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Implantologie (Implantate) - Hintergrund

Was jeder Patient über Implantate wissen sollte

Das Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die ihren Eigenschaften zufolge in der Lage ist, eine natürliche Zahnwurzel optimal zu ersetzen. Allen Implantaten gemeinsam ist heute das Material, aus dem sie hergestellt werden. Es handelt sich um hochreines Titan, das für den menschlichen Körper besonders günstige Eigenschaften besitzt. Es ist biokompatibel und gewebefreundlich, d. h. es wird vom Knochen und den ihn umgebenden Geweben hervorragend angenommen und hat so gut wie kein allergenes Potenzial. Eine Abstoßung der Implantate durch den Körper findet somit in aller Regel nicht statt.

Wenn ein Implantat in den Kieferknochen eingesetzt wird, passiert etwas Wunderbares. Mit der Zeit wachsen die Knochenzellen in die nur mikroskopisch sichtbar raue Oberfläche des Implantats und verbinden sich fest mit ihr. Die Zahnärzte nennen diesen Prozess Osseointegration. Dieses Wort setzt sich aus den lateinischen Wörtern Os (=Knochen) und integrare (=einbinden, Einheit) zusammen. Das Implantat und der Knochen bilden nun eine Einheit.

Wo werden Implantate angewendet?

Laut der so genannten Konsensus-Konferenz von 2003, einem Zusammenschluss von Experten und Implantologieverbänden, soll es das Ziel sein, dass jeder fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt werde. Wenn diese optimale Versorgung aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt werden kann, das heißt, nicht jeder fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt werden kann, so kommen diverse Möglichkeiten, z. B. implantatgestützte Brücken und herausnehmbarer Zahnersatz, als Alternativen in Frage. Das heißt, es ist ohne weiteres möglich, Patienten mit kombiniert zahn- und implantatgestütztem Zahnersatz, wie z. B. Doppelkronen oder Brücken, zu versorgen.

Wenn nur ein einzelner Zahn fehlt, ist ein Implantat in bestimmten Fällen die beste Lösung, denn bei einem herkömmlichen Zahnersatz, wie z. B. einer Brücke, müssten die zwei, unter Umständen gesunden Nachbarzähne beschliffen werden. Wenn man dies verhindern möchte, ohne ein Implantat zu verwenden, käme noch ein herausnehmbarer Zahnersatz in Betracht, der mit Klammern an den übrigen Zähnen befestigt wird. Dies wäre wohl die denkbar schlechteste Lösung, da zum einen die »Klammerzähne« durch die Klammern langfristig beschädigt werden und zum anderen ein Zahnersatz zum Herausnehmen eingesetzt werden müsste, nur um einen einzigen Zahn zu ersetzen. Beide Alternativen wären vom Aussehen her bei weitem nicht so überzeugend wie eine Einzelkrone auf einem Implantat. Somit bietet sich die implantatgetragene Krone hier als Ideallösung an. Die Ästhetik ist besser und die Nachbarzähne werden geschont.

Bei zwei Implantaten zum Ersatz zweier fehlender Zähne liegen die Kosten natürlich höher. Deshalb sollte man einen fehlenden Zahn sofort durch ein Implantat ersetzen, um dem weiteren Zahnverlust vorzubeugen. Bei einer konventionellen Brücke, bei der der fehlende Zahn nur optisch, aber natürlich nicht tatsächlich ersetzt wird, besteht langfristig die Gefahr der parodontalen Schädigung der Brückenpfeiler durch die Schrumpfung des Kieferknochens und nachfolgend der Verlust dieser Zähne, so dass eine größere Lücke entsteht. Der Kieferknochen baut sich infolge der fehlenden Belastung weiter ab und dadurch können die restlichen Zähne in Gefahr gebracht werden. Dieser Prozess ist nur durch das Setzen von Implantaten zu stoppen, da durch die anhaltende Belastung des Knochens der fortschreitende Abbau verhindert werden kann. Auf die Dauer ist es ohnehin sinnvoller und kostengünstiger, die Implantatversorgung zu wählen, als einen Zahn nach dem anderen verloren gehen zu lassen.

Am einfachsten und sichersten ist der Einsatz von Implantaten, wenn nur ein oder zwei Zähne fehlen. Für eine konventionelle Brücke müssen die Nachbarzähne, unter Umständen gesunde Zahnsubstanz, präpariert werden. Setzt man jedoch Implantate, erhält man die Nachbarzähne und kann langfristig Geld sparen, da die Kosten für ein Implantat mit Suprakonstruktion, in diesem Fall eine Krone, nur wenig über den Kosten für eine Brücke liegen. Fehlt ein Zahn zur hinteren Begrenzung einer Lücke, so kann ein Implantat die Aufgabe eines Pfeilers übernehmen. Zwei Implantate dienen in einem solchen Fall als sichere Brückenpfeiler.

Implantate stellen heute in vielen Fällen eine elegante und technisch ausgereifte Optimallösung dar, zu der es keine adäquate Alternative gibt. Sie eignen sich auch zur Stabilisierung von Prothesen in bereits zahnlosen Kiefern. Eine implantatgetragene Stegverbindung gibt einer Totalprothese sicheren Halt, sie verhindert nicht nur das Schaukeln, sondern optimiert auch Kau- und Sprechfunktion. Ob für Sie ein Implantat in Frage kommt, muss in einem persönlichen Gespräch mit Ihrem behandelnden Zahnarzt geklärt werden.

