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Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie - Methoden

Vorgehen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie


Der Therapeut verschafft sich zunächst im Rahmen von Vorgesprächen einen Eindruck darüber, welche psychische Erkrankung vorliegt und wie sie zustande gekommen ist. Wenn er einen aktuellen Konflikt oder/und ein strukturelles Problem, also eingeschränkte Fähigkeiten im Umgang mit wichtigen Anderen, identifizieren kann, das mit der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie behandelbar ist, kann eine Therapie begonnen werden.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie konzentriert sich immer auf die Gegenwart. Biographische Aspekte sind nur insofern wichtig, als dass sie helfen können, die Probleme in der Gegenwart besser zu verstehen. Man arbeitet in der Regel mit einer Sitzung pro Woche im Sitzen.

Die Aufgabe des Patienten während der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist die sogenannte freie Assoziation. Das bedeutet, dass der Patient in den Therapiesitzungen möglichst ungefiltert erzählt, was ihm gerade einfällt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das nun wichtig oder unwichtig ist. Die Aufgabe des Therapeuten während der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist es, aus dem Erzählten das heraus zu filtern und aufzunehmen, was für das Verständnis und die Therapie des aktuellen Problems hilfreich ist.

Konfliktzentrierte Vorgehensweise bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie: Klärung, Konfrontation und Deutung


Bei einer konfliktzentrierten Vorgehensweise arbeitet der Therapeut bevorzugt mit den Techniken der Klärung, Konfrontation und Deutung. Klärende Interventionen sind all diejenigen, die dem Therapeuten helfen, das Erzählte besser zu verstehen und sich in das Erleben des Patienten einzufühlen. Oft sind das Nachfragen, wie z. B. „Können Sie mir das noch genauer erklären?“, „Wie ging es Ihnen dabei?“, oder „Habe ich es richtig verstanden, dass…?“. Dies ist äußerst wichtig, weil die Probleme und Konflikte des Patienten nur dann hinreichend verstanden und bearbeitet werden können, wenn der Therapeut in der Lage ist, sich in die Perspektive des Patienten zu versetzen.

Konfrontation bedeutet, dass der Therapeut den Patienten auf etwas aufmerksam macht, was ihm auffällt und was er für bedeutsam hält. Häufig sind dies Widersprüchlichkeiten, wie z. B. dass der Patient traurige Dinge mit einem Lächeln erzählt, oder dass der Patient erzählt, was für ein guter Mensch seine Partnerin ist und gleichzeitig erzählt, wie schlecht sie ihn behandelt. Diese Widersprüchlichkeiten sind dem Patienten in der Regel so nicht bewusst und insofern wichtig, weil sie auf bedeutsame innere Konfliktthemen hinweisen können. Wenn der Therapeut glaubt, er hat etwas über die unbewussten Wünsche, Gefühle und Konflikte, die zu den Problemen des Patienten führten, verstanden, teilt er dies dem Patienten mit. Diese Mitteilung nennt man Deutung. So z. B.: „Ich habe den Eindruck, dass es Ihnen nicht möglich ist, zu sehen, wie schlecht Ihre Partnerin mit Ihnen umgeht, weil dann womöglich die Frage der Trennung im Raum stünde und Ihnen dieser Gedanke unheimlich Angst macht.“

Eine besondere Rolle spielt dabei auch die Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung. Übertragung bedeutet, dass Überzeugungen, wie wichtige Andere mit einem umgehen und einen wahrnehmen oder Erwartungen, die man an wichtige Andere hat, sich auch in die therapeutische Beziehung „einschleichen“. Das heißt, wenn man z. B. im Leben oft das Gefühl hat, von anderen kein Gehör zu finden und nicht genügend beachtet zu werden, oder nur etwas wert zu sein, wenn man sich besonders bemüht, oder immer an allem schuld zu sein, usw., passiert es in der Regel, dass man auch den Therapeuten in Anteilen so erlebt. Dies ist nicht verwunderlich, da die Übertragung ein Prozess ist, der sich überall im Leben ereignet. Oft empfinden wir Menschen aus dem Berufsleben oder aus dem Freundeskreis in einigen Aspekten so, wie früher schon den Vater, die Mutter, die Oma, etc.. Der Therapeut erkennt daran, dass es sich um eine Übertragung handelt, dass die Gefühle oder das Verhalten des Patienten nicht alleine aus der aktuellen Situation heraus erklärbar sind.

