?
Das Renomee der Universitätsklinik Heidelberg vor allem bei onkologischen Erkrankungen ist national und international bekannt. Die Gründung des „Nationalen Centrums für Tumorer­krankungen“ (NCT) steht für diese Kompetenz. Das Brustzentrum Heidelberg ist eines der größten seiner Art in Deutschland und betreut betroffene Frauen aus dem In- und Ausland aber natürlich vor allem aus der Rhein-Neckar-Region.

Spielen neue Informationsmöglichkeiten eine Rolle?
In Deutschland spielen die „Mund-zu-Mund“-Propaganda und die persönlichen Empfehlungen durch die behandelnden Ärzte oder Bekannte eine wichtige Rolle. Trotzdem erhalten immer mehr Frauen Informationen aus den Medien wie Zeitungen, Internet, Fachmedien, Zeitschriften und dem Fernsehen, in denen über die zertifizierten Brustzentren regelmäßig berichtet wird.

Das Internet spielt aber eine zunehmend bedeutendere Rolle. Längst ist die Zeit vorbei als ausschliesslich junge Frauen sich dieses Mediums bedient haben. Vor allem ältere Patientinnen besuchen unsere Homepage und informieren sich über die Erkrankung selbst aber auch über Adressen, Fortbildungen, Angebote und Neuigkeiten.

Wirkt sich das „Mehr“ an Informationen auch auf die Compliance der Patientinnen aus?
Das „Mehr“ an Information, das uns und unseren Patientinnen zur Verfügung steht, bringt zwei elementare Konsequenzen mit sich:

1. Die Informationen müssen strukturiert und verständlich den betroffenen Frauen und ihren Angehörigen vermittelt werden. Dazu müssen entsprechende Aufklärungsmaterialien zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund haben wir in den letzten Monaten ein Buch konzipiert, das diese Bedürfnisse erfüllt und kompetent den Patientinnen und Angehörigen zur Seite steht.

2. Die betroffenen Frauen sollen und müssen aktiver in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Die Zeiten der „Halbgötter in weiß“ sind vorbei. Nur gemeinsam können die weitreichenden Entscheidungen, die heutzutage notwendig sind getroffen werden. Aus diesem Grund ist die Kommunikation mit den Patientinnen sehr wichtig. Die Ärzte müssen ebenso wie die betroffenen Frauen und deren Angehörige lernen, miteinander offen über Prognose, Therapiemöglichkeiten und Risiken zu sprechen. Nur so kann ein maximaler Nutzen für die betroffenen Frauen erarbeitet werden.

Zusammenfassend gesagt kann das „Mehr“ an Informationen die Compliance (Akzeptanz der Therapie) positiv beeinflussen, wenn diese Infor­mationen verständlich, kompetent und eindringlich vermittelt werden konnten sowie ausführlich und offen mit allen Betroffenen diskutiert wurden.

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