Schliessen
akutklinik bad saulgau neu

medführer Startseite » Psychische Erkrankungen » Krankheiten » Schizophrenie » Hintergrund / Einleitung

Schizophrenie - Hintergrund / Einleitung

Schizophrenie


An Schizophrenie leiden gegenwärtig 0,3 % der Deutschen. Die charakteristischsten Symptome der Schizophrenie sind Wahn, Denkzerfahrenheit, Halluzinationen, Ich-Störungen und Störungen der Gefühle. Die Ursachen der Schizophrenie sind bis heute weitgehend ungeklärt.

Wie häufig ist Schizophrenie?


Schizophrenie kommt in allen bisher untersuchten Ländern und Kulturen etwa gleich häufig vor. Schizophrenien zählen neben den Depressionen und den Alkoholerkrankungen zu den drei weltweit am häufigsten zu erheblichen Beeinträchtigungen führenden Erkrankungen. Auch unter optimaler Therapie sind ca. 10 % der an Schizophrenie Erkrankten dauerhaft behindert und mehr als 80 % krankheitsbedingt nicht oder nicht vollzeitig beschäftigt und auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Die Mortalität ist im Vergleich zur gesunden Bevölkerung auf ca. 10 % erhöht, was insbesondere auf die erhöhte Selbsttötungsrate der Schizophrenie-Patienten zurückzuführen ist. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb des gesamten Lebens an einer Schizophrenie zu erkranken, beträgt ca. 1 %, d.h. einer von 100 Menschen entwickelt im Laufe seines Lebens eine Schizophrenie. Betrachtet man, wie viele Menschen gegenwärtig an einer Schizophrenie leiden, sind das 0,3 %, d.h. einer von ca. 300 Menschen leidet an einer Schizophrenie. Das sind bei 80 Mio. Bundesbürgern also ca. 240 000 Menschen in Deutschland. Männer und Frauen erkranken gleich häufig an Schizophrenie, aber Männer erkranken im Durchschnitt früher als Frauen und haben meist einen schwereren Krankheitsverlauf. Oft tritt die Schizophrenie gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auf, häufig mit Suchterkrankungen (v.a. Alkohol und Cannabis), aber auch körperliche Erkrankungen treten bei an Schriziphrenie Erkrankten relativ häufig auf.

Welche Ursachen von Schizophrenie gibt es?


Die Ursache der Schizophrenie ist bis heute weitgehend ungeklärt. Man geht davon aus, dass viele verschiedene Krankheitsfaktoren zu einer Schizophrenie führen können, wobei wahrscheinlich zu je 50 % genetische und nicht-genetische Faktoren zur Entstehung der Schizophrenie beitragen. Man kann sich das Zusammenwirken von genetischen, also anlagebedingten, und Umweltfaktoren folgendermaßen vorstellen: Durch genetische/entwicklungsbiologische Faktoren kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die schon lange vor Ausbruch der Erkrankung bestehen. Diese stellen eine „Verletzbarkeit“, eine „Vulnerabilität“ für die Entstehung einer Schizophrenie dar, reichen für die Auslösung der Erkrankung aber nicht aus. Zusätzlich müssen noch Umweltfaktoren („Stress“) wirksam werden, die eine Belastung auf das Gehirn ausüben. Infolgedessen kommt es zum Ausbruch der Schizophrenie, da die Möglichkeiten des schon vorgeschädigten Gehirns nicht mehr ausreichen, um die Erkrankung zu verhindern. Dieses Konzept hat man auch als Vulnerabilitäts-Stress-Modell bezeichnet. Zu den Faktoren, die bei der Entstehung von Schizophrenie als wichtig angesehen werden, gehören z.B.:
  • Genetische Faktoren. Schizophrenie tritt familiär gehäuft auf, wobei das Erkrankungsrisiko steigt, je näher man mit einem Erkrankten verwandt ist.
  • Veränderungen in Botenstoffen des Gehirns (v.a. Dopamin, Glutamat und Serotonin). Dafür spricht v.a., dass Medikamente gegen die Schizophrenie die Wirkungen von Dopamin im Gehirn blockieren.
  • Störungen der Hirnentwicklung, wobei die Ursachen dafür noch nicht genau erforscht sind.
  • Psychosoziale Faktoren wie z.B. eine ungünstige Familienatmosphäre mit Feindseligkeit gegenüber dem Betroffenen oder Überbehütung, was zu einem erhöhten Rückfallrisiko führt.
  • Umweltfaktoren wie z.B. Schwangerschaft- und Geburtskomplikationen.