Zahlen und Fakten

Nach dem Medical Data International Report wurden im Jahre 2003 in den USA 600000 Implantate gesetzt, das ist fast fünfmal so viel wie 1986. Die Zahl der eingesetzten Implantate wächst jährlich. 150 Millionen Amerikanern fehlen ein oder mehrere Zähne, etwa 35 bis 40 Millionen Amerikaner sind zahnlos. Durch Sportverletzungen verlieren die Amerikaner jedes Jahr rund zwei Millionen Zähne; hinzu kommt, dass ca. 40 Millionen durch Karies und Parodontitis irreparabel geschädigte Zähne pro Jahr gezogen werden müssen. Dies sind Zahlen aus den USA.

US-Bevölkerung293 Millionen Menschen
Anteil der zahnlosen Patienten 35–40 Millionen Menschen
Anteil der teilbezahnten Patienten 150 Millionen Menschen
Anzahl der jährlich gezogenen Zähne 40 Millionen Zähne
Zahnverlust nach Unfall 2 Millionen Zähne

Was die Kosten für Implantate angeht, so mögen folgende Zahlen als erster Überblick dienen. Beim Einzelzahnimplantat beläuft sich die Summe mit allen dazugehörigen Material- und Laborkosten auf etwa 1500 bis 2500 Euro. Vier Implantate für eine Stegprothese mit Riegel kosten etwa 7500 bis 8500 Euro, mit allen dazugehörigen Leistungen und Materialien inklusive Zahntechnik. Diese Kostenangaben sind Richtwerte und deshalb natürlich sehr allgemein gehalten. Entscheidend ist immer die Mundsituation des Patienten, dazu gehören das Knochenangebot, wie viele Zähne ersetzt werden, die Gegenbisssituation, das Alter etc.

In Langzeitstudien wurde festgestellt, dass nach zehn Jahren noch 95 % der gesetzten Implantate im Kiefer fest verankert sind, das heißt, von hundert Implantaten gehen etwa 5 innerhalb von 10 Jahren verloren. Dies passiert in der Regel kurz nach dem Setzen der Implantate. Sind sie erst einmal sicher eingeheilt und mit Zahnersatz versorgt, so ist die Verlustrate deutlich geringer. Eine hundertprozentige Erfolgsgarantie kann Ihnen in der Medizin niemand geben, statistisch gehört die Versorgung mit Implantaten jedoch zu den erfolgreichsten Methoden; sie ist deutlich sicherer als jede Krone, Füllungstherapie oder Wurzelbehandlung.

Oft gestellte Fragen zu Implantaten

Oftmals stellen mir Patienten, die vor einer Implantation stehen, die Frage: »Werde ich bei der Implantation Schmerzen haben?« Viele Patienten haben Angst vor diesem Eingriff. Während der Implantation, normalerweise in örtlicher Betäubung, also unter völliger Schmerzausschaltung, eventuell sogar in Vollnarkose durchgeführt, werden Sie vollkommen schmerzfrei sein. Auch der Einsatz des Lasers vereinfacht und beschleunigt sowohl die Behandlung als auch die Wundheilung. Nach dem implantatchirurgischen Eingriff haben Patienten in der Regel weniger Beschwerden als nach einem parodontalchirurgischen, d. h. nach einer Zahnfleischbehandlung. Eventuell ist die Einnahme von Schmerztabletten für zwei bis drei Tage von Vorteil.

Eine weitere häufig gestellte Frage ist die nach der provisorischen Versorgung am Tag der Operation. Hierzu erst einmal: Kein Patient muss die Praxis zahnlos verlassen, je nach Umfang der Behandlungsplanung wird sogar ein festsitzendes Provisorium eingesetzt. Hatte der Patient vor der Behandlung eine herausnehmbare Prothese, so wird diese nach der Implantatoperation im zahntechnischen Labor umgearbeitet und wird – eventuell mit einigen Unterfütterungen – während der Einheilung der Implantate bis zur endgültigen Versorgung als Provisorium weiter getragen.

Die Implantate, die nach 10, 15, 20 oder gar 30 Jahren ohne große Veränderungen halten, werden in den weiteren Jahren und Jahrzehnten bei guter Pflege auch weiter halten. Statistisch gesehen ist die Lebensdauer der Implantate nicht begrenzt, sie können Ihnen ein Leben lang beste Dienste leisten.

Dennoch kann es in wenigen Fällen bald nach der Implantation auch zu einem Implantatverlust kommen – was ist in einem solchen Fall zu tun? Es ist möglich, dass die prothetische Versorgung, die von mehreren Implantaten gestützt wird, auch nach Wegfall des betroffenen Implantats weiterhin funktioniert. In einem solchen Fall kann der Patient nach Absprache mit seinem Zahnarzt entscheiden, ob an dieser Stelle erneut implantiert wird. Dieser zweite Eingriff ist in der Regel für den Patienten kostenlos.

Der Zahnarzt sorgt durch präzises Arbeiten und die Verwendung der besten Materialien für eine optimale Ausgangssituation, im weiteren Verlauf der Behandlung und während der Nachsorge ist aber die aktive Mitarbeit des Patienten durch Einhalten der Kontrolltermine und eine perfekte Mundhygiene für die Lebensdauer der Implantate unentbehrlich. Der Zahnarzt haftet für seine Arbeit, jedoch nicht für den Erfolg.


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