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Sport bei Brustkrebs

Sport bei Brustkrebs


Die meisten der bisher bekannten Risikofaktoren für Brustkrebs sind nur schwer beeinflussbar. Zu diesen Risikofaktoren gehören eine familiäre Belastung, eine früh einsetzende Menarche, eine spät einsetzende Menopause sowie ein hohes Alter zum Zeitpunkt der ersten Geburt beziehungsweise eine Kinderlosigkeit. Im Gegensatz zu diesen Faktoren ist die körperliche Inaktivität ein beeinflussbarer Risikofaktor, der mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs assoziiert ist. Die körperliche Aktivität beeinflusst das Brustkrebsrisiko auf verschiedene Arten positiv:
  • Reduzierung der körpereigenen Steroidhormonproduktion
  • Unmittelbare Beeinflussung des Immunsystems
  • Beeinflussung weiterer Faktoren wie zum Beispiel Körperfettgehalt sowie Ernährungs- und Lebensgewohnheiten
  • Reduzierung der Metastasierungsrate von Tumoren
Bisher existieren viele verschiedene Studien, die den Zusammenhang zwischen Brustkrebs und körperlicher Aktivität untersucht haben. Die meisten dieser Studien unterscheiden sich jedoch sehr stark in ihren Methoden, vor allem in der Art der körperlichen Aktivität (zum Beispiel berufliche Anstrengung, Freizeitsport oder Haushaltsaktivitäten). In einem im Jahre 2007 veröffentlichten Übersichtsartikel über körperliche Aktivität und Brustkrebs wurden 48 Studien aus den Jahren 1994 bis 2006 zusammengefasst und ausgewertet. In dieser Zusammenfassung konnte bei postmenopausalen Frauen eine Risikoreduktion von mindestens 20 % (Schwankungsbereich: 20 % bis 80 %) ermittelt werden. Für prämenopausale Frauen war die erreichte Risikoreduktion deutlich geringer und wurde aufgrund der Messschwankungen als nicht bestimmbar gewertet. Die Art, die Intensität und die Dauer der optimalen körperlichen Belastung ist anhand der momentanen Datenlage nicht klar erkennbar. Moderate körperliche Belastungen regen das Immunsystem auf positive Art und Weise an, wohingegen intensive Belastungen (zum Beispiel Wettkampfsport) eher negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben. Als Übungsprogramm soll der Schwerpunkt auf Bewegung, Spiel und Spaß, Körperwahrnehmung sowie Koordination gelegt werden. Als optimalen Messparameter für den Grad der Anstrengung kann man zum Beispiel die Herzfrequenz, die einfach gemessen und interpretiert werden kann, verwenden. Die optimalen Bereiche für ein vernünftiges Basistraining beziehungsweise ein Aufbautraining sind die „Gesundheitszone“ und die „Fettverbrennungszone“.


Die Berechnung der persönlichen maximalen Herzfrequenz lässt sich über folgende Formeln bestimmen:
  • Frauen: 226 – Alter
  • Männer: 220 – Alter
Die Erkenntnis über den positiven Nutzen des Sports lässt sich auf betroffene Patientinnen übertragen. Nach einer Brustkrebsoperation sind Patientinnen mehr oder weniger stark körperlich beeinträchtigt. Die Bewegungsfähigkeit auf der operierten Seite kann durch Teilentfernung der Muskulatur, mangelnde Dehnfähigkeit der Narbe oder Verhärtungen eingeschränkt sein. Viele Patientinnen nehmen daher eine Schonhaltung an der operierten Seite ein. Diese Haltung kann zu Verspannungen und Verkrampfungen auf der Gegenseite, am Rücken oder in den Schultern sowie zu Kopfschmerzen führen. Nach längerer Zeit können daraus Fehlstellungen bzw. -haltungen sowie konstante Schmerzen entstehen. Die Patientinnen sollten optimalerweise nach der Operation noch im Krankenhaus mit krankengymnastischen Übungen beginnen, um das Schultergelenk zu mobilisieren, Schon- oder Fehlhaltungen zu vermeiden und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Nach der Entlassung aus der Klinik sollten die dort erlernten Übungen selbstverständlich weitergeführt und es sollte somit aktiv ein Beitrag zur eigenen Gesundheit geleistet werden. Das Ziel besteht darin, die Patientinnen so schnell wie möglich wieder in ihren persönlichen Alltag zu re-integrieren. Durch Übungen und Sport wird die persönliche Fitness verbessert und die Lebensqualität erhöht. Die Patientinnen werden motiviert, selbstständig Übungen durchzuführen und sich auch in Zukunft weiter sportlich zu betätigen. Mit zunehmender Fitness und Beweglichkeit erhalten die Patientinnen zudem einen psychischen Auftrieb und entwickeln wieder Gefühl und Zutrauen zu ihrem Körper.

