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Zahnmedizin und Implantologie

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Zahnchirurgie - Prophylaxe

Ein Paradigmenwechsel in der Geschichte der Zahnheilkunde

Meine und die Erfahrungen vieler meiner Kollegen in den letzten Jahren zeigen ganz deutlich, dass immer mehr Menschen in Deutschland ein gesteigertes Bewusstsein für die intensive Pflege und den Erhalt der eigenen Zähne entwickeln. Die meisten Praxen fördern diesen positiven Trend – sie bieten ihren Patienten verschiedene Prophylaxe-Programme und -Maßnahmen als etablierten Bestandteil der Gesundheitsvorsorge an. »Vorbeugen« lautet die Devise, mit der in anderen Ländern die Menschen bereits seit Jahrzehnten dabei unterstützt werden, ihre eigenen Zähne ein Leben lang zu erhalten. Mit dieser Entwicklung hat sich in den letzten Jahren auch in unserem Land mehr und mehr ein Wechsel von einer rein restaurativen hin zu einer zunehmend präventiv geprägten Zahnheilkunde vollzogen. Dieser Wandel lässt sich ohne Übertreibung als eine Art Paradigmenwechsel in der Geschichte der Zahnmedizin beschreiben. Die Motive für diese Entwicklung sind zunächst wirtschaftlicher Natur: Die eigenen Zähne gesund zu erhalten, lässt hohe Therapiekosten gar nicht erst entstehen. Es sind aber sicherlich nicht nur finanzielle Gesichtspunkte, die viele Menschen darin bestärken, ihre Mund- und Zahngesundheit durch eine optimale Dentalpflege ein Leben lang erhalten zu wollen, also Maßnahmen zu ergreifen, die ernsthafte Erkrankungen gar nicht erst entstehen lassen und aufwändigen, unangenehmen Behandlungen vorbeugen. Im Vordergrund steht meist die Erkenntnis, dass es die Schönheit der eigenen Zähne einfach verdient, gepflegt und erhalten zu werden.

Was bedeutet Prophylaxe heute?

Unter dem Begriff »Prophylaxe«, der mit »Vorbeugung« übersetzt werden kann, fasst man verschiedene Maßnahmen zusammen, die dazu dienen, Zähne und Zahnfleisch möglichst ein Leben lang gesund zu erhalten. Heute kann dadurch eine dauerhafte Mundgesundheit für die meisten Menschen erreicht werden. Die Hauptursache für Karies und Zahnbetterkrankungen ist die meist weißlich gefärbte Plaque (Zahnbelag). Sie bildet sich aus Stoffwechselprodukten der Bakterien und Nahrungsbestandteilen auf jedem Zahn, zunächst am Zahnfleischrand und in den Zwischenräumen, selbst wenn man nichts gegessen oder getrunken hat. Die Zusammensetzung und die Menge sind allerdings abhängig von den Ernährungsgewohnheiten und dem biologischen Milieu der Mundhöhle, welches durch die Bakterien beeinflusst wird. Im Mund kommen mehrere hundert Bakterienarten vor, die durch ihren Stoffwechsel, das heißt, die Verarbeitung der zugeführten Lebensmittel und der daraus resultierenden unterschiedlich starken Säureproduktion mehr oder weniger aggressiv auf die Zahnoberflächen und das Zahnfleisch einwirken können. Die häusliche Zahnpflege ist daher so wichtig, trägt sie doch wesentlich zur Plaque-Reduktion bei. Leider gibt es Stellen, die selbst mit Hilfsmitteln wie z. B. Zahnbürste, Zahnzwischenraumbürste und Zahnseide nicht oder nur sehr schwer zugänglich sind. Hier setzt die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt an.

Vorsorge-Checks

Als Patient vertrauen Sie Ihre Zähne Ihrem Zahnarzt und seinem Team an. Dementsprechend ist es wichtig, dass sowohl der Behandler als auch die Prophylaxekraft auf hohem Niveau, also »professionell« arbeitet, fundiert diagnostiziert, intensiv auf Ihre Mundsituation eingeht und mit Ihnen ausführlich über den individuellen Zustand Ihrer Zähne spricht.

