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Zertifizierte Hernienzentren in Deutschland

Zertifizierung von Hernienzentren / Experten für Hernienchirurgie


Was ist ein zertifiziertes Hernienzentrum?


Bei einem zertifizierten Hernienzentrum handelt es sich um eine medizinische Einrichtung, die von der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) im Rahmen des 2009 gestarteten Herniamed-Projekts das „DHG-Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ verliehen bekommen hat. Dieses Siegel erhalten ausschließlich Fachkliniken, Abteilungen und niedergelassene Chirurgen mit dem Schwerpunkt Allgemein- und Viszeralchirurgie, die große fachliche Erfahrungen in der Hernienchirurgie nachweisen können, ihre Behandlungsergebnisse im Rahmen der Qualitätssicherungsstudie Herniamed offen legen und zusätzlich eine Reihe weiterer Zertifizierungskriterien erfüllen.

Darüber hinaus kann ein Hernienzentrum eine Zertifizierung als Kompetenz- oder Referenzzentrum Hernienchirurgie erlangen, wenn es das „DHG-Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ seit mindestens 12 Monaten besitzt und an einem von der Deutschen Herniengesellschaft (DHG) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie gemeinsam durchgeführten Zertifizierungsverfahren teilgenommen hat.

Hintergrund zur Zertifizierung von Hernienzentren / Experten für Hernienchirurgie


Unter dem Begriff Hernien werden sämtliche Eingeweide- bzw. Weichteilbrüche an der Bauchwand zusammengefasst. Hierzu gehören beispielsweise Leistenbrüche, Zwerchfellbrüche, Nabelbrüche, Narbenbrüche im Bereich von Operationsnarben, epigastrische Brüche in der Mittellinie des Oberbauchs oder Brüche im Bereich von künstlichen Darmausgängen.

Aufgrund ihrer Häufigkeit gelten Hernien in Deutschland inzwischen als Volkskrankheit. So werden in deutschen Krankenhäusern mittlerweile jedes Jahr mehr als 350.000 Hernien-Operationen durchgeführt. Das Operationsspektrum reicht dabei vom einfachen Nahtverschluss von Eingeweidebrüchen über Rekonstruktionen der Bauchwand bis hin zum Bauchwandersatz durch Kunststoffnetze oder biologische Netze.

Obwohl Hernien-Operationen zu den Routineeingriffen in der Chirurgie gehören, weisen Eingeweidebrüche eine relativ hohe Rückfallquote von durchschnittlich über zehn Prozent auf. Zudem leiden etwa zehn Prozent der Patienten nach einer Hernien-Operation an chronischen Schmerzen im Operationsbereich. Um die Qualität und die Ergebnisse von Hernien-Operationen sicherzustellen und zu verbessern, wurde deshalb im Jahr 2009 die gemeinnützige Gesellschaft Herniamed – ein bundesweites Netzwerk von Chirurgen, die besonders an der Hernienchirurgie interessiert sind – gegründet.

Diese Gesellschaft rief die internetbasierte Qualitätssicherungsstudie Herniamed ins Leben. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Hernienregister, indem alle Kliniken, niedergelassenen Chirurgen und Experten für Hernienchirurgie sämtliche relevanten Daten zu ihren Hernien-Operationen eingeben können – von der Durchführung der Operation über den Verlauf nach dem Eingriff bis hin zu den regelhaften Nachuntersuchungen der operierten Patienten. Auf diese Weise kann die Qualität der eingesetzten Operationsverfahren und der Operateure / Hernien-Experten gemessen und gegebenenfalls verbessert werden.

Um eine Zertifizierung als Hernienzentrum / Hernien-Experte bzw. Kompetenz- oder Referenzzentrum Hernienchirurgie erwerben zu können, müssen Kliniken, Fachabteilungen, niedergelassene Chirurgen und Hernien-Experten, die Hernien-Operationen durchführen und sich intensiv mit der Hernienchirurgie beschäftigen, an dieser Qualitätssicherungsstudie teilnehmen.

Was ist das Ziel der Zertifizierung von Hernienzentren / Experten für Hernienchirurgie?


Ziel der Qualitätssicherungsstudie Herniamed und der Zertifizierung von Hernienzentren / Experten für Hernienchirurgie ist es, die Versorgungsqualität in der Hernienchirurgie zu erhalten und zu verbessern und die Patientensicherheit bei Hernien-Operationen zu erhöhen. Eine Klinik oder Fachabteilung, die das „DHG-Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ und eine Zertifizierung als Hernienzentrum bzw. Kompetenz- oder Referenzzentrum Hernienchirurgie erwerben möchte, muss daher ein hohes Maß an Spezialisierung, Kompetenz und Erfahrung im Bereich der Hernienchirurgie nachweisen und sich anschließend regelmäßigen Kontrollen der Versorgungsqualität und Behandlungsergebnisse von Hernien-Operationen unterziehen.