In langjähriger Erfahrung und aufgrund vieler Studienergebnisse konnte gezeigt werden, dass der Verlauf einer Krebserkrankung durch Sport positiv beeinflusst werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass im Einzelfall entschieden werden muss, wann und unter welchen Bedingungen Sport sinnvoll ist. So sollte die körperliche Belastung bei Patientinnen in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium (zum Beispiel bei erhöhter Frakturgefahr aufgrund von Knochenmetastasen, bei reduziertem Allgemeinzustand oder bei laufender Chemotherapie) angepasst werden. Die Konsensusempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) zur Mammakarzinomnachsorge vom 23.02.1996/24.02.1996 sehen somit eine individuelle Beratung zur körperlichen Belastung und zum sportlichen Training vor. Die meisten Patientinnen beginnen nach der Brustkrebsbehandlung direkt mit der onkologischen beziehungsweise fachärztlichen Nachsorge – nur wenige nehmen medizinische Rehabilitationsmaßnahmen in Anspruch. Im Rahmen der Rehabilitation werden jedoch spezielle Behandlungen wie Krankengymnastik, Lymphdrainage und viele andere mehr angeboten. Außerdem besteht für jede Patientin die Möglichkeit, an Rehabilitationssport und Funktionstraining, zum Beispiel Bewegungsspiele, Trocken- oder Wassergymnastik, teilzunehmen. Diese Optionen werden leider nur unregelmäßig oder gar nicht wahrgenommen.

In der Bundesrepublik Deutschland existieren etwa 400 spezielle Gruppen für den „Sport in der Krebsnachsorge“. Diese Gruppen sind den jeweiligen Landessportbünden oder den Landesverbänden des Deutschen Behindertensportverbandes angegliedert. Die Qualität der Sportgruppen wird über die Weiterbildung und die Lizenzvergabe an die Übungsleiter durch die Landessportbünde gesichert. Jede Gruppe sollte eine Ärztin oder einen Arzt als Ansprechpartner nachweisen können, wobei die direkte Anwesenheit nicht erforderlich ist. Zielgruppe dieser Gemeinschaften sind vor allem Frauen, die auch vor der Erkrankung keinen oder nur wenig Sport getrieben haben. Frauen, die bereits im Vorfeld sportlich sehr aktiv waren, finden meist allein den Weg zurück zu körperlicher Aktivität. Der Rehabilitationssport (früher: ambulanter Behindertensport) in der Krebsnachsorge ist vom Arzt unter bestimmten Vorrausetzungen in einem gewissen Rahmen verordnungsfähig.

Informationen über Sportgruppen in der Krebsnachsorge sind in folgenden Einrichtungen erhältlich:
  • Krankenhäuser
  • Krebsberatungsstellen
  • Rehabilitationseinrichtungen
  • Praxen betreuender Ärzte
  • Gesundheitsämter
  • Krankenkassen
  • Landessportbünde
  • Behindertensportverbände
  • Sportämter und Sportberatungsstellen der Kommunen

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Dr. Joachim Rom

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