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Verletzungen der Wirbelsäule - Hintergrund / Einleitung

Verletzungen der Wirbelsäule treten durch seitliche, scherende oder stauchende Gewalteinwirkungen auf. Da die Wirbelkörper über straffe Bänder miteinander verbunden sind, bedarf es einiger Kraft, um Verletzungen herbeizuführen. Man unterscheidet (ähnlich den Schädel-Hirn-Verletzungen) auch hier Verletzungen der knöchernen Wirbelsäule mit oder ohne Beteiligung des Rückenmarks.

Verletzungen der knöchernen Wirbelsäule

Bei Verletzungen der Wirbelsäule werden prinzipiell Verletzungen der Bänder und Wirbelkörperbrüche unterschieden.

Die häufigste Verletzung ist die sog. Halswirbelsäulen-Distorsion (im Volksmund auch „Schleudertrauma“ genannt). Bei dieser Verletzung tritt eine Scherverletzung der mittleren Halswirbelsäule, meist zwischen dem 3./4. oder 4./5. Halswirbelkörper auf.

Wirbelsäule

Sie entsteht durch eine Scherbewegung des feststehenden Oberkörpers gegen den beweglichen Kopf durch plötzliches Abbremsen oder Beschleunigen, z.B. beim Auffahrunfall. Interessanterweise treten bleibende Schäden bei einer Geschwindigkeitsänderung von weniger als 30 km/h nicht auf. Dies spielt bei versicherungsrechtlichen Fragestellungen eine wichtige Rolle.

Ein weiterer häufiger Verletzungsmechanismus ist die Längsstauchung der Wirbelsäule (Springen auf die Füße oder Kopfsprung, z.B. in flache Gewässer).

Verletzungen des Rückenmarks

Verletzungen des Rückenmarkes gehen mit oder ohne Verletzungen der Wirbelsäule einher. Man unterscheidet offene und geschlossene Verletzungsarten. Bei der geschlossenen Verletzung sind die Rückenmarkshäute intakt; bei der offenen Art sind die schützenden Häute beschädigt.


Offene Rückenmarksverletzungen
Diese sind zumeist durch Schuss oder Stich bedingt, wobei auch die Rückenmarkshäute verletzt werden. Offene Rückenmarksverletzungen sind in 65-85% Kriegsverletzungen und nur in 5-10% sonstige Rückenmarkstraumen. Neben der Verletzung am Rückenmark können in der Umgebung des Rückenmarkes ein Ödem (Ansammlung von Wasser im Gewebe), Blutungen oder Nekrosen (d.h. Bereiche mit abgestorbenem Gewebe) auftreten. Diese Faktoren verstärken zusätzlich durch Druck auf das Rückenmark die bestehenden Ausfallserscheinungen. Infektionen sind seltener.

Geschlossene Rückenmarksverletzungen
Sie entstehen durch indirekte Gewalteinwirkung meist ohne Schädigung der Wirbelsäule und ohne Schädigungen der Rückenmarkshaut. Die Beschwerden werden durch ein Ödem oder umschriebene Durchblutungsstörungen verursacht. Sie bilden sich in der Regel gut zurück. Teilweise ist eine Behandlung mit Medikamenten, die das Ödem ausschwemmen (z.B. Prednisolon), notwendig. Am häufigsten ist die Halswirbelsäule von diesen Verletzungen betroffen. Dies liegt daran, dass die Muskulatur dort geringer als im Bereich der Brust- oder Lendenwirbelsäule ausgebildet ist. Schutz- und Stützfunktionen sind damit im Bereich der Halswirbelsäule weniger stark ausgeprägt.


Commotio Spinalis

Unter einer Commotio spinalis versteht man eine Erschütterung des Rückenmarkes (analog zur Commotio cerebri, siehe vorn).
Bei der Commotio spinalis wird durch die einwirkende stumpfe Gewalt das Rückenmark strukturell nicht verletzt. Es kann zu Störungen, wie umschriebenen Schmerzen, Muskelhartspann, flüchtigen Lähmungen in Armen oder Beinen, selten auch zu Blasenentleerungsstörungen kommen. Bei Verletzungen im Bereich der HWS werden zum Teil zusätzlich Kopfschmerzen und Schwindel geklagt. Es können Zwangshaltungen des Kopfes auftreten. Diese Störungen, die sich nach Minuten bis Stunden wieder zurückbilden, verursachen keine bleibenden Schäden.

Contusio Spinalis

Hierunter wird eine Prellung des Rückenmarkes bezeichnet. Der Unfallmechanismus ist der gleiche wie bei der Commotio spinalis. Die Rückenmarksubstanz wird gequetscht.


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