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Suchterkrankungen - Hintergrund / Einleitung

Sucht kann sich ganz verschieden äußern: Als Sucht nach Drogen, Alkohol oder Medikamenten, aber auch als Sucht nach Arbeit oder Sexualität. Heute bezeichnet man die Suchterkrankungen auch als Abhängigkeitserkrankungen (z.B. Alkoholabhängigkeit). Die Abhängigkeit kann dabei körperlicher und/oder psychischer Art sein.

Wie werden Suchterkrankungen eingeteilt?

Tab. 3-1 zeigt die verschiedenen Formen der Abhängigkeiten durch Suchtstoffe, die im Kap. 4.3.2 etwas ausführlicher dargestellt werden.

  • Störungen durch Alkohol
  • Störungen durch Tabak (Nikotin)
  • Störungen durch Opiate (z.B. Heroin, Morphin)
  • Störungen durch Cannabinoide (Marihuana, Haschisch)
  • Störungen durch Beruhigungs- und Schlafmittel wie z.B. Benzodiazepine (Valium® oder Tavor®)
  • Störungen durch Kokain und andere Stimulanzien (Amphetamine, Ecstasy, Speed)
  • Störungen durch Halluzinogene (LSD, Pilze

Abhängigkeit und Missbrauch Eine Abhängigkeit von einem Suchtstoff besteht dann, wenn mindestens 3 der folgenden 6 Symptome vorliegen:

  • ein sehr starkes Verlangen nach dem Suchtstoff, dem kaum widerstanden werden kann
  • ein Kontrollverlust, d.h. eine verminderte Kontrolle bzgl. des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums (z.B. nicht aufhören können zu trinken, bis man einen starken Rausch hat)
  • Entzugssymptome beim Absetzen des Suchtstoffes (z.B. Unruhe, Zittern, Ängste)
  • Toleranzentwicklung, d.h. eine Steigerung der konsumierten Menge, um die gleichen Effekte zu erreichen
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen (z.B. Familie, Freundeskreis, Arbeit) zugunsten des Suchtstoffes
  • Fortsetzung des Konsums trotz schädlicher Folgen.

Ein schädlicher Gebrauch oder Missbrauch einer Substanz liegt vor, wenn die Abhängigkeitskriterien nicht erfüllt sind, der Konsum aber zu körperlichen oder psychischen Problemen führt. Unter psychischer Abhängigkeit versteht man das starke, unwiderstehliche Verlangen nach der Substanz, unter körperlicher Abhängigkeit einen Zustand des Körpers, in dem gegen die Substanz eine Toleranz eingetreten ist und infolgedessen diese ständig zugeführt werden muss, um das Auftreten von Entzugssymptomen zu verhindern. Das Ausmaß der psychischen und körperlichen Abhängigkeit ist bei den verschiedenen Suchtstoffen unterschiedlich stark ausgeprägt (s. Tab. 3-2).

Tab. 3-2 Ausmaß der psychischen und körperlichen Abhängigkeit bei verschiedenen Suchtstoffen

psychischen und körperlichen Abhängigkeit


Was sind Drogen?

Unter Drogen verstand man früher zunächst pflanzliche Arzneistoffe, später auch alle Arten von synthetischen Medikamenten. Heute nennt man Drogen Stoffe, die eine Wirkung auf das Gehirn haben und daher Abhängigkeit erzeugen können. Oft wird der Begriff Drogen mit illegalen Drogen gleichgesetzt (also z.B. Heroin, Kokain, Amphetamine) und von Alkohol und Tabak als „legale Drogen“ abgegrenzt.

Wie häufig sind Suchterkrankungen?

In Deutschland gehören Suchterkrankungen zu den häufigsten psychischen Störungen. Innerhalb der Suchterkrankungen dominieren dabei deutlich die Störungen durch Alkohol, die insgesamt etwa sechsmal häufiger sind als alle anderen drogenbedingten Störungen (s. Abb. 3-1).

Häufigkeit verschiedener Abhängigkeitserkrankungen

Abb. 3-1 Prozentuale Häufigkeit verschiedener Abhängigkeitserkrankungen. Alkohol 70%, Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie) 20%, Medikamente 5%, Drogen 5%.

Für Deutschland gelten etwa folgende Zahlen:

  • Ca. 7,8 Mio. Deutsche haben einen riskanten Alkoholkonsum (16%), 2,4 Mio. (4%) haben einen Alkoholmissbrauch und ca. 1,5 Mio. (3%) sind alkoholabhängig
  • 2 Mio. Menschen in Deutschland konsumieren Cannabis
  • 1,5 Mio. Deutsche sind medikamentenabhängig, davon ca. 1,2 Mio. von Beruhigungsmitteln (Benzodiazepinen)
  • 1 Mio. Deutsche konsumieren häufig Amphetamine wie z.B. Ecstasy, letzteres mit steigender Tendenz – Ungefähr 150.000 Menschen in Deutschland konsumieren Heroin.

Wie entstehen Suchterkrankungen?

Beim Entstehen von Abhängigkeit spielen verschiedene Faktoren zusammen. Zu diesen Faktoren gehören:

  • Genetische Faktoren (Erbfaktoren): Wenn die Eltern oder andere Verwandte abhängig sind, erhöht sich auch das Risiko, selbst abhängig zu werden, auch wenn man nicht in deren unmittelbarer Umgebung aufwächst
  • Verhaltens- und Lernfaktoren: Wer in einem Umfeld mit abhängigen Personen aufwächst oder lebt, hat ein erhöhtes Risiko, selbst abhängig zu werden
  • Soziale Faktoren: Der gesellschaftliche Zwang (z.B. mittrinken oder mitrauchen) kann Abhängigkeitsentwicklungen fördern
  • Gleichzeitiges Bestehen anderer psychischer Erkrankungen (v.a. Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen): Wer an einer anderen psychischen oder körperlichen Erkrankung leidet, hat ein erhöhtes Risiko suchtkrank zu werden, insbesondere wenn zu Beginn der Suchstoff zur Linderung von Symptomen (z.B. Angstzuständen) eingesetzt wird.

Hier wird deutlich, dass die Entwicklung von Abhängigkeitserkrankungen nicht einfach eine Schwäche oder ein Versagen der betroffenen Person ist, sondern die Folge einer langen Entwicklung, aus der der Patient nur mit professioneller Hilfe herausfinden kann. Sucht ist eine Krankheit!

letzte Aktualisierung: 14.05.2012

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