Welche Formen der Schizophrenie gibt es?


Die 3 wichtigsten Formen der Schizophrenie sind:
  • Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie: Hier stehen paranoide (wahnhafte) und halluzinatorische Erlebnisweisen sowie Ich-Störungen im Vordergrund der Symptomatik. Diese Schizophrenie-Form findet sich in bis zu 75 % der Fälle als Ersterkrankung, sie beginnt jedoch in der Regel später als andere. Der Verlauf der paranoid-halluzinatorischen Formen ist als eher günstig anzusehen. Meist sprechen sie gut auf Medikamente an.
  • Hebephrene (desorganisierte) Schizophrenie: Hier finden sich Gefühls-, Denk- und Antriebsstörungen in Verbindung mit einer heiter-läppischen Gestimmtheit. Diese äußert sich in einer Enthemmung mit albernem und ungeniert-distanzlosem Benehmen, in Überschwang sowie Erregungs- und Unruhezuständen, in pathetischem Ausdruck, Geziertheit und Altklugheit. Wahn und Halluzinationen fehlen weitgehend. Die hebephrene (desorganisierte) Schizophrenie beginnt meistens während oder nach der Pubertät und hat besonders bei Frauen eine eher ungünstige Prognose.
  • Katatone Schizophrenie: Hier stehen katatone Symptome, wie z.B. Erregungszustände, Bewegungslosigkeit (Stupor) oder Sprachlosigkeit (Mutismus) im Vordergrund der Symptomatik. Die katatone Form beginnt oft akut, wird seltener bei Spät-Schizophrenien beobachtet und zeigt sich selten während der ersten psychotischen Manifestation. Der Verlauf ist außer bei Patienten im jugendlichen Alter relativ günstig.

Fallbeispiel zu Schizophrenie


Ein 25-jähriger junger Mann kommt in Begleitung der Mutter und eines Freundes zur stationären Aufnahme. Der Patient hatte nach erfolgreich bestandenem Abitur eine Lehre zum Bankkaufmann begonnen, diese dann abgebrochen, anschließend ein Sozialpädagogikstudium angefangen, wobei er bisher keine ausreichenden Studienleistungen erbringen konnte. Ca. acht Wochen vor der Klinikvorstellung habe er erstmals das Gefühl gehabt, dass die Mitstudenten sich über ihn lustig machten. Jedes Mal, wenn er zu einer Gruppe von Studenten dazugekommen sei, hätten sie aufgelacht oder schnell das Thema gewechselt. Auch habe er bemerkt, dass sie über ihn sprachen und ihn mit verstärkter Aufmerksamkeit betrachteten. Einige Wochen später habe er erstmals geheime Botschaften von Kommilitonen erhalten, die ihm zeigten, dass er in Gefahr sei, dass eine Verschwörung gegen ihn im Gange sei, dass man ihm nach dem Leben trachtete. Er habe sich daraufhin immer mehr in sein Zimmer zurückgezogen und sich aus Angst kaum noch auf die Straße getraut. Damals habe er auch erstmals Stimmen gehört, die ihn beschimpften und jede seiner Handlungen mit Kommentaren begleiteten. Er habe geglaubt, in seinem Zimmer seien Wanzen und Kameras versteckt, womit er kontrolliert und sein Handeln gesteuert werde. Wenn er ferngesehen habe, seien bald viele seiner Tätigkeiten vom Ansager kommentiert worden. Dies habe sich so gesteigert, dass er nicht mehr in der Lage gewesen sei das Zimmer zu verlassen. Da er zu einem verabredeten Termin mit seinem Freund nicht erschienen war, suchte dieser ihn auf und brachte ihn in die Klinik. Die Behandlung erfolgte wegen Suizidalität und der schweren Realitätsstörung auf einer geschützten Station. Der Patient erhielt nach Ausschluss einer körperlichen Ursache der Erkrankung ein Neuroleptikum zur Behandlung der psychotischen Symptome (akustische Halluzinationen, Wahn, Ich-Störungen) und Benzodiazepine zur Behandlung von Angst und Unruhe. Nach fünf Wochen war die psychotische Symptomatik verschwunden und der Patient wurde auf eine offene Station zur weiteren Rehabilitation verlegt. Diagnose: Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie.

