
Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Diabetes, Übergewicht und Adipositas. Da die Menschen in der westlichen Welt immer dicker werden, gewinnen Übergewicht und Adipositas im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-Risiko immer mehr an Bedeutung. Dabei kommt es aber vor allem darauf an, wo das Fett sitzt.
Bei Übergewicht und Adipositas lässt beispielsweise ein mächtiger Bauchumfang (man spricht von abdominaler Adipositas) eindeutige Rückschlüsse darauf zu, dass es an den inneren Organen größere Fettablagerungen gibt. Dieses so genannte vermehrte Innere Bauchfett ist besonders gefährlich und hat, neben dem deutlich sichtbaren Zeichen eines erhöhten Bauchumfangs, langfristig erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie Bluthochdruck - die so genannten 4 B - zur Folge.
Ein erhöhter Bauchumfang bedeutet übermäßiges Inneres Bauchfett. Doch der erhöhte Bauchumfang ist nur ein erster Indikator, denn der Bauch kommt selten allein!
Das Innere Bauchfett unterliegt anderen Stoffwechselgesetzen als das Fett an Gesäß, Hüften und Oberschenkeln. Es produziert Substanzen, die verstärkt zu Störungen des Fettstoffwechsels, des Blutzuckers und des Blutdrucks führen. Deshalb steigt bei übermäßigem Inneren Bauchfett das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.
Nur mit sehr aufwendigen und teuren Methoden, beispielsweise durch eine Computertomographie, kann man Inneres Bauchfett genau bestimmen.
Die wichtigste Aussagekraft hat deshalb eine ebenso einfache wie günstige Maßnahme – die Messung des Bauchumfangs. Im Stehen und mit unbekleidetem Oberkörper legen Sie ein Maßband in der Mitte zwischen unterem Rippenbogen und oberem Beckenrand an, führen es in gerader Linie um den Bauch herum und lesen den Bauchumfang in leicht ausgeatmetem Zustand ab.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Richtwert definiert: Ab 88 cm Bauchumfang bei Frauen und 102 cm bei Männern entsteht ein direkter Zusammenhang mit Stoffwechselstörungen, wird die Atherosklerose gefördert – und damit die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfiehlt, bereits ab einem Body-Mass-Index (BMI) über 25 regelmäßig auch den Bauchumfang zu messen. Hier gewinnt die Prävention an Gewicht, denn je eher Maßnahmen ergriffen werden, Adipositas und die Folgen verhindern, umso besser.
Das Innere Bauchfett produziert große Mengen freier Fettsäuren, die den gesamten Fettstoffwechsel stören: einerseits sinkt der HDL-Cholesterin-Spiegel ("gutes" Cholesterin), auf der anderen Seite können LDL-Cholesterin ("schlechtes" Cholesterin) und Triglyzeride über die Normwerte ansteigen. Zu viel LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen absetzen, HDL-Cholesterin wiederum transportiert das Cholesterin aus den Gefäßen ab. Wenn zu viel LDL-Cholesterin nicht durch mehr HDL-Cholesterin ausgeglichen wird, kann es zu Atherosklerose kommen. Triglyzeride sind in hohen Konzentrationen schädlich, weil sie ebenso wie LDL-Cholesterin die Entstehung von Atherosklerose begünstigen.
Stimmt das Verhältnis von LDL- und HDL-Cholesterin nicht und sind die Triglyzeridwerte zu hoch, steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Zu viel Inneres Bauchfett erhöht die Wahrscheinlichkeit, an "Zucker" (Diabetes Mellitus Typ 2) zu erkranken. Der Blutzucker gibt Auskunft, ob eine Zuckerkrankheit oder erste Vorboten einer Zuckerkrankheit vorliegen. Diabetes beruht auf einer Beeinträchtigung im Kohlenhydratstoffwechsel, die zu Unempfindlichkeit gegenüber Insulin (Insulinresistenz) und zu erhöhten Blutzuckerwerten (Hyperglykämie) führt. Der durch die Nahrungsaufnahme reichlich im Blut vorhandene Zucker kann nicht mehr an die Körperzellen abgegeben und dort verbraucht werden.
Auf Dauer schädigt ein hoher Blutzucker die Gefäße und ist damit eine Gefahr für das Herz, aber auch für Nieren, Augen und zahlreiche andere Organe.
Blutglukosewert im Nüchternzustand: ab 100 mg/dl
Bluthochdruck und Übergewicht treten in enger Verbindung zueinander auf. Die Ursachen dafür sind allerdings noch weitgehend unbekannt. Fakt ist, dass das Herz bei Übergewichtigen eine größere Blutmenge durch den Körper pumpen muss. Dazu muss es kräftiger schlagen, wodurch der Druck in den Gefäßen steigt. Chronischer Bluthochdruck führt häufig zu Arterienverkalkungen. Diese können wiederum zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen.
Der Blutdruck wird mit zwei Messwerten ermittelt: dem oberen (systolischen) und dem unteren (diastolischen) Wert. Folgende Richtwerte deuten auf ein erhöhtes Risiko:
Blutdruck im Ruhezustand:
Ein erhöhter Bauchumfang, ungünstige Blutfette, ein erhöhter Blutzucker und Bluthochdruck (die 4 B) können sich unabhängig entwickeln. Jeder dieser Faktoren für sich kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen – der Experte spricht daher von kardiometabolischen Risikofaktoren. Häufig treten sie aber kombiniert auf und bilden so ein gefährliches Risikobündel, das man als Metabolisches Syndrom bezeichnet.
Ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen besteht:
ab einem Bauchumfang von 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Männern und wenn mindestens zwei der folgenden Faktoren zutreffen:
Der Bauch kommt selten allein! Ein erhöhter Bauchumfang kann verstärkt zu Störungen des Fettstoffwechsels, des Blutzuckers und des Blutdrucks führen. Wenn neben dem Bauchumfang keine Werte der anderen kardiometabolischen Risikofaktoren bekannt sind, ist es empfehlenswert, zur Bestimmung dieser Wert einen Arzt aufzusuchen.
Eindeutig ja. Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent und die damit einhergehende Reduktion des Bauchumfangs lässt das Innere Bauchfett um etwa 30 Prozent schmelzen. Bluthochdruck, Blutzucker und ungünstige Blutfettspiegel werden positiv beeinflusst. Die Fließeigenschaften des Blutes verbessern sich, das Atherosklerose- und damit Infarktrisiko für Herz und Hirn sinkt. Das freut das Herz! Übrigens ist Bauchfett wesentlich besser zu beeinflussen als Hüftfett. Das gilt sowohl für die Umstellung der Ernährung als auch für sportliche Aktivitäten.
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