akutklinik bad saulgau neu

medführer Startseite » Psychische Erkrankungen » Krankheiten » Schizophrenie » Symptome / Diagnose

Schizophrenie - Symptome / Diagnose

Welche Symptome treten bei Schizophrenie auf?

Bei Schizophrenie kann eine Vielzahl von Symptomen auftreten. Die charakteristischsten Schizophrenie-Symptome sind:

Wahn
Unter einem Wahn versteht man eine krankhaft falsche Überzeugung über die Realität, die sich nicht korrigieren lässt. Beispiele sind Verfolgungs-, Vergiftungs- oder Beeinträchtigungswahn, aber auch Größenwahn. Die Wahnthemen sind oft bizarr, z.B. der Wahn, das Wetter kontrollieren zu können oder mit Außerirdischen in Verbindung zu stehen.

Denkzerfahrenheit
Hier sind die Äußerungen des Schizophrenie-Patienten in ihrem Sinnzusammenhang nicht mehr zu verstehen. Dabei können die Äußerungen zusammenhanglos sein bis hin zum völligen Wortsalat.

Halluzinationen
Darunter versteht man Wahrnehmungen ohne Sinnesreiz. Typisch für Schizophrenie sind das Hören von Stimmen, wobei folgende Formen vorkommen können: dialogische Stimmen (Stimmen in Form von Rede und Gegenrede), kommentierende Stimmen (welche die eigenen Handlungen mit Bemerkungen begleiten), befehlende Stimmen (die also den Betroffenen Befehle geben, dies oder jenes zu tun) sowie das Gedankenlautwerden (die Patienten hören dann ihre Gedanken laut im Kopf).

Ich-Störungen
Darunter versteht man das Erleben des Schizophrenie-Patienten, ihm würden seine eigenen Gedanken entzogen (Gedankenentzug) oder sie würden sich ausbreiten, so dass andere sie auch hören können (Gedankenausbreitung) oder andere Gedanken würden ihm eingegeben (Gedankeneingebung). Häufig erleben schizophrene Patienten ihre Handlungen als von außen gemacht oder gelenkt, dann spricht man von dem Gefühl der Willensbeeinflussung oder Fremdsteuerung.

Störungen der Gefühle
Typisch ist die sogenannte Affektverflachung, die sich in Auffälligkeiten wie Gefühlsleere und -abstumpfung, Gleichgültigkeit sowie verminderter emotionaler Ansprechbarkeit zeigt.

Unterformen der Schizophrenie und ihre Häufigkeit

Abb.: Unterformen der Schizophrenie und ihre Häufigkeit. Paranoide Schizophrenie 40%, katatone Schizophrenie 15%, hebephrene Schizophrenie 15%, vorübergehende akute psychotische Störungen 10%, schizoaffektive Psychosen 5%, zönästhetische Psychosen 5% und blande Psychosen 10%.

Frühwarnzeichen für Schizophrenie


Wichtig ist, dass sich psychotische Krankheitsphasen durch Frühwarnzeichen ankündigen können, die oft Tage bis Wochen vor Ausbruch der eigentlichen schizophrenen Symptomatik bestehen. Diese zu erkennen ist wichtig, um schnell mit einer entsprechenden Therapie beginnen zu können. Zu solchen Frühwarnzeichen für Schizophrenie gehören:
  • Ruhelosigkeit
  • Nervosität und Gespanntheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Schwierigkeiten bei der Arbeit, Überforderungsgefühle
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • sozialer Rückzug.

Wie ist die Prognose bei Schizophrenie?

Zu Beginn der Erkrankung ist eine verlässliche Einschätzung des weiteren Verlaufs (Prognose) im Einzelfall nicht möglich. Statistisch gesehen lässt sich sagen, dass ca. 60 -80 % der an einer Schizophrenie Erkrankten innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Klinikaufnahme einen Rückfall erleiden. Insgesamt hat sich nach Einführung der medikamentösen Behandlung mit Antipsychotika (Neuroleptika; s. Kap. Therapie) die Prognose der Schizophrenien wesentlich verbessert. Heilungen sowie leichte Restsymptome sind häufiger geworden als früher. Man weiß heute, dass durch die Neuroleptikatherapie die Rückfallrate gegenüber keiner Behandlung um mindestens 50 % reduziert werden kann!