Wie ist der Verlauf bei einer Schizophrenie?


Entgegen einer früher weit verbreiteten Meinung ist die Schizophrenie keine prinzipiell unheilbare Erkrankung! Der Verlauf schizophrener Erkrankungen kann sehr unterschiedlich sein. In der Regel verlaufen sie in wiederholten Krankheitsphasen. Als Anhaltspunkt kann folgende Drittelregel des Langzeitverlaufs der Schizophrenie gelten:
  • ca. 1/3 der Schizophrenien führen nach ein oder mehreren Krankheitsphasen zur Heilung oder zu Zuständen mit leichten Restsymptomen
  • ca. 1/3 verläuft zu Zuständen mit mittelschweren Restsymptomen mit gelegentlichen akuten Krankheitsphasen
  • ca. 1/3 verläuft zu Zuständen mit schweren Restsymptomen oder chronischen Schizophrenien
Bezüglich des Krankheitsverlaufs unterscheidet man drei Phasen: Die Prodromalphase (Phase vor dem akuten Erkrankungsausbruch), die aktive Krankheitsphase und die Residualphase (Phase mit Restsymptomen nach Abklingen der akuten Symptome).
  • Prodromalphase: Vor Ausbruch der akuten Schizophrenie beobachtet man häufig eine Prodromalphase, die für einige Monaten bis viele Jahre bestehen kann. In dieser Phase sind die Patienten oft besonders empfindsam, reizbar und weniger leistungsfähig. Sie verlieren ihr Interesse an dem, für das sie sich früher noch begeistern konnten und ziehen sich immer mehr zurück. Häufig ist ein „Knick in der Lebenslinie“ zu beobachten, der durch Leistungsabfall, Verlust von bisherigen Interessen und ungewöhnliches Verhalten charakterisiert ist. Gerade weil die Symptome der Prodromalphase meist untypisch sind, werden sie häufig nicht erkannt! Wenn die Betroffenen noch jung sind, kann es sehr schwierig sein, Prodromalsymptome einer Schizophrenie von „unbequemen Aspekten der Entwicklung zum Erwachsenwerden“ oder Reifungskrisen zu unterscheiden.
  • Aktive Krankheitsphase: In dieser Phase treten akut die o.g. Schizophrenie-Symptome wie Wahn, Halluzinationen oder Ich-Störungen auf.
  • Residualphase: In dieser Phase stehen wieder uncharakteristische Symptome wie in der Prodromalphase im Vordergrund. Dazu gehören Antriebsstörungen, Affektverflachung, Interessenlosigkeit usw.
letzte Aktualisierung: 17.06.2013

Artikelinformationen zu Schizophrenie
Autor
Autor

Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Zur Webseite
Als Autor anmelden

Spezialisten finden

Hier finden Sie Ihren Psychiater und Psychotherapeuten

Ärzte fragen

Sie suchen einen Spezialisten?
medführer hilft Ihnen weiter.
Senden Sie Ihre Anfrage an unsere Ärzte in Kliniken und Praxen.

zum Anfrageformular

Anzeigen Service