von Paul L. Janssen
Als Störungen der sexuellen Präferenz werden Störungen des sexuellen Verhaltens bezeichnet, die sich primär und bevorzugt sich nicht auf den Orgasmus im heterosexuellen oder homosexuellen Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen beziehen, sondern auf andere sexuelle und nicht-sexuelle Befriedigungen. Sie werden bezeichnet (in der ICD-10) als sexuelle Präferenzstörung, in DSM IV/TR als Paraphilien, in der Soziologie, Kriminologie als sexuelle Deviation (Abweichung) und in der Psychoanalyse als Perversion.
Harmlose, auf die Phantasie beschränkte oder konsensuelle (gleichsinnige) zwischen Erwachsenen praktizierte Formen finden sich bei beiden Geschlechtern. Strafrechtlich relevante sexuelle Deviation, z.B. pädosexuelle und exhibitionistische Handlungen werden fast ausschließlich von Männern getätigt.
Die Störungen der sexuellen Präferenz nach ICD-10 sind:
F65.0
Fetischismus
F65.1
fetischistischer Transvestitismus
F65.2
Exhibitionismus
F65.3
Voyeurismus
F65.4
Pädophilie
F65.5
Sadomasochismus
F65.6
multiple Störungen der Sexualpräferenz
F65.8
andere Störungen der Sexualpräferenz
F65.9
nicht näher bezeichnete Störungen der Sexualpräferenz
Die sexuellen Präferenzstörungen verlangen in der Regel ein spezielles Therapieprogramm, das folgendes Ziel hat: Fremdschädigendes Verhalten, mit dem der Patient gleichzeitig auch seine eigene Situation riskiert, unter Kontrolle zu bringen. Entsprechend dem Schlagwort der Straftäterbehandlung ist Kontrolle besser als Behandlung. Langfristig ist darüber hinaus die Bearbeitung der dem symptomatischen Verhalten zugrunde liegenden Persönlichkeitsproblematik anzustreben. Als Therapieprogramme kommen kognitiv-behaviorale Therapieprogramme und tiefenpsychologisch- analytisch orientierte Psychotherapien in Frage.
Als Störungen der Geschlechtsidentität im engeren Sinne bezeichnet man folgende Störungen:
Diese Störungen der Geschlechtsidentität bezeichnet man als Transsexualismus mit verschiedenen Unterformen.
In der ICD-10 ist die Störung folgendermaßen klassifiziert:
F64.0
Transsexualismus
F64.1
Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen
F64.2
Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter
F65.8
andere Störungen der Geschlechtsidentität
F65.9
nicht näher bezeichnete Störungen der Geschlechtsidentität
Die Ätiologie dieser Erkrankungen ist bisher weitgehend unklar. Psychosoziale und soziokulturelle Einflüsse, fehlgelaufene Identifizierungsprozese und Störungen der frühkindlichen sexuellen Entwicklung scheinen mitverursachend zu sein.
Diese Patienten kommen nur sehr selten in eine Psychotherapie, da ihre Motivation niedrig ist. Sie begehren in der Regel eine geschlechtsumwandelnde Operation. Hierzu sind von der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung Regelungen erarbeitet worden.
Bei einer Psychotherapie kommen psychodynamische wie kognitiv-behaviorale Psychotherapien in Frage. Eine stationäre Psychotherapie ist nur selten indiziert.
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