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Unerfüllter Kinderwunsch - Hintergrund / Einleitung

Unerfüllter Kinderwunsch


Ein unerfüllter Kinderwunsch besteht bei 9 % der Paare. Die medizinischen Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches liegen bei ca. einem Drittel bei der Frau, zu einem Drittel beim Mann und sind im restlichen Drittel durch kombinierte Faktoren von Mann und Frau bedingt. Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch hat die Reproduktionsmedizin einige unterstützende Verfahren zur Verfügung.

Unerfüllter Kinderwunsch und ärztliche Hilfe


9 % der Paare haben unerfüllten Kinderwunsch, auch an Ihrem Wohnort. Die Hälfte davon sucht medizinische Hilfe. Das Hilfesuchen hängt vom Glauben der Frau an positive Behandlungserfolge ab und von der finanziellen Machbarkeit.

Eine generelle Zunahme der Unfruchtbarkeit ist in der deutschen Bevölkerung nicht zu belegen. Aber das Alter der Frauen bei der Geburt des ersten Kindes steigt beständig an; mit zunehmendem Alter geht die Fruchtbarkeit zurück. Pro Jahr holen sich 15 % der Paare medizinischen Rat wegen Sterilität ein. Jedes sechste Paar sucht zumindest einmal einen Arzt wegen des unerfüllten Kinderwunsches auf (WHO 1997).

Bei ungewollter Kinderlosigkeit von mehr als einem Jahr spricht man von herabgesetzter Fruchtbarkeit, Subfertilität oder Sterilität. Die Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches liegen bei ca. einem Drittel bei der Frau, zu einem Drittel beim Mann und sind im restlichen Drittel durch kombinierte Faktoren von Mann und Frau bedingt.


Unerfüllter Kinderwunsch: Unabhängige, nicht interessendominierte Informationen

  • Aufklärung über unerfüllten Kinderwunsch gibt es kaum. 54 % der deutschen Erwachsenen glauben, die Fruchtbarkeit der Frau sinke erst ab dem 40. Geburtstag. Nach wie vor haben aber Frauen zwischen 20 und 30 Jahren die besten Chancen, schwanger zu werden.
  • In diesem Glauben gehen „nur“ 52 % der Paare mit Kinderwunsch zum Arzt, die meisten hoffen, dass es noch auf natürlichem Weg zur Schwangerschaft kommt.
  • Paare bekommen zur Zeit mit 30 Jahren ihr erstes Kind, ab 35 Jahren sinkt die Chance auf Schwangerschaft generell erheblich.
  • Paare in Deutschland, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, sind über 34 Jahre (Frau) bzw. über 37 Jahre (Mann).
  • 82 % der Frauen suchen erst nach 1½ Jahren ohne Schwangerschaft einen Arzt auf, in 91 % der Fälle ihren Frauenarzt.
  • Staatliche Investitionen in Kinderwunsch-Behandlungen sind hochgradig effektiv.

Erfahrungen von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch


Paare mit unerfülltem Kinderwunsch stellen keine Einzelfälle dar. „Betroffene“ glauben anfangs, dass nur sie dieses Schicksal haben. Gespräche über den unerfüllten Kinderwunsch finden allerhöchstens mit dem Partner und seltener im engsten Familienkreise statt. Wird der Mut gefasst, im Freundeskreis über diese Probleme zu sprechen, stellt man sehr schnell fest, dass man kein Einzelfall ist.

In Selbsthilfegruppen und in Internetforen kann über die vielfältigen Probleme gesprochen werden: Wer will, kann Erfahrungen weitergegeben, Ratschläge austauschen. Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, ob man dadurch einen Nutzen hat. Auch ein Schaden ist denkbar. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sich dazu stellt. Adressen von Selbsthilfegruppen werden gerne mitgeteilt. Die großen Suchmaschinen listen Gruppen nach der geografischen Nähe.

