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Arthrolyse des Ellenbogengelenkes bei Ellenbogensteife - Hintergrund

Arthrolyse des Ellenbogengelenkes bei Ellenbogensteife


Um eine Ellenbogensteife handelt es sich bei mehr als 30° Streckdefizit und/oder weniger als 130° Beugung, wodurch erhebliche Funktionseinbußen gegeben sind. Die Ursache der Ellenbogensteife lässt sich intraartikulär, extraartikulär oder als gemischte Pathologie festlegen. Bei klinisch störenden Bewegungseinschränkungen des Ellenbogengelenkes, die posttraumatisch oder degenerativ entstanden sind, kann eine operative Arthrolyse die Beweglichkeit verbessern.

Die arthroskopische Technik ist schonend und für den Patienten gut verträglich, hat aber ein limitiertes Indikationspektrum und sollte nur bei rein intraartikulär bedingter Ellenbogensteife und noch kongruenten Gelenkpartnern zum Einsatz kommen. Die Indikation zur offenen Arthrolyse besteht bei allen Bewegungseinschränkungen >30°, extraartikulärer Pathologie, wie z.B. heterotopen Ossifikationen, und inkongruenten Gelenkflächen.

Definition der Ellenbogensteife


Bei mehr als 30° Streckdefizit und/oder weniger als 130° Beugung spricht man von einer Ellenbogensteife. Die notwendige Gesamtbeweglichkeit zur Bewältigung der alltäglichen Dinge beträgt nach Morrey 100°. Durch eine 50%ige Einschränkung des Ellenbogens kommt es zu einer Funktionseinbuße der oberen Extremität von 80 %.

Ursachen der Ellenbogensteife


Die eigentliche Ursache der Ellenbogensteife lässt sich als intraartikulär, extraartikulär oder als gemischte Pathologie festlegen. Idiopathische Ellenbogensteifen sind in der Literatur nicht beschrieben, so dass die Ellenbogensteife vorwiegend posttraumatisch, seltener nach sonstigen Immobilisationen (Bettlägerigkeit, Apoplex etc.) des Patienten oder degenerativ im Rahmen einer Ellenbogenarthrose auftritt.

Intraartikulär: 
  • Posttraumatische Gelenkstufen
  • Osteophyten 
  • Freie Gelenkkörper 
  • Fibrosierung der Kapsel 
  • Degenerative Veränderungen der Gelenkflächen
Extraartikulär: 
  • Vernarbungen der Muskulatur 
  • Adhäsionen in den Gleitschichten 
  • Narbeneinziehungen 
  • Extrakapsuläre Fibrosen 
  • Heterotope Ossifikationen
Die heterotopen Ossifikationen werden nach Ilahi in 4 Grade eingeteilt: 
  • Grad I: Ossifikation, die gemessen vom Zentrum des Capitulum humeri das Gelenk in einem Winkel von <30° einschränkt. 
  • Grad II: 30-60° 
  • Grad III: >60° ohne Ankylosierung 
  • Grad IV: Komplette Ankylosierung
Neben den knöchernen Veränderungen und den Läsionen des Kapselbandapparates durch das zugrunde liegende Trauma bedingt auch eine weiterführende Ruhigstellung Verkürzungen der Kapsel, Verklebungen der Gleitschichten und weitere intraartikuläre Adhäsionen.

Diagnose der Ellenbogensteife

Vor der eigentlichen aktuellen körperlichen Untersuchung steht die Sichtung des bisherigen Verlaufs anhand von OP-Berichten und bisher erstellten Röntgenbildern. Nach ausführlicher Anamnese und der vom Patienten vorgebrachten Beschreibung seiner Einschränkungen erfolgt die Untersuchung des Ellenbogens mit Dokumentation der Bewegungsumfänge in Beugung/Streckung und Pro-/Supination. Narben und die Durchblutung werden beurteilt, ebenso wird ein grober neurologischer Status erhoben.

Alsdann fertigt man Röntgenaufnahmen in 4 Ebenen an, um die knöcherne Situation zu beurteilen. Ein Seitenvergleich und eine Arthrografie kann bei unklaren Veränderungen Hilfe bieten. Bei komplexen Veränderungen ist eine CT anzuraten, ggf. als Arthro-CT zur Beurteilung der Kapselweite.

Eine Magnetresonanztomografie ist nicht als Standarddiagnostikum notwendig. Eine neurologische Untersuchung mit Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit ist präoperativ zu fordern.


Wann besteht die Indikation zu einer Arthrolyse am Ellenbogen?

Bevor eine operative Arthrolyse indiziert wird, sollte sichergestellt sein, dass alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Bei persistierender (unveränderter) oder sogar zunehmender Bewegungseinschränkung sollte dann der operative Eingriff sobald wie möglich erfolgen.

Ein Gesamtbewegungsausmaß von unter 100° ist bei Beeinträchtigung der dominanten Extremität beim jüngeren und aktiven Patienten eine OP-Indikation. Bei Vorliegen von heterotopen Ossifikationen muss nicht bis zu deren Ausreifung abgewartet werden. Bereits 4 Monate nach Primärtrauma ist eine OP möglich.

Der Patient muss motiviert sein und kooperativ, anderenfalls wird auch die beste Operation keinen Gewinn für den Patienten bringen. Bei mehrfachen Voroperationen und begleitendem Schulterproblem besteht eine höhere Gefahr, eine Algodystrophie (Morbus Sudeck) zu entwickeln.


Verwendete Quellen:

1. Ilahi OA, Bennett JB, Gabel GT et al. (2001) Classification of heterotopic ossification about the elbow. Orthopedics 24: 1075-1078

2. Mader K, Pennig D, Gausepohl T, Wulke AP (2004) Arthrolyse des Ellenbogengelenkes. Unfallchirurg 107: 403-414

3. Mansat P, Morrey BF (1998) The column procedure: a limited lateral approach for extrinsic contracture of the elbow. J Bone Joint Surg 80-A: 1603-1615

4. Morrey BF (1990) Post-traumatic contracture of the elbow. J Bone Joint Surg 72-A: 601-618

5. Pennig D, Gausepohl T, Mader K, Wolfgarten B (2001) Die Distraktionsarthrolyse mit humeroulnarem Bewegungsfixateur zur Behandlung der posttraumatischen Ellenbogensteife. Orthopäde 30: 635-644

6. Söjbjerg JO (1996) The stiff elbow. Acta Orthop Scand 67: 626-631


Artikelinformationen zu Arthrolyse des Ellenbogengelenkes bei Ellenbogensteife
Autor
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Dr. med. Sven Lichtenberg

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Dr. med. Petra Magosch

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Prof. Dr. med. Peter Habermeyer

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