Gleichzeitig hilft dem Therapeuten die Gegenübertragung. Dies sind die Gefühle und Wahrnehmungen des Therapeuten. Wenn dieser sich sicher ist, dass seine Gefühle, die er in der therapeutischen Situation gerade empfindet, nicht mit seinem momentanen eigenen Leben zu tun haben, ist es wahrscheinlich, dass der Patient sie in ihm auslöst. Es ist sehr wertvoll, wenn sich eine solche problematische Beziehungskonstellation in der therapeutischen Beziehung ereignet. Denn hier kann sie vom Therapeuten und dem Patienten besonders gut verstanden und bearbeitet werden. Die Aufgabe des Therapeuten besteht dann darin, sein Erleben und sein Verständnis dem Patienten Stück für Stück so zur Verfügung zu stellen, dass dieser etwas über sich verstehen kann, was er bisher so nicht wusste. Das Sehen und Verstehen von eigenen unbewussten Anteilen oder Konflikten ist der erste Schritt zur Veränderung.

Strukturzentrierte Vorgehensweise bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie


Bei einer strukturzentrierten Vorgehensweise steht im Vordergrund, dass der Therapeut dem Patienten hilft, intensive Gefühle besser tolerieren zu können, potentiell schädigende Verhaltensimpulse besser steuern zu können, die Wahrnehmung und Differenzierung, welche Gefühle und Bedürfnisse er selbst hat und was die Gefühle der anderen sind, zu verbessern, etc.. Um dies zu erreichen wendet der Therapeut Interventionen an, die stabilisierend wirken, die sogenannten „ICH-Funktionen“ aufbauen, und er versucht, den oben genannten Übertragungsprozess eher zu begrenzen.

Stabilisierende Interventionen sind z. B. das Erlernen von Techniken, mit denen unangenehme Gefühle besser ausgehalten werden können. Oder das Erlernen von Entspannungsübungen zur besseren Regulation der Gefühle. Auch das Strukturieren eines inneren Chaos und eine Unterstützung beim Erstellen z. B. eines Tagesplans ist stabilisierend.

Das Aufbauen der ICH-Funktionen erreicht der Therapeut z. B., indem er dem Patienten hilft, sich selbst besser zu verstehen, wie z. B. darin, warum er gerade so wütend ist, welche Situation das ausgelöst hat, wie er mit der Wut umgehen kann und wie er solche Situationen in Zukunft vermeiden oder verändern kann. Damit der Patient lernt, die Reaktionen der Umwelt besser zu verstehen, ist es oft hilfreich, zu klären, wie der Patient sich verhält und auf andere wirkt und was dies bei anderen auslöst. Wenn Gefühle vom Patienten nicht differenziert, sondern z. B. einfach nur als Spannung wahrgenommen werden, ist es wichtig, dass der Therapeut hilft, die dazu gehörigen Gefühle herauszufinden, damit der Patient sich selbst besser verstehen und einschätzen lernt.

Die Übertragungsprozesse begrenzen bedeutet, dass der Therapeut dem Patienten möglichst wenig Gelegenheit bietet, unrealistische Phantasien über ihn und seine Haltung dem Patienten gegenüber zu entwickeln. Dies ist wichtig, weil bei strukturellen Störungen solche Phantasien oft angstauslösend sind und die Therapie gefährden können. Der Therapeut ist eher aktiv, geht auf Fragen des Patienten ein, arbeitet mit aktuellen Problemen des Patienten und strukturiert die Stunden. Wenn er den Eindruck hat, dass der Patient ihn verzerrt wahrnimmt, oder etwas in ihn hinein interpretiert, was nicht stimmt, wird er dies so bald wie möglich ansprechen und aufklären.
letzte Aktualisierung: 17.06.2013

Artikelinformationen zu Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
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Dr. med. Corinna van Niekerk Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum München Harlaching

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