Es gibt heute unkomplizierte Verfahren, mit denen das Risiko für Karies und Parodontitis und die genauen Ursachen für verschiedene Zahnerkrankungen herausgefunden werden können. Eines dieser Verfahren ist die Speicheldiagnostik. Hier wird zum einen die Speichelfließrate, das heißt, die Menge des produzierten Speichels gemessen. Außerdem kann man ihn auf zwei Bakterienarten hin untersuchen, die für ihre Karies auslösende Wirkung bekannt sind. Der Speichelfluss ist sehr wichtig zum Schutz der Zähne. Speichel enthält unter anderem Mineralien und Spurenelemente, wie Kalzium, Phosphat und Fluorid, und kann kleinere Säureangriffe auf die Zahnoberfläche reparieren, bzw. den pH-Wert der Bakteriensäure ansteigen lassen, so dass diese neutralisiert wird. Im Speichel befinden sich auch Immunglobuline, die die Immunabwehr unterstützen. Ist der Speichelfluss zu gering – dies ist der Fall, wenn weniger als 1 Milliliter pro Minute produziert wird –, dann stellt sich ein unangenehm trockener Mund ein, und die Abwehr- und Schutzfunktionen sind nicht mehr ausreichend. Eine Hemmung des Speichelflusses kann zum Beispiel durch großen Stress oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden.

Das Messen der Speichelflussrate ist recht einfach. Für ca. fünf Minuten wird auf einer Paraffinkugel gekaut, danach lässt sich die Menge verlässlich bestimmen. Ist die Speichelflussrate zu niedrig, so gibt es die Möglichkeit, durch Speichelersatzstoffe kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Zusätzlich können auch Proben entnommen werden, die im Labor kultiviert werden. Anhand des Wachstums in der Petrischale kann man die Menge der beiden wichtigen Karieserreger, Streptococcus mutans und Laktobazillen, bestimmen. Sie können durch geeignete Maßnahmen, Ernährungsumstellung und regelmäßige Zahnreinigung, reduziert werden, was das Kariesrisiko deutlich verringert. Eine weitere diagnostische Maßnahme ist die Messung der Zahnfleischtaschentiefe. All diese Untersuchungen können je nach individuellem Risiko wiederholt werden, um festzustellen, ob eine Veränderung eingetreten ist. Ihre Ergebnisse bilden dann die objektive Grundlage für die folgenden Behandlungsmaßnahmen.

Prophylaxe-Maßnahmen

Zur Prophylaxe gehört zunächst die eingehende Untersuchung des Gebisses, der Mundhöhle und der angrenzenden Strukturen, wie z. B. der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks. Weiterhin gibt der Patient Auskunft über seine Ernährungs- und Zahnputzgewohnheiten und ob eventuell eine familiäre Häufung von Zahn- oder Allgemeinerkrankungen oder andere Besonderheiten beobachtet wurden. Anhand dieser Befunde kann eine individuelle Risikoanamnese erstellt werden. Schließlich werden die Aufklärung über die professionelle Zahnreinigung (PZR) sowie eine Mundhygiene- und Ernährungsberatung angeboten, die von einer eigens dafür ausgebildeten zahnmedizinischen Fachhelferin (ZMF) durchgeführt werden. Auch die Fissurenversiegelung und die Speicheldiagnostik sind heute fester Bestandteil der Prophylaxe.

Bei der PZR werden zunächst mithilfe spezieller Handinstrumente (Küretten) die Zahnfleischtaschen, Wurzeloberflächen und vorhandenen Kronenränder nachhaltig von weichen und harten Belägen gesäubert. Mit dem Ultraschallgerät entfernt man anschließend oberflächliche harte Beläge (Zahnstein), das Airflowgerät beseitigt dann Genussmittelablagerungen (von Kaffee, Tee, Nikotin etc.) mithilfe eines feinen Pulverstrahls. Durch diese Reinigung werden die Zähne heller und strahlender – sie stellt die ideale Voraussetzung für die dauerhafte Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch dar. Abschließend werden die Zähne mit einer speziellen Paste poliert, damit die Bakterien keine Möglichkeit haben, sich festzusetzen, und mit Fluoridlack behandelt. Durch die Fluoridierung der Zähne und die Versiegelung der Rillen auf den Oberflächen der Zähne (Fissurenversiegelung) lässt sich das Risiko, erneut an Karies zu erkranken, weitgehend minimieren. Sensible Zahnhälse können durch Fluoridlacke und eine regelmäßige Fluoridierung, die zu Hause durchgeführt werden kann, wirksam geschützt werden. Die Abstände für die professionelle Zahnreinigung werden individuell festgelegt. Bei vielen Patienten ist es notwendig, sie alle drei Monate durchzuführen, bei anderen sind größere Abstände möglich. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine intensive häusliche Zahnpflege mit Bürsten, Zahnseide und Mundwasser runden die Prophylaxe ab. Für ein schönes Lächeln – ein Leben lang.