Was hat sich nach Ansicht der Paare in den letzten Jahren bewährt, verbessert? Heute kann die Ursache des unerfüllten Kinderwunsches rasch fachkompetent abgeklärt werden. Es müssen keine Jahre verstreichen. Geschätzt werden eine individuelle Beratung und Erörterung der Chancen und der möglichen Behandlungsmethoden mit den entsprechenden Erfolgsraten, und dies nach dem aktuellen bewiesenen Wissenstand.

Bei dieser Entscheidungsfindung helfen Informationen aus guten Broschüren und Internetauftritten und auch Erfahrungen und Hinweise anderer Betroffener. Ist die Entscheidung für eine Kinderwunsch-Behandlung gefallen, so müssen die Weichen vom behandelnden Frauenarzt gestellt werden. Behandlungen wie z.B. die In-vitro-Fertilisation dürfen nur von spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Nicht alles hängt an einem Versuch. Man sollte sich vergegenwärtigen, dass die Wahrscheinlichkeit des Erfolges in einem Behandlungszyklus, selbst im erfolgreichsten Zentrum, immer niedriger liegt als die des Misserfolges. Misserfolg und Enttäuschungen gehören dazu. Aber eine klare Aussage zur Erfolgswahrscheinlichkeit wird erwartet und hilft. Auch reduzierte Chancen durch fortgeschrittenes Alter der Frau müssen klar angesprochen sein. Die realistische Einschätzung, dass unter Umständen mehrere Behandlungszyklen notwendig sind, vermindert den Druck.

Eine Sterilitätsbehandlung stellt immer eine Belastung beider Partner dar, die bis zum Stress geraten kann. Es wird von den Patienten als positiv bewertet, wenn möglichst wenige Arztbesuche notwendig sind, gerade wenn das Zentrum weit vom Wohnort entfernt liegt. Eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Gynäkologen und dem Arzt am Zentrum hilft hierbei.

Da der Großteil der Behandlung die Frau betrifft, ist es umso wichtiger, dass der Ehemann verständnisvoll reagiert und seiner Frau Unterstützung bietet. Es ist für die Frau eine große Hilfe, wenn sie weiß, dass sie sich während der unausbleiblichen Hoch- und Tiefphasen immer mit dem Partner aussprechen kann.

Es sollte vermieden werden, dass die Erfüllung des Kinderwunsches zum einzigen Lebensinhaltwird. Die Beziehung der Partner kann während der Behandlung intensiver und verständnisvoller werden.

Vertrauen in die Therapie und eine gute Zusammenarbeit mit möglichst einem Arzt, der das Paar während der gesamten Kinderwunsch-Behandlung begleitet, sind von großem Vorteil.

Sehr erfolgreich läuft das Zusatzprogramm der psychotherapeutischen Unterstützung. Es wird immer häufiger und ganz selbstverständlich genutzt.

Verwendete Quellen:
Zum Abschnitt "Unerfüllter Kinderwunsch und ärztliche Hilfe":
- Die Daten sind in der Juli Ausgabe 2008 von „demographic-research“ frei zugänglich, z.B.: Jürgen Dorbritz. Germany: Family diversity with low actual and desired fertility. research article Open Access doi: 10.4054/DemRes.2008.19.17
- 2009 sind die Zahlen verfügbar in der Fachzeitschrift „Demografische Forschung aus Erster Hand“ (www.demografische-forschung.org/archiv/defo0804.pdf).
- WHO 1997.World Health Organisation. Highlights on health in the United Kingdom. Document. 1997

Elwyn G, Edwards A, Britten N. ”Doing prescribing“: how doctors can be more effective. BMJ 2003; 327: 864-867

Artikelinformationen zu Unerfüllter Kinderwunsch
Autor
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Prof. Dr. med. Karl Sterzik

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Dr. med. Erwin Strehler

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Prof. Dr. med. Rainer Wiedemann

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Dr. med. Petra-Ilona Wiedemann

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