
Mitte der siebziger Jahre erkrankten im US amerikanischen Städtchen Lyme (sprich: Laim) gehäuft Kinder an einer Gelenkentzündung. Wenig später stellte sich heraus, dass die Gelenkentzündung nur ein Symptom einer komplexen Erkrankung darstellt, die auch die Haut, das Nervensystem, das Herz-Kreislaufsystem oder die Augen betreffen kann. Wodurch diese Lyme-Disease genannte Krankheit hervorgerufen wurde und wie sie behandelt werden konnte, wusste man damals noch nicht. Erst einige Jahre später gelang es, den Auslöser dieser Erkrankung ausfindig zu machen: eine Bakterienart, so genannte Borrelien, die nach ihrem Entdecker, dem Mediziner Willy Burgdorfer, Borrelia burgdorferi benannt wurde. Übertragen werden Borrelien in erster Linie durch Zecken. Ob auch Insekten wie Fliegen und Mücken als seltene Überträger fungieren, ist derzeit noch unklar.
Häufigkeit der Borreliose
Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 30 bis 50 (regional über 100!) von 100.000 Einwohnern neu. Etwa 50 bis 100 pro 100.000 Einwohner sind an einer Lyme-Borreliose erkrankt. Zeckenstiche und Erkrankungsbeginn sind in der warmen Jahreszeit viel häufiger als in der kalten. Der Anteil der Zecken, die den Borreliose-Erreger tragen, schwankt je nach geographischer Region. In Waldgebieten, in denen die Borreliose häufig vorkommt, trägt etwa jede zehnte bis dritte Zecke den Borreliose-Erreger (Zum Vergleich: Die Erreger der ebenfalls gefürchteten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sind nur in jeder hundertsten bis zehnten Zecke zu finden.). Trotzdem kommt es nur bei etwa zwei bis vier Prozent der Zeckenstiche wirklich zu einer Borrelieninfektion, da die Übertragung der Borrelien von der Zecke zum Menschen mehrere Stunden dauert. Bemerkt und entfernt man also die Zecke gleich nach einem Spaziergang, so ist das Risiko einer Infektion nicht sehr groß.
Symptome der Borreliose
Typische Symptome für die Borreliose ist eine kreisförmige, sich langsam ausdehnende Hautentzündung rund um die Einstichstelle. Diese „Wanderröte“ (Erythema migrans) bildet sich innerhalb einer bis vier Wochen nach dem Zeckenstich aus. Allerdings zeigt sich bei Lyme- Borreliose dieses Symptom nur bei etwa dreißig Prozent der Erkrankten. Weitere Symptome in diesem frühen Stadium der Borreliose können Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Schweißausbrüche, ganz ähnlich wie bei einer Grippe sein.
Einige Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich können dann schwere organische Schäden auftreten. Charakteristisch in diesem Stadium ist das Bannwarth-Syndrom (Bannwarth- Meningopolyradikulitis), eine nicht eitrige Hirnhaut- und Nervenwurzelentzündung. Hierbei treten Kopf- und Nackenschmerzen auf, insbesondere nachts, Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen. Auch die Herzmuskulatur kann betroffen sein (Lyme-Karditis), was sich in Herzrhythmusstörungen äußern kann. Außerdem können in diesem Stadium z.T. heftige Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten, die typischerweise von einem Gelenk zum anderen wandern. Ausgeprägte und anhaltende Gelenkentzündungen werden in diesem Stadium nur selten beobachtet. Ebenfalls eher selten sind Hautveränderungen, wie das Lymphozytom, ein rötlicher oder blassbläulicher Knoten, der z.B. am Ohrläppchen, den Brustwarzen oder an der Nase auftreten kann.
Typisch für das Spätstadium der Lyme-Borreliose, welches sich Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich entwickeln kann, ist die Lyme-Arthritis, eine Gelenkentzündung, die man an Schmerzen, Schwellung, Bewe- gungseinschränkung und Überwärmung des betroffenen Gelenks erkennt. Meist ist das Kniegelenk betroffen. Auch in diesem Stadium können Hautveränderungen vorkommen, so die Acrodermatitis chronicaatrophica, eine rötlich-bläuliche Verfärbung und zigarettenpapierartige Verdünnung und Fältelung der Haut, insbesondere an den Händen und Füßen. Des Weiteren sind Augenentzündungen möglich. Wichtig ist es zu wissen, dass nicht jeder Patient alle Stadien der Borreliose durchmachen muss, dass manchmal Symptome verschiedener Stadien gleichzeitig vorhanden sind, und dass manchmal Stadien übersprungen werden können.
Borreliose Diagnose
Um eine Lyme-Borreliose feststellen zu können, wird Ihr Arzt Sie nach einem Zeckenstich, nach dem Auftreten der „Wanderröte“ und nach den zuvor beschriebenen möglichen Symptomen einer Borreliose befragen und Sie gründlich untersuchen. Manchmal ist die Diagnose nicht einfach zu stellen, da viele der Beschwerden auch bei anderen Krankheiten auftreten können und nicht jede Lyme-Borreliose typisch verläuft. Wie bereits erwähnt, können einige der sonst charakteristischen Anzeichen fehlen oder ein Stadium wird ganz übersprungen. Das macht es u.U. schwer, eine Borreliose nur anhand der Symptome sicher festzustellen. Bei einem Verdacht auf Lyme-Borreliose wird Ihr Arzt deshalb zusätzlich Labortests veranlassen. Bei einer Infektion mit Borrelien bildet der Organismus Abwehrstoffe (Antikörper), die dann im Blut nachweisbar sind. Allerdings weist ein positiver Antikörperbefund nur darauf hin, dass Sie sich in letzter Zeit mit Borrelien auseinandergesetzt haben.
Borreliose Behandlung
Da die Lyme-Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, werden zur Therapie Antibiotika eingesetzt. Allerdings gibt es kein universell wirksames Antibiotikum, das bei jedem Patienten und in jedem Fall greift. Die Wahl des Antibiotikums und die Dauer der Behandlung hängt vom Stadium und von der Schwere der Erkrankung ab. Unter einer solchen individuell abgestimmten Therapie sind die Heilungsaussichten sehr gut. Fast alle bereits im Frühstadium behandelten Patienten werden geheilt. Bei späteren Stadien bilden sich die Symptome oft nur langsam zurück (über Wochen bis Monate nach Therapieende). Manchmal ist auch eine Wiederholung der antibiotischen Behandlung notwendig. Etwa 90 Prozent der Patienten mit Lyme-Arthritis können durch eine entsprechende Therapie geheilt werden. Bei den restlichen zehn Prozent der Betroffenen mit chronischer Erkrankung dauern die Beschwerden wie, z.B. Gelenkentzündungen, trotz Therapie ein Jahr oder länger an.
| Autor -
Dagmar Wolf |
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