Der Ernährungszustand kann den Verlauf der AIDS-Erkrankung wesentlich mitbestimmen. HIV-Infizierte sollten so früh wie möglich diätetisch beraten werden, sodass es möglichst zu keiner Abnahme des Körpergewichts kommt, das fordern die Experten des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen (D.I.E.T.).
Das Endstadium der Immunschwächekrankheit AIDS geht mit dem sogenannten Wasting Syndrom einher, das durch Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent des Ausgangsgewichts, Durchfälle und/oder Fieber gekennzeichnet ist. Wegen der Häufigkeit von Mangelernährung bei HIV-Infizierten oder bei AIDS-Kranken kommen ernährungsmedizinischen Maßnahmen eine zentrale Bedeutung zu.
Durch die häufig verminderte Nahrungsaufnahme, hervorgerufen durch Appetitlosigkeit, Erbrechen, Schluckstörungen, körperlicher Schwäche, Depressionen, Medikamentennebenwirkungen und Infektionen der Mundhöhle kommt es zum Gewichtsverlust.
Bei Betroffenen mit einer Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent sind gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung des Gewichts angezeigt. Ist eine ausreichende Energiezufuhr über eine orale (über den Mund) Ernährung nicht möglich, ist eine künstliche Ernährung mit speziellen Sondennahrungen indiziert.
Ernährungsempfehlungen für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke
- Beugen Sie einem Gewichtsverlust mit ausreichender Energiezufuhr vor. Essen Sie viele kleine Portionen über den Tag verteilt. Essen Sie reichlich Obst und Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukte, sowie Milch und Milchprodukte. Verzehren Sie zwei- bis dreimal in der Woche Fleisch und möglichst ein- bis zweimal Fisch. Gegebenfalls können Sie auch mit industriell hergestellten Trinknahrungen Ihre Energie- und Proteinversorgung unterstützen.
- Bei den meisten Betroffenen besteht ein erhöhter Bedarf an wasserlöslichen Vitaminen, der durch handelsübliche Vitaminpräparate ausgeglichen werden kann. Besonders die Gabe von B-Vitaminen und ß-Carotin, aber auch Selen und Zink wirken sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Eine unter ärztliche Kontrolle durchgeführte Substitution ist im Einzelfall sinnvoll.
- Meiden Sie Speisen, die aus rohen oder halbrohen tierischen Lebensmitteln hergestellt werden. Darunter fallen Lebensmittel, die rohe Eier enthalten (Tiramisu, Mousse au chocolat, hausgemachte Mayonnaise), rohe Milchprodukte (Rohmilchkäse), ungegartes Fleisch wie Tartar, Carpaccio, Rohwurst wie Salami, Teewurst oder roher Schinken, rohen Fisch oder Meeresfrüchte (Sushi, Austern) und zu kurz gebratenes Fleisch. Es besteht die Gefahr einer Salmonellen- und Toxoplasmoseinfektion.
- Waschen Sie rohes Obst und Gemüse gründlich vor de m Verzehr oder schälen Sie es gegebenenfalls. Vermeiden Sie längeres Warmhalten von Speisen.
- Achten Sie bei Durchfällen auf den Ausgleich von Wasser-, Vitamin- und Mineralstoffverlusten. Je mehr Sie trinken, umso besser! Fruchtsaftschorlen, Schwarzer Tee, Kamillentee oder Fencheltee mit etwas Salz sollten immer bereit stehen. Verzehren Sie bei Durchfällen kein rohes Obst und Gemüse und essen Sie viele kleine, leicht verdauliche Speisen.
- Bei Kau- und Schluckbeschwerden eignet sich eine dickflüssige, pürierte oder weiche Kost. Bei Mundtrockenheit fördert Pfefferminztee den Speichelfluss.