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Hirngefäßangiographie - Hintergrund und Definition

Hirngefäßangiographie


Bei der Angiographie handelt es sich um die Darstellung von Gefäßen, unter anderem von Hirngefäßen, mittels diagnostischer Bildgebungserfahren nach vorheriger Injektion eines Kontrastmittels. So können mithilfe der Angiographie Gefäßerkrankungen erkannt, dargestellt und bewertet werden. Die Angiographie dient damit hauptsächlich der Diagnose von Gefäßerkrankungen und der anschließenden operativen oder strahlentherapeutischen Behandlungs- und Therapieplanung.

Definition: Was versteht man unter einer Angiographie?


Angiographie bedeutet Gefäßdarstellung. Wir unterscheiden heute die Katheter-Angiographie, die CT-A (Computertomographie gestützte Angiographie) und die MR-A (Kernspintomographie gestützte Angiographie).

Geschichte der Angiographie


Ärzte und Naturwissenschaftler suchten lange nach einer Methode, Gefäße des Menschen und anderer Lebewesen sichtbar zu machen. Der Durchbruch gelang mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm Conrad Röntgen (1895). Bereits wenige Monate später gelang es Haschek und Lindenthal (1896) zum ersten Mal, die Gefäße sichtbar zu machen. Als Kontrastmittel bedienten sie sich dabei der Teichmann`schen Masse, die vor allem aus Kreide bestand und die über die Schlagader der Armbeugearterie eingebracht wurde.


Kontrastdarstellung der Hirngefäße mittels Katheter-Angiographie


Erst 31 Jahre später wurde von dem Portugiesen Egar Moniz die Kontrastdarstellung der Hirngefäße beschrieben. Zunächst wurden von Moniz Bromsalzlösungen und später Natriumjodid in die Halsschlagader injiziert. Die heute zumeist durchgeführte Technik der Katheterdarstellung wird erstmals 1947 von Radner beschrieben, der über die Handarterie Katheter vorführte. Über den heute üblichen Zugang über die Leistenarterie berichtet Lindgren 1956. Der Vorteil der Katheter-Angiographie gegenüber der Gefäßdirektpunktion liegt darin, dass man mittels Katheter in alle vier hirnversorgenden Gefäße aus einer Position heraus gelangt.
Darstellung der rechten Halsschlagader mit konventioneller DSA und Rotationsangiographie mit 3D Rekonstruktion. Die Pfeile markieren die röntgendichten Stentenden. Kontrolle 1 Jahr nach Behandlung einer Einengung der mittleren Hirnarterie.
Darstellung der rechten Halsschlagader mit konventioneller DSA und Rotationsangiographie mit 3D Rekonstruktion. Die Pfeile markieren die röntgendichten Stentenden. Kontrolle 1 Jahr nach Behandlung einer Einengung der mittleren Hirnarterie.

Angiographie durch Interventionelle Eingriffe


Die Gefäßdarstellung ging ab 1960 langsam in Behandlungstechniken über, die man als „Interventionelle Eingriffe“ durch das Gefäßsystem beschreibt. Diese haben sich vor allem in den letzten 10 Jahren des 20. Jahrhunderts etabliert und in den ersten 10 Jahren des 21. Jahrhunderts enorm weiterentwickelt.

Fortschritte der Angiographie


Die Angiographie hat im gleichen Zeitraum ebenfalls einen enormen Fortschritt vollzogen. Es wurde die digitale Subtraktions-Angiographie eingeführt, die es erlaubte, ausschließlich Gefäße ohne begleitende Gewebe- und Knochenstrukturen darzustellen. Es werden nun erheblich besser verträgliche, wasserlösliche Röntgenkontrastmittel für die Angiographie benutzt. Die Einführung einer zweiten Ebene erlaubt mit einer Kontrastmittelinjektion, die Gefäße in zwei Projektionen darzustellen. Mit der aktuell verfügbaren „Flachdetektortechnologie“ bietet sich eine Vielzahl von Vorteilen, die von nahezu verzerrungsfreien Bildern bis zu CT (Computertomographie) ähnlichen Bildern reichen. Die 3D-Datensätze der Angiographie dienen heute der Therapieplanung durch das Gefäßsystem, aber auch für offene Operationen oder Strahlentherapie.

CT-Angiographie mit Kontrastmittel: Die Pfeile markieren die röntgendichten Stentenden. Kontrolle 1 Jahr nach Behandlung einer Einengung der mittleren Hirnarterie.
CT-Angiographie mit Kontrastmittel: Die Pfeile markieren die röntgendichten Stentenden. Kontrolle 1 Jahr nach Behandlung einer Einengung der mittleren Hirnarterie.

CT-Angiographie


Bei der CT-Angiographie (CT-A) werden die Gefäße mittels Röntgenkontrastmittel über die Armbeugevene und einer bestimmten Aufnahmetechnik in der Computertomographie (CT) dargestellt. Diese Techniken haben sich nicht zuletzt durch die Mehrschichtscanner (Multi-Slice-CT) in den letzten Jahren qualitativ enorm verbessert. Durch die CT-Angiographie hat sich der Stellenwert der Katheter-Angiographie zum Teil verändert, da manche Gefäßerkrankungen bereits mit dieser Methode wenig invasiv dargestellt oder ausgeschlossen und in der Folge direkt therapeutische Schritte eingeleitet werden können.

MR-Angiographie mit Kontrastmittel
MR-Angiographie mit Kontrastmittel

MR-Angiographie


Die MR-Angiographie (MR-A) ist ebenfalls eine wenig oder nicht invasive Möglichkeit, Gefäße mit oder ohne Kernspinkontrastmittel (in der Regel Gadoliniumhaltige Kontrastmittel) darzustellen. Neuere Techniken der MR-Angiographie erlauben bereits dynamische Untersuchungen durchzuführen, die konventionellen Angiographien sehr nahe kommen.

Verwendete Quellen:

Beck A. Die Geschichte der Angiographie. Hornberg: Verlag der Schwarzwälder Chronik. 1992; 79-112.

Berlis A. Kap. 19. Interventionen Kopf (Therapie). In: Referenz-Reihe Radiologie (RRR) – Neuroradiologie. Hrsg. Jansen, Forsting, Sartor. Georg-Thieme Verlag, 4. Aufl., 2008, S.337- 370.

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