Die Sterblichkeit ist gegenüber der Gesamtbevölkerung durch die Suizidrate von 10–15 % deutlich erhöht. Etwa 50 % aller Schizophrenie-Patienten unternehmen mindestens einmal in ihrem Leben einen Suizidversuch. Risikofaktoren sind v.a. depressive Symptomatik, junges Alter und hoher Sozialstand vor Krankheitsbeginn (z.B. Student). Folgende Faktoren sprechen für einen eher günstigen Verlauf der Schizophrenie: Weiblich, verheiratet, gute Anpassung im Arbeits- und Freizeitbereich, akuter Krankheitsbeginn und Stress-Situationen vor Krankheitsausbruch, seltene und kurze Krankheitsphasen, frühzeitige medikamentöse Behandlung und gutes Ansprechen darauf.

Wie stellt man die Diagnose einer Schizophrenie?

Die Diagnose einer Schizophrenie gründet sich bis heute noch allein auf die Erfassung der charakteristischen psychischen Symptome, die Verlaufsbeobachtung der Erkrankung und den Ausschluss einer organischen Ursache der Schizophrenie-Symptomatik (z.B. Drogeneinnahme oder eine körperliche Erkrankung, die ein gleichartiges Bild hervorrufen könnte). Bisher gibt es keinen messbaren Parameter (also z.B. keinen Laborwert oder keinen Befund in der Computer-Tomografie des Gehirns), der typisch und damit hilfreich wäre, die Diagnose einer Schizophrenie zu stellen.

Nach der ICD-10 kann die Diagnose einer Schizophrenie dann gestellt werden, wenn die unten aufgeführten Kriterien erfüllt sind und eine organische Hirnerkrankung oder Intoxikation z.B. mit Drogen ausgeschlossen wurde.

Die Diagnose einer Schizophrenie kann gestellt werden, wenn mindestens ein eindeutiges Symptom der Gruppe 1 - 4 oder mindestens zwei Symptome der Gruppe 5 - 9 für einen Zeitraum von mindestens einem Monat bestanden haben.

  1. Ich-Störungen (Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung)
  2. Inhaltliche Denkstörungen in Form von Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, Wahnwahrnehmungen
  3. Akustische Halluzinationen in Form kommentierender, dialogischer oder anderer Stimmen, die aus einem Teil des Körpers kommen
  4. Anhaltender, kulturell unangemessener oder völlig unrealistischer (bizarrer) Wahn (z.B. das Wetter kontrollieren zu können oder im Kontakt mit Außerirdischen zu stehen)
  5. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität
  6. Formale Denkstörungen in Form von Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Wortneubildungen (Neologismen) führt
  7. Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder Verharren in passiv gegebenen Körperstellungen (Flexibilitas cerea), Negativismus, Mutismus und Stupor
  8. „Negative“ Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachter oder inadäquater Affekt, zumeist mit sozialem Rückzug und verminderter sozialer Leistungsfähigkeit
  9. Sehr eindeutige und durchgängige Veränderungen bestimmter umfassender Aspekte des Verhaltens, die sich in Ziellosigkeit, Trägheit, einer „in sich selbst verlorenen Haltung“ und sozialem Rückzug manifestiert.
letzte Aktualisierung: 15.05.2012

Artikelinformationen zu Schizophrenie
Autor
Autor

Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Zur Webseite
Als Autor anmelden

Spezialisten finden

Hier finden Sie Ihren Psychiater und Psychotherapeuten

Ärzte fragen

Sie suchen einen Spezialisten?
medführer hilft Ihnen weiter.
Senden Sie Ihre Anfrage an unsere Ärzte in Kliniken und Praxen.

zum Anfrageformular

Anzeigen Service