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Extra-/intrakranieller Bypass zur Schlaganfallprophylaxe - Hintergrund

Extra-/intrakranieller Bypass zur Schlaganfallprophylaxe


Beim extra-/intrakraniellen arteriellen Bypass – auch extra-/intrakranielle Mikroanastomose oder superficial temporal arteri-medial cerebral-arteri-Bypass genannt – handelt es sich um ein neurochirurgisches Operationsverfahren zur Schlaganfallprophylaxe. Der extra-/intrakranielle Bypass eignet sich insbesondere für Patienten mit immer wiederkehrender Schlaganfallsymptomatik, dem Nachweis eines Carotisverschlusses oder einer hochgradigen Stenose.

Geschichte des extra-/intrakraniellen Bypass zur Schlaganfallprophylaxe


Die Überlegung erscheint logisch: Wenn die innere Carotisarterie geschlossen ist und dadurch die Blutversorgung des Gehirns in Gefahr, kann durch eine Bypass-Operation über die äußere Carotisarterie im Bereich der Schläfe Blut via Bypass direkt in den Schädel und ins Gehirn gebracht werden. Unter dieser Überlegung wurde in den 70er Jahren bei vielen Schlaganfallpatienten das Operationsverfahren der extra-/intrakraniellen Mikroanastomose – auch extra-/intrakranieller arterieller Bypass oder superficial temporal arteri-medial cerebral-arteri-Bypass genannt – durchgeführt.

Im Jahr 1985 zeigte dann allerdings eine Studie, dass dieses Operationsverfahren für viele Schlaganfallpatienten keinen Vorteil, sondern durch die Operation sogar ein zusätzliches Risiko barg. Diese Studie hatte viele Schwachpunkte, jedoch gilt es seither als erwiesen, dass nicht für jeden Patienten mit Schlaganfall extra-/intrakranieller Bypass angezeigt ist. Wird allerdings, so zeigten andere Studien, eine strenge Patientenauswahl getroffen, so ist das Ergebnis die Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Verschluss der A. carotis interna (innere Gehirnarterie) positiv und führt zu einer guten Prophylaxe vor weiteren Schlaganfallereignissen.

Eine Studie, die bis ins Jahr 2010 geführt wurde (Carotid occlusion sugery study: COSS) zeigte, dass das Schlaganfallrisiko nach einem extra-/intrakraniellen Bypass nur noch 3 Prozent pro Jahr beträgt, während es bei konservativer Therapie pro Jahr bei 11 Prozent der Patienten liegt. Auch diese Studie wurde viel diskutiert, insbesondere zeigte sich, dass die Ergebnisse besonders von der operativen Erfahrung des Neurochirurgen mit vaskulärer Neurochirurgie abhängen.


Indikation für einen extra-/intrakraniellen Bypass zur Schlaganfallprophylaxe


Aufgrund der Studienlage wird derzeit empfohlen, einen extra-/intrakraniellen Bypass nur bei einer bestimmten Patientengruppe mit Verschluss der A. carotis interna vorzunehmen. Es sind insbesondere Patienten, die sogenannte Grenzzoneninfarkte aufweisen, das heißt: es kommt aufgrund der fehlenden Hirndurchblutung vor allem in den am weitesten innerhalb eines Versorgungsgebietes in der Peripherie liegenden Blutgefäßarealen zu Infarkten.

Dies ist der Fall, wenn die Durchblutung sozusagen „auf der Kippe“ steht. Bestimmte Umstände wie kurze Blutdruckabfälle, wie sie nach dem Essen oder beim Übergang vom Sitzen zum Stehen oder unter anderen Umständen auftreten können, führen schon zu ischämischen Zeichen, also Zeichen der Minderdurchblutung sowie vorübergehende Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen oder Kribbelmissempfindungen. Man nennt diese Form der Minderdurchblutung einen hämodynamischen Carotisverschluss.

Wenn hier bei Gabe von Medikamenten (z.B. Aspirin) die Symptomatik weiter anhält und in Zusatzuntersuchungen (Spect = Nuklearmedizinische Untersuchung, spezielle transkranielle Doppleruntersuchungen) eine sogenannte fehlende Reservekapazität nachgewiesen wird, kann die Indikation zu einem extra-/intrakraniellen Bypass gestellt werden. Zur Festlegung der Bypassnotwendigkeit ist die enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Neurochirurgen unumgänglich.

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