Therapie der Harninkontinenz
Therapie der Belastungsharninkontinenz
Die
Therapie dieser Harninkontinenz sollte auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten abgestimmt werden. Auch die Schwere der Belastungsharninkontinenz soll mit einbezogen werden. Als konservative Therapiemöglichkeit ist primär die
Beckenbodengymnastik zu nennen. Spezielle Übungen sollten über einen erfahrenen Physiotherapeuten erlernt und langfristig angewendet werden. Eine Verbesserung stellt sich erst nach Wochen bzw. Monaten ein. Auch die Elektrostimulationstherapie ist hier zu nennen. Mittels einer vaginalen oder rektalen Sonde werden Reizströme verabreicht, diese Impulse verbessern ebenso die Blasenfunktion und die Beckenbodenstabilität. Wenn die Impulse an eine optische Wahrnehmung für den Patienten gekoppelt sind, spricht man von Biofeedback.
Auch medikamentös kann man der Belastungsharninkontinenz zu Leibe rücken. Eine lokale, vaginale Östrogenisierung mittels Salben oder Zäpfchen wirkt ebenfalls unterstützend.
Falls die konservativen Therapien keinen oder nur wenig zufriedenstellenden Erfolg zeigen, dann gibt es die Möglichkeit einer Bandoperation, die die geschwächten Bandstrukturen des Harnröhrenschließmuskels verstärken sollen. Es gibt unterschiedliche Einlagetechniken: TVT-Band, TOT-Band.
Ist die Funktionsstörung des Schließmuskels mit einer Senkung eines oder mehrerer Beckenorgane verbunden, kann man mit einer gezielten Aufrichtung mittels vorderer, hinterer oder einer kompletten Netzplastik diesen Descensus beheben.
Es gibt auch die Möglichkeit einer Scheidenaufrichtung mittels einer Netzzwischenlage an das Kreuzbein, was sowohl offen, laparoskopisch oder per Da Vinci-System durchgeführt werden kann. Je nach postoperativem Verlauf der Harninkontinenz kann diese zusätzlich mit einem TVT- oder TOT-Band behoben werden.
Auch bei Männern nach einer radikalen Prostatektomie mit einer postoperativen Belastungsharninkontinenz kann ein Band zur
Therapie der Harninkontinenz bei noch ausreichender Restfunktion des Schließmuskels eingelegt werden, wenn die konservativen Therapien wie
Beckenbodengymnastik und Elektrostimulationstherapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Bei Zustand nach
Bestrahlung oder kompletter Inkontinenz ist eher die Einlage eines künstlichen Schließmuskelsystems zielführender. Nach Aktivierung des Systems kann der Patient selbst über einen im Hodensack platzierten Druckknopf die Miktion steuern.
Bei einer Patientin mit einer schwach tonisierten Harnröhre bei Belastungsharninkontinenz oder nach Versagen eines Harnröhrenbandes oder auch bei Zustand nach
Bestrahlung der Beckenregion kann auch eine Depoteinspritzung in die Harnröhre zur Verbesserung der Harninkontinenz vorgenommen werden.
Therapie der Dranginkontinenz
Der Schwerpunkt der
Therapie liegt in der medikamentösen
Therapie. Hauptsächlich werden sogenannte Anticholinergika eingesetzt, die zur Abschwächung des übermässigen Drangs führen.
Auch die intramuskuläre Injektion des Neurotoxins Botulinum (
Botox) in kleinen Dosen in die Blasenwand, die über eine
Blasenspiegelung meist in Allgemeinnarkose eingespritzt werden, kann die Symptome lindern.
Therapie der Mischharninkontinenz
Die
Therapie richtet sich je nach Konstellation und Ausmaß der beiden Inkontinenzformen und wird darauf mit den bereits genannten Therapieoptionen abgestimmt.
Therapie der chronischen Harnretention mit Überlaufinkontinenz
Da durch die chronische Harnretention mit Überlaufinkontinenz auch die Nieren zunehmend Schaden nehmen können, sollte eine Sanierung der Obstruktion, sei es z.B. durch eine Prostatagewebsabtragung mittels TUR-
Prostata oder durch Einsatz von z.B. Greenlight-Laser oder durch Schlitzung der Harnröhre stattfinden.
Auch bei der weiblichen chronischen Harnretention mit Überlaufinkontinenz steht meist eine operative Sanierung der Obstruktion im Vordergrund.
Therapie der Reflexinkontinenz
Eine medikamentöse
Therapie ist vorrangig. Der intermittierende Selbstkatheterismus ermöglicht eine restharnfreie Entleerung. Oberstes Ziel des Selbstkatheterismus ist neben der Harnentleerung vor allem der Schutz der Nieren. Gegebenenfalls ist auch eine kontinuierliche Harnableitung z.B. mittels eines suprapubischen Blasenkatheters notwendig.
Therapie der extraurethralen Harninkontinenz
Als einzige Therapieform kommt eine operative Versorgung der Fistel bzw. der fehlerhaften Mündung in Frage.
letzte Aktualisierung: 03.02.2012
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