Kinder und Jugendliche kommen meistens nicht aus eigenem Antrieb in die kieferorthopädischen Praxen, sondern werden auf Empfehlung des Zahnarztes oder auf Wunsch der Eltern vorgestellt. Daher muß bei dieser Patientengruppe auf die besondere Motivationslage geachtet und das Behandlungskonzept darauf abgestimmt werden.So wird man Jugendlichen mit herausnehmbaren kieferorthopädischen Apparaten oder gar mit dem Headgear (Gesichtsbogen) meistens nicht gerecht, weil derartige Geräte in der Regel nicht genug getragen werden. Es geht bei dieser Patientengruppe darum, kieferorthopädische Behandlungsverfahren zu finden, die einerseits die Behandlungsaufgaben effizient lösen, andererseits aber möglichst wenig in das Leben der jungen Patienten eingreifen. Gleichzeitig sollte versucht werden, die gesamte Behandlungszeit so kurz wie möglich zu gestalten, da in der Regel nicht länger als ein bis zwei Jahre mit Mitarbeit gerechnet werden kann.Aus diesen Gründen sollte die Behandlung von Kindern und Jugendlichen überwiegend mit den effizienten festsitzenden Apparaten durchgeführt werden. Herausnehmbare Geräte sollten nur eingesetzt werden, wenn sie die Mitarbeit der jungen Patienten nicht übermäßig strapazieren, also weder die Sprache wesentlich behindern noch auffällig aussehen, oder wenn sie nur nachts getragen werden müssen.
Leider sind herausnehmbare Geräte in Deutschland jedoch wesentlich höher honoriert als festsitzende Geräte, so daß der größte Teil der Behandlungen bei uns mit diesen meist veralteten Apparaten durchgeführt wird. Dies ist gleichzeitig einer der Hauptgründe für die unnötig Behandlungszeiten, die oft die halbe Kindheit und Jugendzeit umfassen. Mit modernen Behandlungsstrategien läßt sich bei Kindern und Jugendlichen eine durchschnittliche Behandlungszeit von unter zwei Jahren erreichen – hiervon ist die deutsche Realität leider weit entfernt.Selbstverständlicher Bestandteil moderner kieferorthopädischer Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist die Optimierung und Kontrolle der Zahnpflege, denn festsitzende Apparaturen stellen hier erhöhte Anforderungen. Die bei schlechter Zahnpflege gelegentlich auftretenden Entkalkungen und Verfärbungen von Zähnen können dann zuverlässig verhindert werden.
letzte Aktualisierung: 04.02.2012