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Zähne ziehen - Hintergrund

Grundsätzlich könnte man jede kieferorthopädische Behandlung ohne Zähneziehen durchführen, und tatsächlich ist der Erhalt aller Zähne auch ein ganz verständlicher Wunsch.

Leider entstehen dem Patienten jedoch in manchen Fällen erhebliche andere Nachteile, wenn unbedingt alle Zähne erhalten bleiben sollen.

  • Langzeitstabilität:
    Wenn sich zu viele oder zu große Zähne in einem kleinen Kiefer drängen, kann der Kieferorthopäde die Zähne zwar gerade stellen, aber der Kieferknochen wird dabei überstrapaziert: es ist wie ein großes Haus auf ein zu kleines Fundament zu bauen. Oft fallen die überdehnten Zahnbögen nach solchen Behandlungen zusammen wie ein Kartenhaus. Auf lange Sicht ist in solchen Fällen dazu meistens mit Schäden am Zahnhalteapparat zu rechnen – keine schöne Aussicht.
  • Unbeliebte Behandlungsgeräte:
    Das klassische Mittel zum Platz schaffen ist der Headgear, im Volksmund auch Pferdegeschirr genannt, der ohne Zweifel das unbeliebteste kieferorthopädische Gerät ist. Mit richtig geplanten Extraktionen können derartige Apparaturen oft vermieden werden. Dies und die kürzere Behandlungszeit sind für Jugendliche wie für Erwachsene meistens wichtiger als der Erhalt aller Zähne.
  • Behandlungszeit:
    Die Dauer der kieferorthopädischen Behandlung kann in manchen Fällen erheblich länger dauern, wenn um jeden Preis alle Zähne erhalten bleiben sollen.
  • Bissverschiebung:
    Bei Erwachsenen mit vergrößertem Überbiss kann das Entfernen von zwei oder vier Zähnen die Verschiebung der kompletten Zahnreihen zueinander überhaupt erst ermöglichen, wenn eine kieferchirurgische Bisseinstellung nicht gewünscht ist.

Aus den genannten Gründen akzeptieren gut aufgeklärte Patienten meistens die Entfernung von Zähnen, wenn es sinnvoll ist. Dies betrifft in modern arbeitenden Praxen etwa 10–20% der Patienten.

letzte Aktualisierung: 25.01.2010
Dr. med. Henning Madsen
Autor - Dr. med. Henning Madsen 
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