Zu den Spätfolgen durch den Diabetes mellitus gehört auch eine Schädigung der Nerven. Der Fachbegriff hierfür lautet diabetische Neuropathie (Neuro = Nerven, pathie = Krankheit). Diese macht sich meist mit Missempfindungen an den Füßen und Unterschenkeln wie Ameisenlaufen, Kribbeln, Brennen, extremer Berührungsempfindlichkeit, aber auch Gefühlsverlust bemerkbar. Prinzipiell können alle Teile des Nervensystems betroffen sein. Man spricht deshalb auch von diabetischer Polyneuropathie. Beispielsweise kann es zu Muskellähmungen (z. B. plötzliches Schielen) oder Störungen des Herzrhythmus, der Magen-, Darm- oder Blasenentleerung oder auch zu Potenzstörungen kommen.
Bei der Behandlung der Neuropathie ist die möglichst optimale Stoffwechseleinstellung besonders wichtig. Es war eine der ersten Erfahrungen mit den Insulinpumpen, dass sich die Nervenstörungen nach Normalisierung der Blutzuckerwerte zurückbilden können. Deshalb sollte immer überlegt werden, ob nicht eine Behandlung mit Insulin eingeleitet oder verbessert werden muss. Auch sollte unbedingt auf Alkohol und Rauchen verzichtet werden.
An Medikamenten gegen die diabetische Neuropathie stehen Vitaminpräparate, insbesondere Thioctsäure (Thioctacid) - als Infusion über zwei Wochen angewendet - zur Verfügung. Ansonsten kommen Schmerz dämpfende Mittel sowie allgemein beruhigende, Stimmungs aufhellende Medikamente in Frage, welche zum Teil auch in der Therapie einer Depression eingesetzt werden. Weiterhin finden natürlich auch echte Schmerzmittel, wie z.B. Tramadol Anwendung.
Die diabetische Neuropathie betrifft gelegentlich auch die Nerven der Eingeweide. Der Magen kann unbeweglich werden, die Speisen werden nur verlangsamt transportiert. Es können aber auch Beschwerden, beispielsweise Erbrechen, auftreten. Für die Magenentleerungsstörung kann z.B. Domperidon sehr hilfreich sein. Als Folge der Neuropathie des Darms können sich Verstopfung oder auch Durchfälle entwickeln. Gegen die Verstopfung helfen meist Bewegung, ballaststoffreiche Nahrung und viel Flüssigkeit. Ist die Blase betroffen, vergrößern sich zunächst die Abstände zwischen dem Wasserlassen, der Harnfluss wird schwächer, es kommt zum Harnträufeln und zu dem Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung. Schließlich kann eine Harnsperre eintreten. Solche Patienten kommen meist gut zurecht, wenn sie die Anweisung befolgen, nach Plan Urin zu lassen und durch Druck mit der Hand die Blase vollständig zu entleeren.
Fast jeder zweite Diabetiker erlebt im Verlauf seiner Krankheit Potenzstörungen. Meist wird aus Scham der Arzt nicht zu Rate gezogen, und der Betreffende quält sich mit Komplexen und Partnerproblemen. Dabei können Erektionsstörungen oft Erfolg versprechend behandelt werden. Die gute Einstellung des Diabetes bildet auch hier eine unabdingbare Voraussetzung. Als medikamentöse Therapie kann auch das Medikament Viagra (Wirkstoff: Sildenafil) in Frage kommen.
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