von Paul L. Janssen
Somatopsychische Störungen, das sind Krankheitsverarbeitungsstörungen, z.B. bei Krebserkrankungen, Transplantationen, Dialyse sowie bei chronischen somatischen Erkrankungen. Chronische Krankheiten meint eine Vielzahl von Erkrankungen, z.B. vaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Hauterkrankungen, rheumatische Erkrankungen usw. Die psychischen Störungen werden in der Regel verschlüsselt nach F-Diagnosen plus einer somatischen Diagnose. Die F-Diagnosen sind z.B. F 33, F 34, F 40, F 41, F 42.
Chronische Erkrankungen stellen den Betroffenen vor vielfältige psychische und soziale Herausforderungen:
Die Bewältigungsanforderungen sind in Abbildung 5-1 wiedergegeben
Abb. 5-1 (Schüßler „Krankheitsverarbeitung bei chronischen Erkrankungen“ In: Janssen, Joraschky, Tress. Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Dt. Ärzteverlag 2005)
Die innerpsychischen Folgen einer chronischen Erkrankung können sein:
Bei einem Teil der Patienten tritt neben den Einschränkungen durch die körperlichen Erkrankungen ein Trauerprozess auf. Bei einem weiteren Teil der Patienten auch seelische Störungen, insbesondere depressive Störungen und Angststörungen (Anpassungsstörungen, reaktive Depression). Die verschiedenen Depressionsformen und therapeutischen Ansätze sind in Abb. 5-3 beschrieben.
Differentialdiagnose und –therapie depressiver Störungen bei körperlich Kranken
Als Therapie kommt eine Unterstützung der Krankheitsverarbeitung in Frage, z.B. durch:
Als Beispiel für eine Störung sei die Verarbeitung bei Krebserkrankungen aufgeführt.
Beispiel Krankheitsverarbeitung bei Krebserkrankung
An Krebs zu erkranken, bedeutet für die Betroffenen und Angehörigen zumeist eine existentielle Lebenskrise. Das subjektive Krankheitserleben ist geprägt von
Durch die erzielten Behandlungserfolge bei Krebs ist jedoch inzwischen die Krankheitsbewältigung der Betroffenen und ihrer Angehörigen, d.h. die subjektive Realitätsanpassung und die aktive Auseinandersetzung damit sowie die Kooperation mit professionellen Helfern besonders gefordert.
Bei malignen Krebserkrankungen finden sich in fast 50% der Fälle zusätzlich psychosomatische Erkrankungen. Sie äußern sich in Krisenreaktionen, Depressionen, Anpassungsstörungen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen. Eine "Krebspersönlichkeit" konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. Die vorgenannten Persönlichkeitsfaktoren sind für die Krankheitsbewältigung, die Bereitschaft zur Mitarbeit sowie die Sekundärprävention relevant. Für die psychotherapeutische Behandlung gelten dieselben Leitlinien wie für die bevorstehend angegebenen chronischen Erkrankungen.
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