
Für die Ernährung eines Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz ist die zu beschränkende Eiweißzufuhr immer eine Art "Gratwanderung", denn dadurch entsteht schnell die Gefahr der Unterversorgung mit den lebensnotwendigen Aminosäuren. Aminosäuren sind Bausteine der Proteine (Eiweiss) und haben neben dem Aufbau der Körpermasse noch andere Funktionen im Körper. Sie wirken als Enzyme, Hormone, Antikörper in der Immunabwehr, der Übertragung von Nervenimpulsen und vieles mehr. Bei Energiedefiziten wird sowohl das Körpereiweiss als auch das wenige erlaubte Nahrungseiweiss zur Energieversorgung herangezogen. Es kommt so wiederum zu einem unerwünschten Anstieg von Harnstoff (Abbauprodukt von Eiweiss) im Blut.
Die Anforderungen an die Kostzusammensetzung sind jedoch abhängig von den verschiedenen Phasen der chronischen Niereninsuffizienz und richten sich nach den Laborwerten. Durch eine angepasste Ernährung können Betroffene aktiv Einfluss auf den Verlauf der Krankheit nehmen. Auf den nächsten Seiten finden Sie dietätische Empfehlungen im Detail.
Das Nahrungseiweiss ist je nach Schweregrad der chronischen Niereninsuffizienz zu beschränken. Als Minimum des Nahrungseiweisses darf jedoch 0,5 g Eiweiß pro Körperkilogramm nicht unterschritten werden, damit es nicht zum Abbau der Körpersubstanz kommt. Patienten mit einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz sollten in der Regel die tägliche Eiweißzufuhr bei 40 bis 60 g einpendeln lassen.
Neben der Energiebereitstellung sind Fette Lieferanten der essentiellen Fettsäuren und Träger der fettlöslichen Vitamine.
Die verschiedenen Zucker sind reine Kohlenhydrate und können in üblichen Mengen verwendet werden. Unter Umständen ist eine Anreicherung der Nahrung mit Kohlenhydraten erforderlich, um eine ausreichende Energieversorgung zu erzielen.
Es ist auf eine ausreichende Energiezufuhr zu achten, da bei ungenügender Energiezufuhr der Körper das ohnehin begrenzte Nahrungseiweiß zur Energiegewinnung heranzieht. Die Folge ist der unerwünschte Anstieg von harnpflichtigen Substanzen im Blut.
Die Fähigkeit der Niere Wasser auszuscheiden, lässt erst im Endstadium der Erkrankung nach. Bis dahin ist zur Entlastung der Niere eine hohe Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 3 Litern erforderlich, um die harnpflichtigen Substanzen auszuschwemmen.Generell gilt zur Vermeidung von Ödemen (Einlagerung von Wasser) folgende goldene Regel:
Natrium beeinflusst den Blutdruck und steht in engem Zusammenhang mit dem Durstgefühl des Patienten.
Die Kaliumausscheidung bleibt bis zu einem f ortgeschrittenen Stadium der chronischen Niereninsuffizienz weitgehend normal. Eine kaliumarme Ernährung wird in der Regel erst dann erforderlich, wenn die Urinmenge stark abgenommen hat (weniger als 1000 ml pro Tag). Ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut kann sehr gefährlich sein und zu Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen führen.Da Kalium ein wasserlöslicher Mineralstoff ist, kann der Kaliumgehalt von Kartoffeln, Gemüse und Obst durch entsprechende Vor- und Zubereitung vermindert werden.
Eine proteinarme Ernährung ist in der Regel gleichzeitig phosphatarm. Die tägliche Phosphatzufuhr sollte nicht über 1000 mg pro Tag liegen, da sonst Probleme mit dem Knochenstoffwechsel auftreten können.
Eine eiweiß- und kaliumarme Ernährung kann langfristig zu Mängeln bei der Vitamin- und Mineralstoffversorgung führen.
Im Endstadium der chronischen Niereninsuffizienz besteht oft aufgrund der geringen Flüssigkeitsaufnahme eine Obstipation. Der Verzehr ballaststoffhaltiger Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Salate sorgt normalerweise für eine gesunde Darmtätigkeit und eine Reduzierung des Auftretens und Schweregrades von ernährungsbedingter Hyperlipidämie (Fettstoffwechselstörung). Da erhöhte Kalium- oder Phosphorwerte den Verzehr dieser Lebensmittel einschränken, ist das Risiko für Obstipation höher. Aufgrund der verzögerten Darmentleerung kann es zu Völlegefühl, Blähungen und Bauchschmerzen führen. Die Einnahme herkömmlicher Abführmittel kann zur Abhängigkeit führen. Zur Therapie der Obstipation bietet sich bei chronischen Niereninsuffizienten im Vordialysestadium und Dialysestadium ein Laktulosepräparat an.
Die Erkennt nis, von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen zu sein und sich hierauf einstellen zu müssen, bedeutet für viele Betroffene und deren Angehörige einen tiefgreifenden Einschnitt in ihre Lebensgeschichte und Lebensplanung. Neben all den medizinischen Notwendigkeiten, die auf die Patienten zukommen, ist die Ernährungstherapie Teil der Möglichkeiten, das Fortschreiten der chronischen Niereninsuffizienz zu verzögern.
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