Rehabilitation bei Skoliose
Die Ausprägung der Wirbelsäulenfehlform, eventuell bestehende Sekundärschäden, die resultierende Fähigkeitsstörung und die psychischen Belastungen der Patienten bestimmen die Therapie. Wichtig ist die Kenntnis, dass die Wirbelsäulenfehlform besonders bis zum Abschluss des Körperwachstums aber auch nach Abschluss des Wachstums häufig zur Progredienz neigt (Lauenstein; Weinstein et al). Längeres Bestehen führt an den Wirbelkörpern zu strukturellen Veränderungen und zu Störungen an den inneren Thoraxorganen. In Abhängigkeit von der Schwere der Wirbelsäulenfehlform und der notwendigen Therapie entwickelt sich häufig ein psychisches Fehlverhalten. Aufgrund des chronischen Verlaufs der Erkrankung und der zu erwartenden körperlichen Einschränkungen ist eine stationäre Wirbelsäulen Intensiv Rehabilitation (WIR) dringend notwendig. Kernstück unserer Wirbelsäulen Intensiv Rehabilitation (WIR) ist die dreidimensionale Therapie nach Katharina Schroth. Auf der Grundlage der Vorbefunde sowie einer gründlichen Aufnahmeuntersuchung durch einen erfahrenen Stationsarzt und eine in der Therapie nach Katharina Schroth ausgebildete Physiotherapeuten, wird ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet, was allgemeine und spezielle Therapieziele enthält. Die dreidimensionale Therapie muss aus oben genannten Gründen früh in der Wachstumsphase und bei einem Skoliose-Winkel ab 10° nach COBB beginnen, um noch eine meßbare Korrektur zu erreichen und drohende Operationen an der Wirbelsäule zu vermeiden.
Da bei Kindern bis etwa zum 12. Lebensjahr die erkrankungsspezifische Lernfähigkeit noch eingeschränkt und die Eigenverantwortung für Inhalte und konsequente Durchführung der Therapie noch nicht ausgeprägt sein können, ist die vorübergehende Anwesenheit eines Elternteiles zu empfehlen. Die Eltern werden damit in die Lage versetzt, das Übungsprogramm unter häuslichen Bedingungen zu überwachen und die notwendige Regelmäßigkeit zu sichern.
Zudem sind umfangreiche Schulungen der Patienten zur Gestaltung und zum Verhalten am Arbeitsplatz und in der Schule, zum Training der Selbstsicherheit, zum Sozialrecht sowie allgemeine Schulung zu Entspannungsverfahren sinnvoll und notwendig.
Dr. Kay Steffan
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