
Die Herzchirurgie beschäftigt sich mit der chirurgischen Behandlung der angeborenen und erworbenen Erkrankungen des Herzens, der herznahen großen Gefäße und des Herzbeutels. Dazu zählen: Koronararterienbypass, Herzklappenersatz oder, wenn möglich, Klappenkorrektur (Rekonstruktion), Korrektur angeborener Herzfehler, Eingriffe an der aufsteigenden und absteigenden Hauptschlagader (Aorta) und ihrem Bogen, Herz- bzw. Lungentransplantation, Panzerherz. Ein relativ neues Beschäftigungsfeld sind die als „Kunstherz“ bekannten Herzunterstützungssysteme.
Bevor eine Herzoperation durchgeführt werden kann, muss eine genaue Diagnose gestellt und der Patient auf die Operation vorbereitet werden. Fast in jedem Fall ist eine Herzkatheteruntersuchung unumgänglich. Nur bei jungen Menschen mit unkomplizierten Herzfehlern, bei denen eine genaue Diagnose mittels Ultraschalluntersuchung gestellt werden konnte, kann man auf eine Katheteruntersuchung verzichten. Weitere diagnostische Maßnahmen haben als Ziel, die möglichen Nebenerkrankungen im Vorfeld zu erkennen und zu behandeln, um das Risiko einer Herzoperation zu verringern. Dazu gehören unter anderem die Untersuchung der Halsschlagadern (Carotis), die Sanierung der Infektionsherde im Zahn-, Rachenund Nasenbereich vor den Klappenoperationen und Prüfung der Lungenfunktion. Auch eine Gewichtsreduktion bei deutlich übergewichtigen Patienten und eine vollständige Nikotinkarenz sollten angestrebt werden.
Trotz aller Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen kann man mögliche Komplikationen einer Herzoperation nicht vollständig ausschließen. Zahlreiche Operationen an der Herzoberfläche, an den herznahen Gefäßen und alle innerhalb der Herzbinnenräume sind nur an einem nichtschlagenden, blutleeren Herzen durchführbar. Für diese Eingriffe werden das Herz und die Lungen aus dem Kreislauf ausgeschaltet und stillgelegt. Ihre Funktion wird durch eine Herz-Lungen-Maschine (HLM), die aus einem System aus (meistens Roller-) Pumpen, Schläuchen und einem Gasaustauscher (Oxygenator) besteht, übernommen. Der Oxygenator ist mit einem Wärmeaustauscher, mit dem die Blut- und somit auch die Körpertemperatur reguliert wird, verbunden.
Über die angebrachten Kanülen und Schläuche fließt das Blut aus dem rechten Vorhof oder den beiden Hohlvenen in den Gasaustauscher. Dort wird es mit Sauerstoff angereichert vom Kohlendioxid gereinigt und dann in den arteriellen Kreislauf des Patienten, meistens über die Aorta, zurückgepumpt. Diesen Vorgang nennt man extrakorporale Zirkulation (EKZ) oder cardiopulmonalen Bypass.
Vor Anschluss an die HLM wird das Blut mittels Heparin ungerinnbar gemacht, um eine Gerinnselbildung in Schläuchen und Oxygenator zu vermeiden. Am Ende der Operation, nach dem Abschalten der HLM wird die Wirkung von Heparin mit einem Gegenmittel (Protamin) aufgehoben und die Gerinnung wiederhergestellt. Mittels des Wärmeaustauschers kann die Körpertemperatur gesteuert werden. Abhängig von der Art der Operation wird sie in verschiedenem Maße abgesenkt.
Mit der Absenkung der Körpertemperatur vermindert sich der Sauerstoffbedarf der Zellen, die dadurch vor Schädigung durch Sauerstoffmangel geschützt sind. Diesen Vorgang nennt man Hypothermie. Bei der so genannte tiefen Hypothermie, die einen vorübergehenden, bis zu 30 min langen Kreislaufstillstand erlaubt, wird der Körper bis auf ca. 18°C gekühlt. Sie wird z.B. bei den Operationen am Aortenbogen zum Schutz des Gehirns angewandt.
Das Herz wird stillgestellt, indem es durch das Abklemmen der Aorta von der Blutzufuhr abgeschnitten und zusätzlich ein Mittel, das zur Unterbrechung der Herzmuskelkontraktion führt, in die Kranzgefäße infundiert wird.
Gleichzeitig wird das Herz gekühlt. Nach der Freigabe der Durchblutung nimmt das Herz meistens spontan seine Tätigkeit wieder auf, manchmal ist ein Stromschlag notwendig.
Die Herz-Lungen-Maschine kann über mehrere Stunden ohne wesentliche Nebenwirkungen eingesetzt werden. Ihr Einsatz kann aber zu unerwünschten Reaktionen oder Komplikationen, wie z.B. Veränderungen in der Blutgerinnung, der Organdurchblutung und -funktion und Aderverschlüssen führen. Heutzutage können einige Bypassoperationen mit den so genannten „minimalinvasiven Techniken“ ohne Einsatz der HLM durchgeführt werden. Dabei werden die Verbindungen an den Kranzgefäßen am schlagenden Herzen unter lokaler Stabilisierung der Herzwandabschnitte angelegt.
An die Operation schließt sich eine postoperative intensivmedizinische Behandlung an. Auf der Intensivstation wird der Patient noch einige Zeit künstlich beatmet, die Herzfunktion wird ständig überwacht und bei Bedarf mit Medikamenten unterstützt.
| Autor -
Dr. med. Piotrowski |
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