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Urinuntersuchung - Methoden

Was wird untersucht?

Ein oder mehrere der oben beschriebenen Faktoren können durch krankhafte Prozesse wie Entzündungen und Nierenerkrankungen verändert werden und helfen so bei der Diagnostik. Darüber hinaus kann nach Blut, Zellen, Krankheitserregern und anderen Beimengungen gefahndet werden. Bei bestimmten Stoffwechselstörungen lassen sich Enzyme und Hormone messen, bei Störungen der Nieren- oder Blasenfunktion können sich spezielle Tests anschließen.

Urinveränderungen und mögliche Ursachen:

  • Farbe: Bestimmte Nahrungsmittel wie Brombeeren (rotbraun) und Rhabarber (zitronengelb) oder Medikamente wie Antibiotika (braun) und Vitamintabletten (orange) verursachen vorübergehende Verfärbungen. Bei Krankheiten oder Verletzungen von Nieren oder ableitenden Harnwegen können Eiweiß, rote und weiße Blutkörperchen oder Bakterien zur Trübung oder Rotfärbung führen. Auch Leberentzündungen und Transfusionszwischenfälle oder die Porphyrie können eine Rotfärbung des Urins verursachen. Die Alkaptonurie, eine seltene Stoffwechselkrankheit färbt den Harn braunschwarz, bei einer Leberentzündung kann er auch dunkelbraun bis grünlich werden und beim Schütteln gelben Schaum aufweisen.  
  • Menge und Geruch: Bei Störungen der Nierenfunktion kann die Urinproduktion eingeschränkt sein, bei bestimmten Stoffwechselkrankheiten wie der Zuckerkrankheit oder Medikamenten kommt es zu vermehrter Harnproduktion und sehr hellem Urin. Veränderungen des Geruchs können durch Nahrungsmittel bedingt sein – so tritt nach dem Verzehr von Spargel bei etwa der Hälfte der Menschen ein typischer Geruch auf. Streng riechender Harn ist Folge einer bakteriellen Infektion, ein fauliger Geruch kann durch Blasentumoren verursacht sein. Typisch ist ein säuerlicher, azetonähnlicher Geruch bei der Zuckerkrankheit, wenn sie nicht gut eingestellt ist.

Urin-Streifen-Schnelltest

Das ist eine schnelle, einfach durchzuführende Untersuchung, die auf einer chemischen Reaktion beruht. Damit lassen sich die wichtigsten Stoffe im Harn nachweisen. Er ist auch Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft:

  • weiße Blutkörperchen (Leukozyten): bei einer Entzündung
  • Eiweiß: Zuckerkrankheit, Entzündung oder andere Schädigung der Nieren (z.B. durch Medikamente oder Bluthochdruck), Tumoren
  • Blut: Entzündungen bzw. Verletzungen von Nieren oder Harnwegen, Tumoren
  • Glukose, Ketone: Zuckerkrankheit
  • Nitrit: Zeichen einer Harnwegsinfektion
  • pH-Wert: Damit kann der Säuregehalt bestimmt werden. Dessen Schwankungen können ernährungsbedingt sein, aber auch durch Stoffwechselstörungen oder Krebserkrankungen hervorgerufen sein.

Der fingerlange Teststreifen wird kurz in den Urin getaucht, so dass alle Testfelder benetzt sind. Diese sind mit unterschiedlichen Stoffen beschichtet, die mit dem Urin reagieren und dabei ihre Farbe ändern. Nach einer Wartezeit von 1–2 Minuten werden die Verfärbungen mit einer speziellen Farbskala abgeglichen.

Labordiagnostik

Eine weitergehende Analyse im Labor erfolgt je nach Befund und vermuteter Diagnose. Meist werden gleichzeitig auch andere Untersuchungen wie Bluttests oder Ultraschall durchgeführt, manchmal ergänzend auch Tests zur Beurteilung der Nieren- und Blasenfunktion.

Die Urinprobe wird zum einen unter dem Mikroskop angeschaut, zum anderen kann das Vorhandensein und die Menge gewisser Stoffe bestimmt werden. Besteht der Verdacht auf eine Infektion von Niere oder Blase, lässt sich eine "Urinkultur" anlegen.

