
Seit jeher schätzen die Menschen nicht nur den Genuss, sondern auch die Heilwirkung des Weines. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Hippokrates, der bekannte Arzt aus der Antike, der auch als Begründer der Medizin bezeichnet wird. Er setzte den Wein bereits 400 vor Christus ganz gezielt bei bestimmten Krankheiten ein.
Hätte es damals schon einen Beipackzettel gegeben, so wären dem Wein folgende Anwendungsgebiete zugeordnet worden:
Was Hippokrates begann, gibt es auch noch heute: die Verwendung von Wein als Medizin. So führen Apotheken beispielsweise Arzneiweine. Sie werden zur Unterstützung der Magen-, Herz- und Kreislauffunktion, zur Stärkung und Förderung der Verdauung und zur Besserung des Befindens bei Appetitlosigkeit und nach Krankheiten eingesetzt. Auch in verschiedenen Kurbetrieben wird der Wein therapeutisch genutzt.
Bei der so genannten Schroth-Kur steht die tägliche Verabreichung von Wein im Behandlungsplan.
"Die Dosis macht das Gift." Dieser Leitsatz der Homöopathischen Lehre trifft auch auf den Umgang mit Wein zu. Dennoch muss er nicht in homöopathischen Mengen genossen werden. Es darf schon ein bisschen mehr sein. Aber nur wer Maß hält, profitiert von der Wirkung. Nach allgemeiner Überzeugung vieler Fachleute sollten Frauen maximal 0,25 Liter, Männer höchstens 0,4 Liter Wein täglich trinken.
In einem Liter Wein findet man bis zu 100 Gramm Alkohol, manche Sorten haben noch mehr. Im Beipackzettel müsste demnach stehen: "Warnhinweis: enthält Alkohol". Zweifelsohne kann Alkohol gefährlich werden, besonders für Kinder, Schwangere, Alkohol- oder Leberkranke. Aber bei gesunden Menschen sieht das anders aus, wenn man nicht mehr als 1-2 Gläser Wein täglich trinkt. Wissenschaftler fanden heraus, dass der im Wein enthaltene Alkohol mitbestimmend für die Heilwirkung ist. Er nimmt einen positiven Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel: Das "gute" HDL-Cholesterin wird angehoben, das "böse" LDL-Cholesterin wird etwas gesenkt. Dadurch kann man Ablagerungen in den Blutgefäßen entgegenwirken. Alkohol hemmt die Verklumpung der Blutkörperchen und macht das Blut dünner, wie der Volksmund sagt. Die Blutgefäße werden entspannt und erweitern sich, was den Blutdruck senkt und so Herz und Kreislauf entlastet.
Ähnlich wie der Alkohol wirken auch die Polyphenole im Wein. Auch sie verbessern den Cholesterinstoffwechsel und schützen so das Herz-Kreislauf-System. Die Thromboseneigung kann unter ihrem Einfluss deutlich gesenkt werden. So lautet ein italienisches Sprichwort nicht umsonst: "Der Wein ist die Milch der Alten." Polyphenole können aber noch mehr: Sie gelten als hochwirksame Antioxidanzien. Das heißt, sie schützen die Zellen vor Zerstörung durch aggressive Verbindungen, die man als freie Radikale bezeichnet. Rotwein enthält mehr Polyphenole als Weißwein.
Das liegt an Farbe und Herstellungsverfahren, denn die Polyphenole stammen aus den Beerenhüllen. Vor allem dunkle Trauben sind gute Lieferanten dafür.
In den letzten Jahren konzentrierten sich zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen auf die Herz-Kreislauf-Wirkung des Weines. Spätestens mit dem "französischen Paradox" galt die gesundheitsfördernde Wirkung des Weines als gesichert.
So zählen die Franzosen mit einem Konsum von 60 Litern Wein pro Kopf und Jahr zu den durstigsten Weintrinkern der Welt. Und nicht nur das, sie legen auch Wert auf gutes Essen, was nicht immer fett- oder kalorienarm ist. Dennoch leiden die Franzosen im Vergleich zu Amerikanern, Engländern oder Deutschen deutlich seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erklärung der Wissenschaftler: Der Weinkonsum ist für dieses Paradox verantwortlich. Noch deutlichere Ergebnisse zeigte die "Kopenhagen Studie" von 1995. Danach verringert sich bei mäßigem Weinkonsum die Gefahr eines Herzinfarktes gegenüber entschiedenen Abstinenzlern um 60 Prozent. Und auch die Gefahren von Arteriosklerose und Angina pectoris bis hin zum Schlaganfall werden durch mäßigen Weinkonsum vermindert.
Kombiniert man den moderaten Weingenuss mit ausreichend Bewegung und ausgewogener Kost, bestehend aus viel Obst und Gemüse, wertvollen pflanzlichen Ölen und wenig tierischem Fett, so kann man nicht nur länger, sondern auch besser leben. Wie heißt es doch so schön: Gut essen und trinken hält Leib und Seele zusammen.
Ein Liter Wein enthält im Durchschnitt:
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