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Herzinfarkt - Hintergrund / Einleitung

Herzinfarkt
Herzinfarkt
Ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall

Der akute Herzinfarkt ist neben dem Schlaganfall die häufigste Herzkreislaufkrankheit. Etwa 400.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Herzinfarkt. Wenngleich die meisten Infarkte bei älteren Menschen (> 65 Jahre) auftreten, sind insbesondere Männer manchmal schon im jungen Alter (> 35 Jahre) gefährdet.

Bei Patienten mit Verdacht auf einen Herzinfarkt müssen sofort lebensrettende Maßnahmen ergriffen werden. Deshalb sollte sofort bei den ersten Anzeichen eines Herzinfarkts der Rettungsdienst über die bundesweite Notrufnummer 112 gerufen werden.

Symptome für einen Herzinfarkt sind beispielsweise folgende Anzeichen: 

  • Schwere, lang andauernde Schmerzen im Brustkorb, die in beide Arme, in den Bauch, zwischen die Schulterblätter und in den Unterkiefer ausstrahlen 
  • Oft wird ein Brennen im Brustkorb gespürt, auch können Schmerzen im Hals oder Oberbauch auftreten 
  • Starkes Engegefühl, Brennen oder heftiger Schmerz im Brustkorb 
  • Zusätzlich zum Brustschmerz Erbrechen 
  • Bei Frauen sind Luftnot, Übelkeit und Erbrechen oft alleinige Alarmzeichen 
  • Blasse, fahle Gesichtsfarbe und kalter Schweiß, das Gesicht drückt die unmittelbare Bedrohung aus und ist oft bis zur Fremdheit verändert 
  • Luftnot, die zum plötzlichen Hinsetzen oder Hinlegen zwingt
  • Plötzlicher Kreislaufzusammenbruch (Kollaps mit und ohne Bewußtlosigkeit)

Ursachen für einen Herzinfarkt

Der Herzinfarkt entsteht auf dem Boden der Ablagerungen, die sich bei Einwirkung der Risikofaktoren in den Herzgefäßen ausbilden. Früher glaubte man, das kontinuierliche Wachstum der Ablagerungen führe zu einer zunehmenden Verengung bis hin zum Gefäßverschluss, der dann den Herzinfarkt auslöst. Dieses Konzept trifft aber, wie man heute weiß, nur selten zu. Vielmehr entstehen und wachsen die Ablagerungen schubweise. Einzelne Ablagerungen („Plaques“) sind besonders durch Komplikationen gefährlich. Sie können plötzlich aufbrechen („Ruptur“). Die Inhalte der Plaque sind dann in direktem Kontakt mit dem Blutstrom, was zur Ausbildung eines Blutgerinnsels führen kann. Bleibt das Blutgerinnsel klein, merkt die betroffene Person unter Umständen nichts. Das Gerinnsel wird durch Heilungsprozesse in Bindegewebe umorganisiert. Die Ablagerung erfährt einen Wachstumsschub.

Bei einem größeren Gerinnsel im Gefäß ist die Durchblutung gestört. Es können starke Brustschmerzen entstehen („Angina Pectoris“). Dies ist immer ein Alarmzeichen und muss dazu führen, dass umgehend der Notarzt gerufen wird. Manchmal kommt auch der sogenannte „stumme“ Infarkt vor, den der Patient selbst nicht bemerkt oder nicht richtig erkennt. Dies geschieht am ehesten bei Menschen, die an der Zuckerkrankheit (Diabetes) leiden. Viele Patienten verspüren jedoch sehr starke Schmerzen. Auch eine große Unruhe stellt sich ein, die sich bis zur Todesangst steigern kann. Der Patient leidet unter Schweißausbrüchen, wobei sich der Schweiß kalt anfühlt.

Wenn das Gerinnsel einen großen Teil des Gefäßes verlegt oder es verschließt, kommt es zum Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen – bei schwerer Durchblutungsstörung – zum plötzlichen Herztod (Abb. 5). Durch das plötzliche Versiegen des Blutflusses geraten die Herzmuskelzellen in eine Art Schockzustand. Kann die Durchblutung rasch wiederhergestellt werden, so können sie sich wieder erholen. Andernfalls sterben die Zellen ab, und es entsteht eine Narbe. Das Nebeneinander von gesunden und geschädigten Zellen im Herzmuskel führt häufig zu Herzrhythmusstörungen beim akuten Herzinfarkt. Wenn diese sehr stark ausgeprägt sind, wird die Pumpfunktion des Herzens aufgehoben. Der normale Herzschlag weicht ungeordneten Zuckungen, und es resultiert ein Herzkreislaufstillstand. Dieser führt innerhalb von wenigen Minuten zum Tode, wenn er nicht umgehend durch die Abgabe eines elektrischen Schocks beseitigt werden kann. Durch Herzdruckmassage im Rahmen der Wiederbelebung kann die Zeit bis zur Abgabe des rettenden Elektroschocks (Defibrillation) überbrückt werden.

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt ist schnelles Handeln lebenswichtig

Je früher ein Patient in die Klinik eingeliefert und behandelt wird, um so besser sind seine Überlebenschancen. Die Behandlung des akuten Herzinfarktes zielt darauf ab, das verschlossene Gefäß möglichst rasch wieder zu eröffnen. Durch eine umgehende Gerinnselauflösung mit Medikamenten („Lysetherapie“) oder, besser noch, mit einer Herzkatheterbehandlung kann der Schaden am Herzmuskel klein gehalten werden. Das Risiko von Herzrhythmusstörungen verringert sich. Weil in kurzer Zeit immer mehr Herzmuskelzellen absterben und sich gefährliche Herzrhythmusstörungen ausbilden können, zählt jede Minute. Bei sofortiger Behandlung – und wenn das Herz nicht bereits schwer vorgeschädigt ist – kann fast jeder Herzinfarkt einem günstigen Verlauf zugeführt werden. Leider sieht die Realität anders aus.

In der Bundesrepublik Deutschland versterben etwa 40 % an einem Herzinfarkt innerhalb von 28 Tagen. Die wichtigste Ursache für diese erschreckende Zahl liegt darin, dass bis zur Behandlung des Infarkts zu viel Zeit verstreicht.

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letzte Aktualisierung: 10.02.2010
Autor - PD Dr. med. A. Schmermund 
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