Ein Schwangerschaftsdiabetes gehört zu den häufigsten Komplikationen während dieser Zeit. Das Problem: vielfach bleibt die Erkrankung unentdeckt, da die werdende Mutter beschwerdefrei ist.
In Deutschland stirbt jeden Tag ein Baby kurz vor oder während der Geburt, weil seine Mutter unerkannt an einem Schwangerschafts-Diabetes – im Fachjargon Gestationsdiabetes - leidet. Besonders problematisch: typische Symptome einer Zuckerkrankheit wie häufiges Wasserlassen und Durst treten beim Schwangerschaftsdiabetes oft nicht auf. So merken viele Schwangere gar nicht, dass sie zuckerkrank sind.
Ein Gestationsdiabetes ist eine besondere Form des Diabetes, die während der Schwangerschaft zum ersten Mal auftritt. Durch den Diabetes steigt das Risiko von Schwangerschafts-Komplikationen bis zu Früh- und Totgeburten beträchtlich. Das größere Risiko liegt dabei beim Kind - im schlimmsten Fall kann es zum Tod noch im Mutterleib kommen.
Der Fötus reagiert auf den zu hohen Blutzuckerspiegel der Mutter mit extremer Nährstoffaufnahme. Dadurch kommt es zu einem übermäßigen Wachstum des Kindes im Mutterleib (so genannte Makrosomie). Des Weiteren kann es durch den Diabetes zu Reifungsstörungen der Plazenta oder an den Organen des Ungeborenen - vor allem der Lunge - kommen. Diese und weitere Faktoren stellen ein hohes Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft sowie bei und nach der Geburt für das Kind dar. Nach der Entbindung ist der Säugling vielfach durch eine Unterzuckerung gefährdet, während der Kinderzeit kann es zu Stoffwechselstörungen oder Verschiebungen im Salzhaushalt kommen.
Wichtig: Bleibt der Schwangerschaftsdiabetes unerkannt und unbehandelt, ist das Risiko der Kinder in späteren Jahren an Diabetes und Übergewicht zu erkranken erhöht.
Auch die Mütter müssen mit erheblichen Komplikationen während und nach der Schwangerschaft rechnen wie z. B. Blutdruckerhöhung oder vermehrte Harnwegsinfekte. Entscheidend ist deshalb, den Schwangerschaftsdiabetes rechtzeitig zu diagnostizieren, denn dann können die Risiken schwerwiegender Folgen für Mutter und Kind minimiert werden.
Ein weiteres Problem: Rund 40 bis 60 Prozent der betroffenen Frauen erkranken innerhalb von zehn Jahren nach der Geburt an einem behandlungsbedürftigen Diabetes mellitus. Dies wird jedoch oft verharmlost, da ein Schwangerschaftsdiabetes meist unmittelbar nach der Geburt wieder verschwindet.
Frauen mit Kinderwunsch sollten intensiv über das Krankheitsbild aufgeklärt werden, alle Schwangeren mit einen Screeningtest auf das Vorhandensein eines Schwangerschafts-Diabetes untersucht werden. Bei diesem Test trinken die Frauen zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche eine Zuckerlösung mit 50 Gramm Glukose (Traubenzucker). Eine Stunde nach Einnahme wird der Blutzucker bestimmt und untersucht, ob ein Anfangsverdacht vorliegt und weitere Untersuchungen notwendig sind.
Falls ein Verdacht vorliegt schließt sich der so genannte Orale Glukosetoleranztest (OGTT) an. Hierbei handelt es sich um einen Zuckerbelastungstest auf nüchternen Magen über zwei Stunden mit 75 g Glukose.
Wichtig: Um einen Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen ist die Bestimmung des Urinzuckers ungeeignet.
Es gibt Risikogruppen, die häufiger von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen sind und für die der OGTT schon vor der 24. Schwangerschaftswoche empfohlen wird. Wer ist gefährdet?
Das New England Journal of Medicine veröffentlichte jetzt eine wissenschaftliche Studie der Universität Adelaide (Australien). Die Wissenschaftler teilten dabei rund 1.000 Frauen mit Schwangerschafts-Diabetes nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Während die eine Gruppe gegen den Diabetes behandelt wurde, blieb die Kontrollgruppe ohne Therapie.
Das Ergebnis: Keine Todesfälle in der behandelten Gruppe, deutlich weniger Komplikationen bei der Geburt (30 Prozent) und weniger unnatürliches Übergewicht bei den Neugeborenen (Kontrollgruppe: fünf Todesfälle).
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