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Robotische Chirurgie - Hintergrund

Robotische Chirurgie bei Prostatakrebs


Die roboterassistierte urologische Chirurgie ist eine noch junge, aber vielversprechende Technologie, die nicht mehr wegzudenken ist. Ein Überlegenheitsbeweis im Vergleich zu bereits etablierten konventionellen Prozeduren ist ausstehend und wird auch in naher Zukunft nicht erfolgen. Ein wesentlicher limitierender Faktor sind die damit verbundenen hohen Kosten, deren gesundheitsökonomische Konsequenzen den medizinischen Nutzen des Systems kompromittieren.

Wie funktioniert die Robotische Chirurgie?


Die roboterassistierte urologische Chirurgie basiert auf der minimalinvasiven „Schlüssellochchirurgie“. Sie wird vorwiegend zur chirurgischen Therapie des Prostatakrebses, aber auch zunehmend in der Nieren- und Blasenchirurgie eingesetzt. Es handelt sich dabei um Schlüssellochchirurgie, die aber in der Durchführung durch den Einsatz eines Roboters, den sog. „da Vinci“ (Firma Intuitive Surgical, Sunnyvale, California, USA) erleichtert wird. Der Name „Robot“ ist eigentlich fehlerhaft und irreführend, da dieser die selbstständige Funktion des Systems impliziert. Beim „da Vinci“-Roboter handelt es sich um ein sog. „Master-Slave“-System, bestehend aus einer Konsole („Master“) und dem damit elektronisch verbundenen Roboter („Slave“).

Der Chirurg sitzt unsteril an der Konsole und steuert über Manipulatoren die Roboterinstrumente und die Kamera, die über die Roboterarme bewegt werden. Ein Operationsassistent und die Instrumentierschwester sitzen steril am Patienten. Der erste urologische roboterassistierte Eingriff wurde im Jahr 2000 durchgeführt.

Durch zwei parallel geschaltete Kameras hat der Operateur ein dreidimensionales Bild des Operationsfeldes, welches bis zu 10fach vergrößert werden kann. Der Roboter führt die Bewegungen des Operateurs am Patienten unverzüglich und exakt aus und arbeitet niemals selbstständig.
Der da Vinci-Roboter im Einsatz. Im Hintergrund sitzt der Chirurg an der Konsole.
Der da Vinci-Roboter im Einsatz. Im Hintergrund sitzt der Chirurg an der Konsole.


Was sind die Vorteile der Robotischen Chirurgie?

Roboterkonsole für den Chirurgen. An den Manipulation sind 7 Freiheitsgrade möglich.
Roboterkonsole für den Chirurgen. An den Manipulation sind 7 Freiheitsgrade möglich.

Im Gegensatz zur konventionellen offenen und Schlüssellochchirurgie, in der die Instrumente starr sind, können beim „da Vinci“-System die Instrumente ähnlich einem Handgelenk bewegt werden und erzielen somit 7 Bewegungsfreiheitsgrade. Die Bewegungen des Operateurs können zudem skaliert werden, so dass sich große Handbewegungen des Operateurs in kleinen Bewegungen am Roboter übersetzen lassen. Zusätzlich wird ein Zittern des Operateurs durch den Roboter herausgefiltert, so dass exakte Bewegungen ausgeführt werden können. Nicht zuletzt ist die bequem sitzende Haltung des Chirurgen an der Konsole, die ein ergonomisches und nicht anstrengendes Arbeiten ermöglicht, insbesondere bei längeren Eingriffen von Vorteil.

Diese technischen Innovationen des „da Vinci“-Roboters haben dazu beigetragen, dass die roboterassistierte minimalinvasive Chirurgie, insbesondere bei rekonstruktiven Eingriffen (d.h. solche, die eine naturgetreue Wiederherstellung der Funktion erforderlich machen), in der Urologie eine rapide weltweite Verbreitung fand.

Was sind die Nachteile der Robotischen Chirurgie?


Demgegenüber stehen jedoch hohe Anschaffungs- und Unterhaltungskosten, die zwangsläufig zu einem starken Vermarktungsdruck des Systems führen. In den USA wird die Mehrzahl der roboterassistierten Prostataeingriffe an Patienten eines höheren sozioökonomischen Niveaus durchgeführt. Dadurch und durch das aggressive Marketing sind die Erfolgserwartungen der Patienten an eine solche technische Errungenschaft sehr hoch und können daher, im Vergleich zu konventionellen Methoden, oft nicht erfüllt werden.

Ist die Robotische Chirurgie bereits etablierten konventionellen Prozeduren überlegen?


Das Spektrum der möglichen Therapieindikationen und die Anwendbarkeit des Systems wachsen mit zunehmender Erfahrung. Obwohl eine flächendeckende Verbreitung der Systeme mit der Zeit stattfinden wird, muss die mit jeder neuen Methode verbundene Lernkurve und noch fehlende Erfahrung berücksichtigt werden. Die angewandte Technik kann nur so gut sein wie die Expertise des durchführenden Chirurgen. Es ist naheliegend, dass nach lediglich 10-jähriger Erfahrung mit dem System bislang nur großvolumige Zentren Daten zu den Ergebnissen der roboterassistierten Chirurgie publiziert haben, Langzeitdaten fehlen noch gänzlich. Die Ergebnisse der „da Vinci“-Chirurgie müssen sich mit denen von bereits seit Jahrzehnten bestehenden Methoden messen. In naher Zukunft ist keine abschließende Bewertung der roboterassistierten Chirurgie im Vergleich zu den bereits etablierten chirurgischen Methoden zu erwarten, die weitere Etablierung der roboterassistierten Chirurgie ist jedoch trotz hoher Kosten zu erwarten.

Autor
Portrait Gillitzer

Dr. med. Rolf Gillitzer

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