  • Beimengungen unter dem Mikroskop: Nach dem Zentrifugieren reichern sich die festen Bestandteile an (Urinsediment) und lassen sich mikroskopisch untersuchen. Vereinzelt auftretende Gewebszellen aus der Schleimhaut der Harnwege sowie wenige weiße und rote Blutkörperchen oder Schleimfäden sind nicht bedenklich. Finden sich davon allerdings größere Mengen oder Eiweißzylinder, Harnkristalle, Eiter oder Erreger, besteht der Verdacht auf eine Erkrankung der Nieren oder der ableitenden Harnwege. Unter dem Mikroskop lassen sich außerdem abnorme Zellen z.B. aus einem bösartigen Tumor identifizieren (zytologische Untersuchung).  
  • Urinkultur : Ein beschichteter Träger wird in den frischen Urin eingetaucht, in einen dazugehörigen Behälter gesteckt und ins mikrobiologische Labor geschickt. Sind Keime enthalten, zeigen sich etwa 24 Stunden später Bakterienkolonien, ihre Zahl wird mittels einer Vergleichstabelle geschätzt. Im nächsten Schritt lassen sich die Erreger genau identifizieren und es kann ermittelt werden, welche Antibiotika wirken. Keime kommen nicht nur bei einer Infektion von Nieren oder Harnwegen vor, sondern können auch auf einen Tumor hindeuten.  
  • Harnanalyse auf bestimmte Substanzen: Wasserlösliche Stoffe werden meist mit dem Urin ausgeschieden. So lassen sich im Harn z.B. Elektrolyte (z.B. Natrium, Kalium, Kalzium), Medikamentenwirkstoffe, Gifte, Dopingmittel oder Hormone und ihre Abbauprodukte bestimmen. Deren Menge lässt dann Rückschluss beispielsweise auf einen Enzymdefekt (z.B. Porphyrie) oder eine Hormonstörung zu.

Gewinnung einer Urinprobe

Im Allgemeinen wird die Probe aus dem Mittelstrahlurin gewonnen, also der mittleren Urinportion von etwa 20–40 ml, die – ohne den Harnstrahl zu unterbrechen – aufgefangen wird, nachdem die erste Portion in die Toilette entleert wurde. Das soll gewährleisten, dass evtl. enthaltene Keime nicht aus den äußeren Genitalien, sondern den Harnwegen stammen.

Muss in Sonderfällen der Urin sicher steril sein, kann er auch durch den Arzt mittels eines Katheters oder einer direkten Punktion der Harnblase durch die Bauchdecke gewonnen werden.

Bei der Harnprobe aus Mittelstrahlurin sollte der Betroffene folgende Punkte beachten:

  • Der Harn muss in verschließbaren, sauberen Urinbechern aufgefangen werden. Arzt oder Apotheker stellen diese zur Verfügung.
  • Der Patient muss seine Geschlechtsorgane vorher sorgfältig waschen.
  • Beim Wasserlassen sollte die Frau ihre Schamlippen spreizen, der Mann seine Vorhaut zurückziehen.

Diese Maßnahmen verringern das Risiko einer Verunreinigung der Probe und sichern damit die Aussagekraft der Analyse.

Funktionstests

Besteht der Verdacht, dass Nieren- oder Blasenfunktion eingeschränkt sind, stehen eine Reihe spezieller Tests zur Verfügung.

  • 24-Stunden-Sammelurin: Der Patient sammelt den gesamten Urin, den er über 24 Stunden ablässt, in einem speziellen Sammelgefäß. Darin kann dann Kreatinin bestimmt werden, eine Substanz die Rückschlüsse auf die Funktionsleistung der Niere zulässt.  
  • Spezifisches Uringewicht: Dabei wird mit einem bestimmten Messzylinder die Masse des Harns pro Volumeneinheit bestimmt, die von der Menge der im Harn gelösten Stoffe abhängt. Abweichungen vom Normalwert sind häufig Zeichen eines Nierenversagens.  
  • Urodynamik: Dieser Oberbegriff umfasst eine Reihe von Untersuchungen, mit denen sich die Blasenfunktionen prüfen lassen. Sie kommen z.B. zum Einsatz, wenn Patienten ihr Wasser nicht halten können (Harninkontinenz). Bestimmt werden u.a. die Harnmenge, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums die Harnblase durchfließt, der Druck in der Blase und ob sich nach der Entleerung darin noch Urin befindet.
letzte Aktualisierung: 04.02.2012

Verwendete Quellen:

Autor: Dagmar Reiche

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