Schliessen
medführer Arzt- und Kliniksuche


medführer Startseite » Verdauung » Krankheiten » Hämorrhoidalleiden » Hintergrund / Einleitung

Hämorrhoidalleiden - Hintergrund / Einleitung

Hämorrhoidalleiden


Ein Hämorrhoidalleiden liegt vor, wenn die Hämorrhoiden vergrößert sind oder Beschwerden verursachen. Das Hämorrhoidalleiden ist vor allem eine Erkrankung des mittleren Lebensalters.
Das häufigste Symptom des Hämorrhoidalleidens ist die Blutung aus dem After, die oft auch von Jucken und Nässen begleitet wird.


Was ist ein Hämorrhoidalleiden?


Der Begriff Hämorrhoiden wird unterschiedlich verwendet. Einige Autoren verstehen darunter die als normaler Bestandteil im Übergangsbereich von After zu Enddarm unter der Schleimhaut gelegenen Gefäßpolster, die für die Feinabdichtung des Afters verantwortlich sind (s. Abb. 1 und Abb. 2).
Abb. 1: Anatomie des Enddarms und des Afters
Abb. 1: Anatomie des Enddarms und des Afters
Abb. 2: Hämorrhoiden, wasserkissenartig den Analkanal abdichtend
Abb. 2: Hämorrhoiden, wasserkissenartig den Analkanal abdichtend

Andere bezeichnen als Hämorrhoiden krankhafte Veränderungen dieses Teiles des Verschlussorganes, also wenn sie vergrößert sind oder Beschwerden verursachen (s.u.). Im Gegensatz dazu werde ich dann nicht von Hämorrhoiden, sondern von einem Hämorrhoidalleiden sprechen.

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass die Hämorrhoiden einzelne Knoten seien, handelt es sich um zirkulär unter der Schleimhaut angeordnete Gefäßpolster, die von Arterien gespeist werden. Während der Kontinenzphase (Kontinenz hier: Fähigkeit, Stuhl und Winde zu kontrollieren) sind sie prall mit Blut gefüllt, da der venöse Abfluss aus den Hämorrhoiden zum Teil durch den dann kontrahierten inneren Schließmuskel erfolgt und in dieser Zeit entsprechend abgedrosselt ist. Während des Stuhlgangs erschlafft der innere Schließmuskel, so dass der Blutabfluss aus den Polstern freigegeben wird: diese werden durch die Stuhlsäule leergepresst und der Stuhl kann ungehindert passieren. Nach erfolgter Stuhlentleerung stellt sich der vorherige Zustand wieder ein. (Abb. 3 u. Abb. 4)
Abb. 3: Hämorrhoidalpolster, prall gefüllt (Kontinenz-Phase, schematisch)
Abb. 3: Hämorrhoidalpolster, prall gefüllt (Kontinenz-Phase, schematisch)
Abb. 4: Hämorrhoidalpolster, entleert (während des Stuhlgangs, schematisch)
Abb. 4: Hämorrhoidalpolster, entleert (während des Stuhlgangs, schematisch)

Wie schon erwähnt, spreche ich bei einer mehr oder weniger ausgeprägten Vergrößerung der Hämorrhoiden bzw. beim Auftreten von Beschwerden von einem Hämorrhoidalleiden.

Häufigkeit des Hämorrhoidalleidens


Genaue Zahlen über die Häufigkeit des Hämorrhoidalleidens (so genannte Prävalenz) existieren nicht.

Altersverteilung beim Hämorrhoidalleiden


Das Hämorrhoidalleiden ist vor allem eine Erkrankung des mittleren Lebensalters. Bis zum Alter von 20 Jahren ist es eher selten; zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahrzehnt kommt es wesentlich häufiger vor, im höheren Alter nimmt es wieder ab.


Geschlechtsverteilung beim Hämorrhoidalleiden


Das Hämorrhoidalleiden ist bei Männern und Frauen etwa gleich häufig.

Lebensqualität mit Hämorrhoidalleiden


Das Hämorrhoidalleiden beeinflusst, im Gegensatz zur Analfissur, die Lebensqualität kaum.

Die vier Stadien des Hämorrhoidalleidens


Das Hämorrhoidalleiden wird gewöhnlich in vier Stadien eingeteilt (Abb. 6).
Abb. 6.1: Hämorrhoidalleiden I. Grades; Gefäßpolster gering vergrößert
Abb. 6.1: Hämorrhoidalleiden I. Grades; Gefäßpolster gering vergrößert
Abb. 6.2: Hämorrhoidalleiden II. Grades; Gefäßpolster deutlich vergrößert, Vorfall beim Presseon, Spontanretraktion
Abb. 6.2: Hämorrhoidalleiden II. Grades; Gefäßpolster deutlich vergrößert, Vorfall beim Presseon, Spontanretraktion