Preisspanne für eine 45- bis 60-minütige Prophylaxesitzung: € 65,— bis € 95,—

Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen

Die Vorbeugung von Zahnerkrankungen sollte schon im Kleinkindalter, zunächst durch die Beratung und Anleitung der Eltern, beginnen. Legte man früher keinen großen Wert auf die Gesunderhaltung der Milchzähne, so weiß man heute, dass ihre Unversehrtheit eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit auch der späteren bleibenden Zähne darstellt. Allein schon deshalb ist die Pflege der Milchzähne so elementar. Eine pädagogische Dimension kommt hinzu, da bereits im frühen Kindesalter durch eine gute Mundhygieneerziehung der Grundstein für ein gesteigertes Zahnbewusstsein und die hohe Qualität einer lebenslangen häuslichen Zahnpflege gelegt wird. Kinder, die schon mit dem ersten Zahn an regelmäßiges Zähneputzen und später, nach Durchbruch des vollständigen Milchgebisses, auch an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnt sind, werden dies mit dem Älterwerden als so selbstverständlich erachten wie die übrige tägliche Körperpflege auch.

Bei Jugendlichen, beginnend mit dem Durchbruch der ersten bleibenden Molaren (Backenzähne), wird je nach Kariesrisiko eine Versiegelung der Fissuren (Rillen und Vertiefungen auf der Zahnkaufläche) empfohlen. Hierzu verwendet man ein zunächst dünn fließendes, nach Aushärtung mit UV-Licht sehr widerstandsfähiges Kunststoffmaterial. Die Versiegelung wird unter Umständen auch bei den Milchmolaren erforderlich, da diese zum Teil bis zum 12. oder 13. Lebensjahr im Mund verbleiben und in ihrer Funktion als Platzhalter für die bleibenden Zähne sehr wichtig sind. Die Zähne sind kurz nach dem Durchbruch an ihren Platz in die Mundhöhle besonders kariesanfällig. Sind in dieser Zeit bereits kariöse Milchzähne vorhanden, erhöht sich das Kariesrisiko für die bleibenden Zähne um ein Vielfaches. Vor der Versiegelung werden die zu behandelnden Zähne genau untersucht und mit einem Bürstchen und Polierpaste gereinigt. Zur besseren Haftvermittlung wird ein Säure-Gel aufgetragen, das die Zahnoberfläche aufnahmefähig für das Versiegelungsmaterial macht und eine lückenlose Verbindung garantiert. Nachdem das Versiegelungsmaterial auf den Zahn aufgetragen worden ist, hält man für einige Sekunden eine UV-Leuchte auf den Zahn, damit das Material aushärten kann. Fissurenversiegelungen überdauern in der Regel die Zeit des höchsten Kariesrisikos, die Pubertät. Danach kann individuell nach der Mundgesundheitssituation entschieden werden, ob sie erneuert werden sollte oder ob auf eine weitere Versiegelung verzichtet werden kann.

Vorteile der Prophylaxe

Die Teilnahme am Prophylaxeprogramm ist für alle Patienten von Vorteil. Der zahngesunde Patient kann seinen Gebisszustand erhalten, die Zähne werden glatt poliert, was ein angenehmes Gefühl von Sauberkeit und Gepflegtheit vermittelt. Verfärbungen durch Genussmittel wie Kaffee, Tee und Nikotin oder Gerbstoffe aus Rotwein werden konsequent entfernt. Durch die professionelle Zahnreinigung wird die Bakterienzahl im Mund erheblich reduziert, dies ist vor chirurgischen Eingriffen für die anschließende Wundheilung wichtig. Bei Gingivitis- (Zahnfleischentzündung) und Parodontitis- (Entzündung des Zahnhalteapparates) Risikopatienten kann so ein Eingriff oder ein Rückfall verhindert werden. Kariesanfällige Patienten profitieren von der Behandlung, weil die Beläge mit Karies fördernden Bakterien regelmäßig beseitigt werden und so die Kariesbildung reduziert werden kann. Und schließlich wird die Lebensdauer von Zahnersatz durch die kontinuierliche Reinigung und Kontrolle verlängert, wodurch Sie als Patient letztlich Zeit und Kosten sparen.

letzte Aktualisierung: 25.01.2010
Dr. med. Peter Borsay
Autor - Prof. Dr. Peter Borsay 
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Verwendete Quellen:
Zahnimplantate & Co., Dr. (H) Peter Borsay, TRIAS-Verlag, ISBN 3830432755

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