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Akupunktur

Akupunktur hilft - Weltweit größte Studie kommt zu positivem Ergebnis

Im April 2005 haben die deutsche Techniker Krankenkasse und die Berliner Charité den Abschlussbericht zur Wirksamkeitsstudie "Akupunktur erhöht die Lebensqualität und ist wirtschaftlich" veröffentlicht. Rund 10.000 Ärzte haben in den vergangenen viereinhalb Jahren über 300.000 Patienten mit Akupunktur behandelt und dabei weit über 20 Millionen Akupunktur-Nadeln gesetzt.

Akupunktur hilft dauerhaft bei vielen Leiden - von Allergien bis zu Wirbelsäulenschmerzen. "Jetzt muss Akupunktur Kassenleistung werden", forderte Dr. Christoph Straub, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse, bei der Übergabe des Abschlussberichtes in Berlin.

Therapie mit Nadeln

Nach nur fünf Sitzungen spürte Sabine B., Journalistin aus Köln, dass ihre Migräneattacken seltener und weniger stark wurden. Die Rückenprobleme von Jakob W. aus Herne ließen nach zehn Behandlungen deutlich nach - nur zwei Beispiele, die stellvertretend für Tausende von Patienten stehen.

Die Akupunktur-Studie der Techniker Krankenkasse und der Charité beweist: Neun von zehn Allergikern ging es noch ein halbes Jahr nach der Behandlung deutlich besser als vorher, 82 Prozent der Asthmatiker hatten erheblich weniger Beschwerden.

Ihnen allen hat Akupunktur geholfen - und nährt die Hoffnung besonders für all die, die unter chronischen Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen und Allergien leiden.

Akupunktur und Migräne - hohe Wirksamkeit

Die genannte Studie ist zwar die größte ihrer Art und wird bis 2008 fortgesetzt, aber auch andere abgeschlossene Studien kommen zu ähnlichen Resultaten. Die Ergebnisse einer Studie von deutschen Komplementärmedizinern im amerikanischen Ärzteblatt (Journal of the American Medical Association – JAMA, 2005;Bd. 293 S. 2118-2125) belegt eine hohe Wirksamkeit bei Migräne.

Ca. 300 Männer und Frauen über 40 wurden für diese Studie in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt zwölf Anwendungen nach der traditionellen chinesischen Akupunktur. Ein zweite Gruppe erhielt unspezifische Akupunktur, eine dritte Gruppe erhielt keine Therapie, durfte aber Schmerzmittel einnehmen. Bei beiden Akupunktur-Therapien gab es deutlich weniger Migräneattacken - statt fünf nur zwei pro Monat.

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch die GERAC (German Acupuncture Trials)-Studie die in der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum koordiniert wurde:

So wurden u.a. 1.039 Patienten mit Kniegelenksverschleiss behandelt, wobei nur 28 Prozent der mit Standardtherapie Behandelten weniger Schmerzen und bessere Gelenksfunktion hatten. Die Erfolgsraten bei den Akupunktur-Patienten hingegen lag bei etwa 50 Prozent.

Traditionelle oder unspezifische Akupunktur helfen beide

Stechen und wärmen, so etwa lässt sich der chinesische Begriff zhen jiu ins Deutsche übersetzen. Tatsächlich spürt man fast immer Wärme, nachdem eine der Akupunkturnadeln eingeführt worden ist. Der anfängliche leichte Schmerz verschwindet meist, die Wärme bleibt. Um den Effekt zu verstärken erwärmen, lasern oder beschallen Ärzte und Heilpraktiker die Nadeln oft noch.

Als Patient vertraut man darauf, dass der Mediziner genau weiß, wohin er die Nadeln setzen muss. Das gilt auch weiterhin. Doch neueste Studien belegen: es kommt nicht so sehr darauf an, dass korrekt an bestimmten Punkten gestochen wird.

Nach der traditionellen chinesischen Akupunktur ist der Körper von Energiebahnen durchzogen, den Meridianen. Darin fließt Körper-Qi - eine Form von Lebenskraft oder Erregung, oft als Lebensenergie bezeichnet. An mehreren Punkten öffnen sich diese Meridiane durch die Haut, an den Akupunkturpunkten. Durch das Stechen mit Nadeln versucht der Mediziner auf den Energiefluss in den Meridianen einzuwirken und einen Überschuss oder Mangel an Qi auszugleichen. 361 Akupunkturpunkte kennt man, allerdings nur etwa die Hälfte wird mit Nadeln gestochen.

Bei der unspezifischen Akupunktur - auch Minimal-Akupunktur oder Sham-Akupunktur genannt - werden die Nadeln nicht direkt an den einschlägigen Therapiepunkten in die Haut gestochen. In der Studie der Techniker Krankenkasse wurde in einer Gruppe von 900 Patienten die klassische mit der unspezifischen Akupunktur verglichen. Bei Lendenwirbelschmerzen und Migräne gab es keine Unterschiede, beide Varianten halfen. Ähnliche Ergebnisse liefern die Studien auch zur Ohrakupunktur.

Ohrakupunktur

Zahlreiche Ärzte und ausgebildete Heilpraktiker wenden die Ohrakupunktur an. Die Ohrakupunktur in der heutigen Form ist gerade erst 40 Jahre alt und geht auf den französischen Arzt Dr. P. Nogier zurück. Doch bereits in China wurden erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. rund 20 Akupunkturpunkte auf der Ohrmuschel erwähnt. Auch Hippokrates kannte einzelne Reaktionspunkte auf der Ohrmuschel.

Diese Sonderform der Akupunktur ist eine eigenständige Methode, die zwar auch Nadeln benutzt, aber davon ausgeht, dass verschiedene Ohrregionen bestimmten Körperorganen zugeordnet sind und sich letztlich so der ganze Körper auf die Ohrmuschel projiziert. Da die über 100 Akupunkturpunkte des Ohres sehr nah beieinander liegen und sehr empfindlich sind, ist punktgenaues Stechen mit extradünnen Nadeln notwendig.

Ohrakupunktur wirkt meist intensiver und schneller als herkömmliche Akupunktur. Man setzt sie ein bei akuten Erkrankungen und als Schmerztherapie, ebenso bei Suchterkrankungen und seelischen Störungen. Innere und vor allem chronische Krankheiten seien mit Ohrakupunktur jedoch schwerer zu behandeln als mit Körperakupunktur.

Fazit:

Die Ergebnisse der Studien konnten eines bestätigen: Akupunktur hilft, bei einigen Beschwerden ist sie sogar besser als Standardtherapien. Dies trifft vor allem auf Migräne, Rücken- und Gelenkbeschwerden sowie Allergien zu. Möglicherweise trägt, wie einige Ärzte vermuten, eine stärkere Ausschüttung von Endorphinen, das sind körpereigene Schmerzstiller, zur Wirkung bei.

Doch darin sind sich alle Mediziner einig: Akupunktur eignet sich nicht für alle Beschwerden gleichermaßen. Starke Schmerzen, denen ein Krebsleiden oder eine andere schwere Krankheit zugrunde liegt, sollten auf herkömmliche Weise behandelt werden.

letzte Aktualisierung: 04.02.2012
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