Karies
Karies zählt zu den häufigsten Infektionserkrankungen in den westlichen Industriestaaten. Nur ca. ein Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben naturgesunde Zähne, die noch nie von Karies befallen wurden. Karies entsteht, wenn die Abfallprodukte des Stoffwechsels bestimmter Bakterien den Zahnschmelz angreifen und ihn beschädigen. Zuerst erscheinen bräunliche Flecken auf den Zähnen, die sich immer tiefer in den Zahn hineinbohren und Löcher hinterlassen. Dann hilft nur noch der Besuch beim Zahnarzt, der die Karies entfernen und das Loch mit einer Füllung verschließen muss. Karies lässt sich durch gründliche Mundhygiene jedoch einfach vorbeugen.
Was ist Karies?
Die Zähne jedes Menschen sind mit
Zahnbelag überzogen, der von den herkömmlichen Mundbakterien besiedelt wird. Wird der
Zahnbelag nicht gründlich und regelmäßig entfernt, vermehren sich die Bakterien der Mundflora unkontrolliert. Aus unserer Nahrung nehmen sie vermehrt Zucker auf und wandeln ihn um, um ihren eigenen Stoffwechsel anzutreiben. Dabei entsteht eine Säure, die den Zahnschmelz angreift. Sie löst Mineralien wie Kalzium aus dem Zahnschmelz heraus und zersetzt ihn dadurch langsam. Frisst sich die Säure immer tiefer in den Zahnschmelz hinein, kann sie auf das darunterliegende Zahnbein (Dentin) übergreifen und den Zahn zunehmend zerstören. Erst jetzt treten in den meisten Fällen
Zahnschmerzen auf.
Obwohl in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Kariesprophylaxe vor allem bei Kindern zu einem Rückgang des Kariesbefalls geführt hat, ist Karies immer noch mit einer Häufigkeit von über 90% die häufigste und am weitesten verbreitete ernährungsbedingte Erkrankung in westlichen Industriestaaten.
Ursachen für Karies
Im Speichel jedes Menschen befinden sich natürliche Stoffe, die an den Zähnen kleben bleiben und dort einen
Zahnbelag bilden. Der größte Bestandteil dieses Zahnbelags sind verschiedene Eiweiße aus dem Speichel. In der Mundhöhle gibt es jedoch auch Bakterien, deren Vorkommen ganz natürlich ist und die sich auf ein Leben auf der Oberfläche des Zahnes spezialisiert haben. Sie siedeln sich im
Zahnbelag an und produzieren bei der Zersetzung von Kohlenhydraten, Zucker und Eiweiß Säure als Abfallprodukt ihres Stoffwechsels. Diese Säure kann den Zahnschmelz angreifen und Bestandteile wie zum Beispiel das Kalzium herauslösen. Diesen Prozess nennt man Demineralisation.
Werden die Zähne nicht regelmäßig und gründlich vom
Zahnbelag befreit, so vermehren sich die dort angesiedelten Bakterien und der Säureanteil in der Mundhöhle steigt.
Der Speichel ist nicht mehr in der Lage, die Säure im Mund zu neutralisieren und die Zähne durch das in ihm enthaltene Kalzium zu reminalisieren. Der Abbau des Zahnschmelzes kann nicht gestoppt werden und Karies entsteht.
Auch Kleinkinder können schon an Karies erkranken. Besonders bekannt ist hier die Nuckelflaschenkaries. Ursachen hierfür sind meist zucker- und fruchtsäurehaltige Getränke in der Trinkflasche. Durch das ständige Nuckeln an der Flasche sind besonders die Schneidezähne ständig der Säure ausgeliefert. Der schützende Speichelfilm auf den Milchzähnen wird abgespült, das Zuckerangebot in den Getränken fördert das Bakterienwachstum im
Zahnbelag. Häufig führt dies zu einer kompletten Zerstörung der Zähne. Die Nuckelflasche sollte deshalb nicht als ständiger Schnullerersatz dienen, sondern nur zum eigentlichen Trinken und das auch nur so lange, bis das Kind alt genug ist, aus einem Becher zu trinken.
Die vier Stadien der Karies
Eine Karieserkrankung durchläuft mehrere Stadien. Zuerst wird die oberste Schicht des Zahnes, der Zahnschmelz, von Bakterien geschädigt. Aus dem Zahnschmelz werden bestimmte Mineralstoffe herausgelöst, der Zahn wird demineralisiert, es entstehen kleine, weiße Flecken auf dem Zahnschmelz. Man nennt diese Stufe der Erkrankung Initialkaries, eine Vorstufe der eigentlichen Karies. Da die Demineralisation nicht schmerzhaft ist, bleibt sie oft unentdeckt. Wird jetzt nicht rechtzeitig eingegriffen, färben sich die weißen Stellen auf dem Zahnschmelz schnell dunkel. Die Bakterien fressen sich weiter in den Zahn hinein und erreichen die nächste Schicht unter dem Zahnschmelz, das sogenannte Zahnbein. Das Stadium der Dentinkaries kann zuerst pochende, dann dumpfe, permanente Schmerzen verursachen. Da das Zahnbein viel weicher als der Zahnschmelz ist, können Bakterien hier in sehr kurzer Zeit einen sehr großen Schaden anrichten.
Sind mehr als 2/3 des Zahns befallen, spricht man von Karies profunda. Jetzt kann man schon mit bloßem Auge ein Loch im Zahn erkennen und wird oft permanent von
Zahnschmerzen geplagt. Wird der Zahn jetzt nicht rechtzeitig vom
Zahnarzt behandelt, kommt es zum vierten Stadium der Karies: der Karies penetrans oder die tiefe Zahnkaries. Die Bakterien haben sich nun soweit in den Zahn hineingefressen, dass das Loch bis in die Höhle des Zahnes reicht und eine Verbindung zwischen der Zahnhöhle und der Mundhöhle entstanden ist. Sind die Bakterien bereist so tief in den Zahn eingedrungen, schädigen sie nicht mehr nur das Zahnbein, sondern auch den Zahnnerv und die Blutversorgung des Zahnes. Ein angegriffener und entzündeter Nerv verursacht zuerst sehr starke Schmerzen. Wird er komplett zerstört, lassen die Schmerzen plötzlich nach und verschwinden schnell ganz. Dies sollte man als Warnsignal des eigenen Körpers auffassen: der Nerv ist komplett zerstört, der Zahn droht auszufallen. Bakterien gelangen jetzt ungehindert über die Blutversorgung des Zahnes in das menschliche Blutsystem und können eine Blutvergiftung oder auch schwere Herzerkrankungen wie
Endokarditis verursachen.
letzte Aktualisierung: 15.05.2012
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