Abb. 6.3: Hämorrhoidalleiden III. Grades; Gefäßpolster stark vergrößert, Vorfall beim Pressen, muss manuell zurückgeschoben werden
Abb. 6.3: Hämorrhoidalleiden III. Grades; Gefäßpolster stark vergrößert, Vorfall beim Pressen, muss manuell zurückgeschoben werden
Abb. 6.4: Hämorrhoidalleiden IV. Grades; Gefäßpolster sehr star vergrößert, am Afterrand fixiert (kann nicht zurückgeschoben werden)
Abb. 6.4: Hämorrhoidalleiden IV. Grades; Gefäßpolster sehr star vergrößert, am Afterrand fixiert (kann nicht zurückgeschoben werden)

Verlauf des Hämorrhoidalleidens


Das Hämorrhoidalleiden ist nicht zwangsläufig progredient. Im Spontanverlauf der Erkrankung kann die Intensität der Beschwerden variieren.
  • Beim Hämorrhoidalleiden I. Grades sind die Gefäßpolster nicht vergrößert, können aber Ursache schmerzloser Blutungen sein.
  • Beim Hämorrhoidalleiden II. Grades sind die Gefäßpolster deutlich vergrößert, können beim Stuhlgang aus dem After vorfallen und sich anschließend spontan zurückziehen (Abb. 7 und Abb. 8). Neben tropfenden oder auch spritzenden Blutabgängen können sie Schleimabsonderungen, Nässen und Juckreiz verursachen. Gelegentlich kommt es auch zum Stuhlschmieren (Abb. 5).
Abb. 7: Hämorrhoidalleiden II. Grades (im Blond´schen Proktoskop)
Abb. 7: Hämorrhoidalleiden II. Grades (im Blond´schen Proktoskop)
Abb. 8: Hämorrhoidalleiden II. Grades (Prolaps mit Spontanretraktion)
Abb. 8: Hämorrhoidalleiden II. Grades (Prolaps mit Spontanretraktion)


  • Beim Hämorrhoidalleiden III. Grades fällt das stark vergrößerte Hämorrhoidalgewebe beim Stuhlgang oder bei Drucksteigerungen im Leib (Husten, Gewichtheben o.ä.) nach außen vor und muss anschließend mit den Fingern in den After zurückgeschoben werden (Abb. 9). Wenn das vorgefallene Gewebe nicht reponiert (zurückgeschoben) wird, kann die Blutversorgung durch den Schließmuskel abgedrosselt werden mit der Folge einer schmerzhaften Einklemmung („Inkarzeration/Thrombosierung“) (Abb. 10).
Abb. 9: Hämorrhoidalleiden Stadium III (unter Mitbeteiligung des Anoderms). Prolaps, der zurückgeschoben werden muss.
Abb. 9: Hämorrhoidalleiden Stadium III (unter Mitbeteiligung des Anoderms). Prolaps, der zurückgeschoben werden muss.
Abb. 10: Anedorm- und Hämorrhoidalvorfall partiell, thrombosiert, fixiert
Abb. 10: Anedorm- und Hämorrhoidalvorfall partiell, thrombosiert, fixiert


  • Im Endstadium des Hämorrhoidalleidens (Grad IV) sind die erheblich vergrößerten Gefäßpolster permanent nach außen vorgefallen und am Afterrand fixiert. Sie können nicht mehr in den After zurückgedrückt werden. Da das hämorrhoidale Gewebe von Schleimhaut bedeckt ist, kommt es zu ständigem Nässen und zur Beschmutzung der Wäsche, manchmal auch zu Blutungen bei der Reinigung des Afters. Mit zunehmender Umwandlung (Verdickung und Vernarbung) der empfindlichen Schleimhaut infolge der fortwährenden mechanischen Reizung kann die beschriebene Symptomatik (vor allem Bluten und Nässen) durchaus rückläufig sein.

    Abb. 11: Multiple Analthrombosen bei Schwangerschaft
    Abb. 11: Multiple Analthrombosen bei Schwangerschaft

Hämorrhoidalleiden in Schwangerschaft und Wochenbett


In einem hohen Prozentsatz kommt es – vor allem gegen Ende der Schwangerschaft und bei der Entbindung – zu hämorrhoidalen Beschwerden. Die Mehrzahl der Patientinnen klagt über Juckreiz, Schmerzen und Brennen, Blutungen, Nässen oder einen Vorfall. Nicht selten bilden sich auch mehr oder weniger schmerzhafte Analthrombosen (Abb. 11).

Ursachen des Hämorrhoidalleidens


In einigen Studien zeigte sich, dass Hämorrhoidalkranke im Vergleich zu Gesunden mehr Fette, mehr Alkohol und mehr Pfeffer zu sich nahmen, weniger tranken, mehr rauchten und öfter verstopft waren. Auch frühstückten 33 % der Patienten nicht; in der Kontrollgruppe der Gesunden waren es nur 11 %. In weiteren Studien konnte nachgewiesen werden, dass ballaststoffreiche Kost hämorrhoidale Beschwerden linderte.


Artikelinformationen zu Hämorrhoidalleiden
Autor
Autor

Dr. med. Horst Mlitz

Zur Webseite
Als Autor anmelden

Spezialisten finden


Ärzte fragen

Sie suchen einen Spezialisten?
medführer hilft Ihnen weiter.
Senden Sie Ihre Anfrage an unsere Ärzte in Kliniken und Praxen.

zum Anfrageformular


Anzeigen Service