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Interventionelle Behandlung angeborener Herzfehler mittels Herzkathetertechnik - Methoden

PD Dr. med. Johannes Breuer

Ballondilatation von Herzklappen und Gefäßen

Verengungen an Herzklappen oder Blutgefäßen können durch das Aufblasen eines Ballons, der sich am Ende eines speziellen Katheters befindet, gebessert oder sogar ganz beseitigt werden. An den Herzklappen kommt es dabei, wie gewünscht, meist zu einem Einriss entlang der sogenannten Kommissuren und einer Dehnung des Klappenrings. Gelegentlich geht der Einriss quer durch die Klappe, was zu einer erheblichen Undichtigkeit führen kann. Bei der Dilatation verengter Gefäße kommt es in der Regel zu Einrissen in der Gefäßinnenhaut. Weitergehende Einrisse mit Blutaustritt in das umgebende Gewebe erfordern häufig die Implantation abdichtender Systeme oder einen chirurgischen Eingriff. Eine Verengung der Lungenschlagaderklappe wird heute fast ausnahmslos und mit sehr guten Ergebnissen mittels Ballondilatation behandelt. Lediglich in 5 – 10% der Fälle ist später eine zweite Dilatation oder eine Operation erforderlich. Dagegen ist bei der Dilatation einer verengten Körperschlagaderklappe zu beachten, dass sie in der Regel nur bei angeborenen Klappenverengungen ohne Verkalkung erfolgt und sie lediglich den Operationszeitpunkt hinausschiebt. Wenn der oft notwendige Klappenersatz dadurch nicht im Neugeborenen- sondern erst im Erwachsenenalter erfolgen kann, ist dies dennoch ein unschätzbarer Gewinn.

Implantation von Gefäßstützen (stents)

Native oder postoperative Verengungen der Lungen- oder Körperschlagader lassen sich ebenfalls mittels Ballondilatation behandeln, wobei der initiale Erfolg mit 35-64% (Lungenschlagader) bzw. 65-90% (Aortenisthmusstenose) deutlich geringer ist als bei den Klappenverengungen. Dabei ist aber zu bedenken, dass z.B. Verengungen der Seitenäste der Lungenschlagader für den Herzchirurgen aufgrund der Lage tief in der Lunge kaum erreichbar sind, sodass hier meist keine chirurgische Alternative besteht. Führt eine alleinige Ballondilatation nicht zum dauerhaften Erfolg oder ist sie aus anderen Gründen nicht ratsam, kann die Implantation einer inneren Gefäßstütze (Stent) weiter helfen.

Dabei wird ein Ballon, auf den der Stent aufmontiert wurde, an die Engstelle gebracht und aufgeblasen. Somit werden gleichzeitig Gefäß und Stent aufgedehnt. Beim anschließenden Ablassen des Ballons verbleibt der Stent in seinem aufgedehnten Durchmesser und stützt so das Gefäß von innen ab, sodass es sich nicht mehr verengen kann.

Vergrösserung eines Loches in der Vorhofscheidewand

Mit einem speziellen Ballonkatheter kann auch die Vergrösserung eines Loches in der Vorhofscheidewand durchgeführt werden, um die Durchmischung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut bei Kindern mit bestimmten „blauen“ Herzfehlern zu verbessern. Dies erfolgt meist als Notfalleingriff beim Neugeborenen.

Verschluss eines Defektes in der Vorhofscheidewand

Ein „Loch“ in der Vorhofscheidewand führt zu einem Blutrückfluss aus der linken in die rechte Vorkammer des Herzens, und damit zu einer Belastung des rechten Herzens und der Lunge. Dies führt u.a. zur Belastungseinschränkung, Rhythmusstörungen oder einem Lungenhochdruck. Der Veschluss eines solchen Loches kann interventionell mit einem sogenannten Schirmchen erfolgen, wenn der Defekt nicht zu groß ist und ein genügend breiter Randsaum zur Befestigung besteht. In allen anderen Fällen muss der Defekt operativ verschlossen werden. Mittlerweile sind eine ganze Reihe verschiedener Schirmsysteme auf dem Markt, die sich hinsichtlich Material und Implantationstechnik unterscheiden. Alle Schirmsysteme verbleiben für den Rest des Lebens im Herzen und werden nach einigen Wochen von einer körpereigenen Haut überzogen, sodass sie nicht mehr verrutschen können.

Verschluss eines offenen Ductus arteriosus (PDA)

Dabei handelt es sich um eine Gefäßverbindung zwischen Körper- und Lungenschlagader, die sich nicht spontan verschlossen hat. Die Notwendigkeit eines Verschlusses ist zweifelsfrei gegeben, wenn ein offener Ductus aufgrund seiner Grösse durch den Blutrückfluss in die Lunge den Kreislauf und das Herz belastet. Liegt ein kleiner offener Ductus vor, wird die Indikation zum Verschluss aufgrund eines erhöhten Endokarditisrisikos gesehen.

Drei weit verbreitete Verschlusssysteme sind in der Abbildung 114 dargestellt. Die heute verwendeten Systeme zeigen mit Verschlussraten von über 90% ähnliche Ergebnisse wie die nach einer Operation. Diese Verschlussraten werden allerdings nicht sofort nach der Implantation oder der Entlassung aus dem Krankenhaus erzielt, in einigen Fällen kommt es erst durch die bindegewebige Reaktion und Endothelisation im Verlauf von Tagen und Wochen zum kompletten Verschluss. Verschluss von Kollateralen, Fisteln oder anderen krankhaften Gefäßverbindungen

Hierbei handelt es sich um verschiedene, seltene Gefäßverbindungen zwischen dem systemarteriellen oder pulmonalarteriellen Gefäßsystem einerseits und einem systemvenösen oder pulmonalvenösen Gefäßabschnitt andererseits. Meist liegt ein relativ hohes Druckgefälle und daraus resultierend eine hohe „Kurzschlussdurchblutung“ vor. Typische Beispiele sind Neugeborene mit einem großen Hämangiom und manifester Herzinsuffizienz oder Kinder mit einer Lungendurchblutung über sogenannte aortopulmonale Kollateralen. Einen Sonderfall stellen die Koronarfisteln dar, da hier die Drainage sowohl in den Koronarsinus als auch direkt in eine der Herzhöhlen erfolgen kann, meist in den rechten Vorhof oder rechten Ventrikel. Diese Gefäße werden mit den schon gezeigten Systemen, speziellen Micro-Spiralen oder flüssigen Embolisaten verschlossen. Bei erfolgreicher Occlusion arteriovenöser Fisteln kommt es unmittelbar zur Reduktion der Volumenbelastung des Herzens bzw. einer bestehenden „Blausucht“. Gelegentlich sind mehrere Eingriffe notwendig, um alle krankhaften Gefäßverbindungen verschließen zu können.

letzte Aktualisierung: 29.05.2012

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