Patienten können an dem Siegel und der erteilten Zertifizierung als Hernienzentrum erkennen, das eine medizinische Einrichtung bzw. ein Hernien-Experte die durch Fachexperten und Fachgesellschaften aufgestellten Qualitätsanforderungen an Hernien-Operationen erfüllt und somit nachweislich ein Spezialist auf dem Gebiet der Hernienchirurgie ist.

Welche Kriterien muss ein Hernienzentrum / Hernien-Experte für die Zertifizierung erfüllen?


Medizinische Einrichtungen und niedergelassene Chirurgen, die Hernien-Operationen durchführen und sich intensiv mit der Hernienchirurgie beschäftigen, müssen für die Verleihung und den dauerhaften Besitz des „DHG-Siegels Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ die folgenden Anforderungen erfüllen:
  • Durchführung von Hernien-Operationen bei mindestens 30 Patienten pro Jahr
  • Teilnahme an der Qualitätssicherungsstudie Herniamed
  • Vollmitgliedschaft der Operateure in der Deutschen und Europäischen Herniengesellschaft und Bezug der Zeitschrift Hernia
  • Durchführung von Follow-up-Kontrollen
  • Rezertifizierung nach zwei Jahren
Eine Zertifizierung als Kompetenz- oder Referenzzentrum Hernienchirurgie kann erst beantragt werden, wenn eine Klinik, Fachabteilung oder Praxis das „DHG-Siegel Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ seit mindestens 12 Monaten besitzt und seit zwei Monaten an den entsprechenden Follow-up-Kontrollen teilgenommen hat.

Kriterien für eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum Hernienchirurgie


Um als Kompetenzzentrum Hernienchirurgie zertifiziert werden zu können, muss die medizinische Einrichtung anschließend im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens unter anderem die folgenden Voraussetzungen erfüllen:
  • Durchführung von mindestens 200 Hernien-Operationen pro Jahr, mindestens 30 dieser OPs müssen Narbenhernienoperationen sein
  • Dokumentation aller durchgeführten Hernien-Operationen in der Qualitätssicherungsstudie Herniamed
  • Angebot spezieller Sprechstunden für Patienten mit Eingeweidebrüchen einmal pro Woche
  • Abhalten einer Morbiditätskonferenz mindestens einmal im Monat
  • Möglichkeit des ambulanten Operierens
  • Möglichkeit und Kompetenz der Ultraschalluntersuchung
  • Erfassung der Schmerzintensität beim Patienten nach der OP und zum Zeitpunkt der Entlassung
  • Nachweis des Ein-Jahres-Follow-ups für mindestens 60 Prozent der Hernien-Patienten
  • Erfüllung bestimmter Ergebnisqualitätskriterien bis zu 30 Tage nach der Hernien-Operation, z.B. Gesamtkomplikationsrate von weniger als 5 Prozent bei einer Leistenhernie etc.
  • Teilnahme der verantwortlichen Operateure an mindestens einem der von der Deutschen Herniengesellschaft (DHG), der Europäischen Herniengesellschaft (EHS) oder der Chirurgischen Arbeitsgemeinschaft Hernie (CAH) durchgeführten Kongresse im Jahr

Kriterien für eine Zertifizierung als Referenzzentrum Hernienchirurgie


Um eine Zertifizierung als Referenzzentrum Hernienchirurgie erlangen zu können, muss die medizinische Einrichtung im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens unter anderem die folgenden Kriterien erfüllen:
  • Nachweis sämtlicher Anforderungen an eine Zertifizierung als Kompetenzzentrum Hernienchirurgie
  • Durchführung von mindestens 250 Hernien-Operationen pro Jahr, mindestens 50 dieser OPs müssen Narbenhernienoperationen sein, mindestens 5 dieser OPs müssen komplexe Hernien sein und mindestens 5 dieser OPs müssen Zwerchfellhernien sein
  • Möglichkeit sämtlicher laparoskopischer/endoskopischer und offenen Operationstechniken der Hernienchirurgie
  • Abschluss einer Kooperationsvereinbarung mit einem plastischen Chirurgen
  • Veröffentlichung von mindestens zwei Vorträgen oder Postern auf DHG-unterstützten oder internationalen Hernienkongressen oder einer Publikation in einem Peerreviewed-Journal
  • Angebot von Fortbildungsveranstaltungen und Hospitationen auf dem Gebiet der Hernienchirurgie, die mit insgesamt acht Punkten der zuständigen Ärztekammer pro Jahr zertifiziert sind

>> Weitere Informationen zur Hernienchirurgie finden Sie auf www.operation-hernien.de


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