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Darm - Anatomie und Funktion

Anatomie und Funktion des Darms

Abb. 1: Anatomische Darstellung des Dick- und Enddarms (Kolon und Rektum)
Abb. 1: Anatomische Darstellung des Dick- und Enddarms (Kolon und Rektum)

Der Darm schließt sich an den Magen an und dient vor allem der Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen aus der Nahrung. Er gliedert sich, von oben nach unten, in Dünndarm (Duodenum, Jejunum und Ileum) und Dickdarm (Zökum, Colon, und Rektum) (Abb. 1). Die Mündungsstelle des Dünndarms in den Dickdarm wird von der sogenannten Bauhin’schen Klappe verschlossen, welche verhindert, dass Darminhalt in den Dünndarm zurück fließt. Dieser erste kurze Teil des Dickdarms, das Zökum, wird auch als Blinddarm bezeichnet. Bei der typischen "Blinddarmentzündung" ist jedoch nicht der Blinddarm, sondern dessen Anhängsel, der Wurmfortsatz (Appendix) entzündet.

Der Dickdarm liegt wie ein Rahmen im Bauch, von der Bauhin‘schen Klappe, die sich im rechten Unterbauch befindet, hinauf bis unter die Leber. Dort biegt sich der Darm nach rechts (rechte Kolonflexur) und verläuft weiter, horizontal durch den Oberbauch bis zur linken Kolonflexur (dieser Abschnitt wird Colon transversum genannt). Von dort aus steigt der Darm ab in den linken Unterbauch. Da er dort eine leichte S-Kurve macht, wird dieser Abschnitt Colon sigmoideum genannt (nach dem griechischen Buchstaben für S, „Sigma“). Der S-förmige Verlauf endet im anschließenden, 16 cm langen End- oder Mastdarm (Rektum). Dieser bildet über seine Verbindung zum Analkanal mit den Schließmuskeln den Abschluss zum After. Der Enddarm wird wiederum in drei Abschnitte unterteilt, das obere, mittlere und untere Rektumdrittel (Abb. 2). Diese Einteilung in Rektumdrittel ist von klinischer Bedeutung, da die Behandlung von Tumoren in den jeweiligen Rektumdritteln unterschiedlich ist.
Abb. 2: Anatomische Darstellung des Enddarms
Abb. 2: Anatomische Darstellung des Enddarms

Als Verdauung bezeichnet man die Zersetzung der Nahrung mit Hilfe von Verdauungsenzymen. Diese Enzyme machen durch chemische Spaltung aus großen Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen kleine Nährstoffbausteine, die dann im Darm wieder aufgenommen werden können.

Beim Menschen finden diese Zersetzungsvorgänge hauptsächlich im Mund, Magen, und Dünndarm statt. Die Aufnahme (Resorption) der Nährstoffe findet jedoch fast ausschließlich im Dünndarm statt. Ca. 80 % des Wassers aus der Nahrung werden ebenfalls im Dünndarm resorbiert. Im Dickdarm werden weitere 19 % des Wassers resorbiert und der Speisebrei immer weiter eingedickt. Im Dickdarm befinden sich Bakterien (Darmflora), die die pflanzlichen Bestandteile der Nahrung durch Fermentation zerlegen können und somit resorbierbar machen. Im Enddarm findet keine Resorption mehr statt, er dient viel mehr als Reservoir, in dem der Stuhl (Kot, Fäzes) bis zu einigen Tagen verweilen kann, bevor er über den After ausgeschieden wird. Der Dickdarm und Enddarm sind also keine lebenswichtigen Verdauungsorgane. Werden also bei einer Darmoperation Teile von ihnen entfernt (bis hin zur kompletten Entfernung), kann der restliche Darm die meisten ihrer Aufgaben übernehmen.

Der Darm wird über Arterien mit Blut versorgt und über die Venen fließt das Blut dann wieder zurück zum Herzen. Die sogenannte obere Mesenterialarterie entspringt direkt aus der Bauchschlagader (Aorta) und versorgt den gesamten rechten und querverlaufenden Dickdarm mit Blut. Der linke, absteigende Dickdarm und der obere Teil des Enddarms werden von der unteren Mesenterialarterie durchblutet, wohingegen der mittlere und untere Enddarm von Ästen der inneren Beckenarterien mit Blut versorgt werden.

Die Lymphgefäße transportieren die sich im Gewebe befindende Flüssigkeit (Lymphe) ab. Die Lymphgefäße laufen neben darmversorgenden Blutgefäßen her und verzweigen sich in zahlreichen Zwischenstationen, den Lymphknoten. Diese Lymphknoten bilden Gruppen, die den Abflussgebieten der verschiedenen Darmabschnitte zugeordnet werden können. Es existieren Lymphknoten direkt neben dem Darm, entlang der Blutgefäße sowie im Bereich der Gefäßursprünge aus der Hauptschlagader. Bei einer Darmkrebserkrankung spielen die Lymphknoten eine entscheidende Rolle, da sich der Krebs außer über die Blutbahn über die Lymphgefäße im Körper ausbreiten kann. Bei einer Darmkrebsoperation ist es daher ausgesprochen wichtig, die zugehörigen Lymphknotengruppen mit zu entfernen, da die Prognose eines Patienten entscheidend von der Zahl der bereits vom Krebs befallenen Lymphknoten (Lymphknotenmetastasen) beeinflusst wird.

Betrachtet man den feingeweblichen (histologischen) Aufbau der Darmwand unter dem Mikroskop, so findet man von innen nach außen vier Schichten. Je nachdem, bis in welche dieser Schichten ein bösartiger Tumor eindringt, wird die Krebserkrankung in verschiedene Gruppen bzw. Stadien eingeteilt. Je mehr Wandschichten der Tumor befällt, desto schlechter ist die Prognose des Patienten. Ebenfalls erhöht sich mit der Eindringtiefe die Wahrscheinlichkeit, dass Tumorzellen den Anschluss an Lymphbahnen oder Blutgefäße finden und Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen bilden können.

Die innerste Schicht der Darmwand bildet die Schleimhaut (Mukosa). Unter der Schleimhaut folgt eine Bindegewebsschicht (Submukosa), in welcher die Blutgefäße, Lymphgefäße und Nervenästchen verlaufen. Erreicht ein bösartiger Tumor diese Schicht, so bekommen die Tumorzellen Kontakt mit Blutgefäßen und Lymphbahnen, über welche eine Streuung von Tumorzellen in andere Organe oder in Lymphknoten möglich ist. Auf die Submukosa folgt eine Muskelschicht (Muskularis), damit der Darm sich bewegen kann, um den Darminhalt voran zu transportieren. Um die Muskelschicht liegt schließlich noch eine dünne Bindegewebsschicht, die Serosa, welche die äußerste Schicht der Darmwand bildet.


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© Copyright der Abbildungen bei Herrn Dr. med. Matthias Maak



Autor
Portrait Rosenberg

Prof. Dr. med. Robert Rosenberg

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