Herzrhythmusstörungen
In den meistens Fällen handelt es sich bei Herzrhythmusstörungen um harmlose Extraschläge ohne Krankheitswert. Sowohl eine Verlangsamung der Herzfrequenz als auch eine Verschnellerung können aber auch lebensbedrohlich werden.
Die normale Herzfrequenz liegt bei 50 bis 100 Schlägen pro Minute. Die Herzfrequenz ist in der Regel bei jungen Frauen etwas höher als bei Männern, vermutlich weil bei Männern die Ruhefrequenz durch häufigen Sport absinkt. Eine Herzfrequenz < 50/min bezeichnet man als verlangsamt („
Bradykardie“), eine Frequenz >100/min in Ruhe als zu schnell („
Tachykardie“). Beide Ausprägungen der Herzrhythmusstörung können lebensbedrohlich sein. Sie treten dann meist in der Folge einer schweren, strukturellen Herzkrankheit auf, z.B. bei
Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung, Herzschwäche, Herzklappenfehler oder bei angeborener oder durch
Bluthochdruck erworbener starker Verdickung des Herzmuskels. Viele Menschen verspüren immer wieder Herzrhythmusstörungen. In den allermeisten Fällen aber, und besonders bei Herzgesunden, handelt es sich um harmlose Extraschläge ohne Krankheitswert. Im Allgemeinen kann der Arzt bereits durch eine gezielte Befragung, körperliche Untersuchung und durch ein Elektrokardiogramm (
EKG) klären, ob ein Krankheitswert besteht oder nicht. Im Zweifelsfall wird die
Ultraschalluntersuchung des Herzens zur Aufdeckung von strukturellen Auffälligkeiten eingesetzt.
Bradykarde Herzrhythmusstörungen
Bradykarde Herzrhythmusstörungen können sich durch Leistungsminderung,
Schwindel und Schwächegefühl bis hin zum Bewusstseinsverlust äußern. Nach einer gründlichen Abklärung besteht in vielen Fällen die wirkungsvollste Behandlung in der
Schrittmachertherapie. Über 200 000 Menschen in Deutschland tragen einen
Herzschrittmacher. Das eigentliche Gerät mit der Batterie ist kaum streichholzschachtelgroß und wird – von außen kaum erkennbar – meist im Bereich zwischen Brust und Schultergelenk unter die
Haut eingepflanzt. Über Sonden ist es mit dem Herzen verbunden, wo es je nach Programmierung seine Impulse abgibt. Schwere Bradykardien sind dann nicht mehr möglich. Viele Patienten leben jahrzehntelang mit einem Schrittmacher. Wegen der allmählichen Abnahme der Batterieenergie muss das Gerät nach 5 bis 20 Jahren ausgewechselt werden. Regelmäßige Kontrollen beim Herzspezialisten sind notwendig.
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Die häufigste Herzrhythmusstörung ist der unregelmäßige Herzschlag bei
Vorhofflimmern. Die normale rhythmische
Kontraktion des Herzens ist aufgehoben, weil die Vorhöfe des Herzens gewissermaßen permanente Extraschläge aufweisen. Sie können das Blut nicht mehr aus eigener Kraft in die Herzkammern pumpen. Das
Herz verfügt über Schutzmechanismen, damit die sehr rasche Schlagfrequenz der Vorhöfe nicht auf die Herzkammern übergeleitet wird. Trotzdem entsteht bei
Vorhofflimmern häufig eine
Tachykardie. Wenn das
Vorhofflimmern noch nicht zu lange besteht und keine schwere Herzerkrankung vorliegt, gelingt es oft, die normale Herzkontraktion wieder herzustellen. Dies gelingt am besten mit einem Elektroschock in Kurznarkose. Das Risiko eines erneut auftretenden Vorhofflimmerns kann mit einigen Medikamenten gesenkt werden. Patienten mit chronischem oder immer wiederkehrendem
Vorhofflimmern sind durch einen
Schlaganfall gefährdet, weil sich durch den ungerichteten Blutfluss in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel ausbilden können, die ins Gehirn gespült werden. Diese Patienten müssen meist dauerhaft blutverdünnende Medikamente einnehmen.
Tachykarde Herzrhythmusstörungen
Tachykarde Herzrhythmusstörungen können im Einzelfall mit Medikamenten behandelt werden. Bei lebensbedrohlichen Formen allerdings geht man zunehmend dazu über, den Patienten mittels eines Defibrillators zu schützen. Dieses Gerät ist dem
Herzschrittmacher verwandt und wird dem Patienten in ähnlicher Weise eingepflanzt. Es registriert laufend die Herzfrequenz des Patienten und erkennt gefährliche Rhythmusstörungen innerhalb von Sekunden. Es unternimmt dann je nach Programmierung einen Versuch, durch gezielte
Stimulation (ähnlich wie die
Stimulation des Herzschlags durch den
Herzschrittmacher) ein Ende der gefährlichen Rhythmusstörung zu erzwingen. Misslingt dies, so wird ein Elektroschock abgegeben, der die Rhythmusstörung mit hoher Sicherheit beendet.
Informationen speziell zur chirurgischen Behandlung von Herzrhythmusstörungen finden Sie hier. letzte Aktualisierung: 27.05.2012
Autor
PD Dr. med. A. Schmermund
Dr. med. E. Bruckenberger