
Wie häufig sind Schizophrenien?
Die Schizophrenien kommen in allen bisher untersuchten Ländern und Kulturen etwa gleich häufig vor. Sie zählen neben den Depressionen und den Alkoholerkrankungen zu den drei weltweit am häufigsten zu erheblichen Beeinträchtigungen führenden Erkrankungen. Auch unter optimaler Therapie sind ca. 10% der Erkrankten dauerhaft behindert und mehr als 80% krankheitsbedingt nicht oder nicht vollzeitig beschäftigt und auf öffentliche Unterstützung angewiesen. Die Mortalität ist im Vergleich zur gesunden Bevölkerung auf ca. 10% erhöht, was insbesondere auf die erhöhte Selbsttötungsrate dieser Patienten zurückzuführen ist.
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb des gesamten Lebens an einer Schizophrenie zu erkranken beträgt ca. 1%, d.h. einer von 100 Menschen entwickelt im Laufe seines Lebens eine Schizophrenie. Betrachtet man, wieviel Menschen gegenwärtig an einer Schizophrenie leiden, sind das 0,3%, d.h. einer von ca. 300 Menschen leidet an einer Schizophrenie. Das sind bei 80 Mio. Bundesbürgern also ca. 240.000 Menschen in Deutschland.
Männer und Frauen erkranken gleich häufig, aber Männer erkranken im Durchschnitt früher als Frauen und haben meist einen schwereren Krankheitsverlauf.
Oft treten Schizophrenien gemeinsam mit anderen psychischen Störungen auf, häufig mit Suchterkrankungen (v.a. Alkohol und Cannabis), aber auch körperliche Erkrankungen treten bei schizophren Erkrankten relativ häufig auf.
Welche Ursachen von Schizophrenien gibt es?
Die Ursache der Schizophrenien ist bis heute weitgehend ungeklärt. Man geht davon aus, dass viele verschiedene Krankheitsfaktoren zu Schizophrenien führen können, wobei wahrscheinlich zu je 50% genetische und nicht-genetische Faktoren zur Krankheitsentstehung beitragen.
Man kann sich das Zusammenwirken von genetischen, also anlagebedingten und Umweltfaktoren folgendermaßen vorstellen: Durch genetische/ entwicklungsbiologische Faktoren kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die schon lange vor Ausbruch der Erkrankung bestehen. Diese stellen eine „Verletzbarkeit“, eine „Vulnerabilität“ für die Entstehung einer Schizophrenie dar, reichen für die Auslösung der Erkrankung aber nicht aus. Zusätzlich müssen noch Umweltfaktoren („Stress“) wirksam werden, die eine Belastung auf das Gehirn ausüben. Infolgedessen kommt es zum Ausbruch der Erkrankung, da die Möglichkeiten des schon vorgeschädigten Gehirns nicht mehr ausreichen, um die Erkrankung zu verhindern. Dieses Konzept hat man auch als Vulnerabilitäts- Stress-Modell bezeichnet.
Zu den Faktoren, die bei der Entstehung von Schizophrenien als wichtig angesehen werden, gehören z.B.:
Welche Formen der Schizophrenien gibt es?
Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Art und Häufigkeit der verschiedenen Subtypen der Schizophrenien sowie anderer psychotischer Störungen (Abb. 4-1).
Die 3 wichtigsten Formen der Schizophrenien sind:
Fallbeispiel
Ein 25-jähriger junger Mann kommt in Begleitung der Mutter und eines Freundes zur stationären Aufnahme. Der Patient hatte nach erfolgreich bestandenem Abitur eine Lehre zum Bankkaufmann begonnen, diese dann abgebrochen, anschließend ein Sozialpädagogikstudium angefangen, wobei er bisher keine ausreichenden Studienleistungen erbringen konnte. Ca. acht Wochen vor der Klinikvorstellung habe er erstmals das Gefühl gehabt, dass die Mitstudenten sich über ihn lustig machten. Jedes Mal, wenn er zu einer Gruppe von Studenten dazugekommen sei, hätten sie aufgelacht oder schnell das Thema gewechselt. Auch habe er bemerkt, dass sie über ihn sprachen und ihn mit verstärkter Aufmerksamkeit betrachteten. Einige Wochen später habe er erstmals geheime Botschaften von Kommilitonen erhalten, die ihm zeigten, dass er in Gefahr sei, dass eine Verschwörung gegen ihn im Gange sei, dass man ihm nach dem Leben trachtete. Er habe sich daraufhin immer mehr in sein Zimmer zurückgezogen und sich aus Angst kaum noch auf die Straße getraut. Damals habe er auch erstmals Stimmen gehört, die ihn beschimpften und jede seiner Handlungen mit Kommentaren begleiteten. Er habe geglaubt, in seinem Zimmer seien Wanzen und Kameras versteckt, womit er kontrolliert und sein Handeln gesteuert werde. Wenn er ferngesehen habe, seien bald viele seiner Tätigkeiten vom Ansager kommentiert worden. Dies habe sich so gesteigert, dass er nicht mehr in der Lage gewesen sei das Zimmer zu verlassen. Da er zu einem verabredeten Termin mit seinem Freund nicht erschienen war, suchte dieser ihn auf und brachte ihn in die Klinik.
Die Behandlung erfolgte wegen Suizidalität und der schweren Realitätsstörung auf einer geschützten Station. Der Patient erhielt nach Ausschluss einer körperlichen Ursache der Erkrankung ein Neuroleptikum zur Behandlung der psychotischen Symptome (akustische Halluzinationen, Wahn, Ich-Störungen) und Benzodiazepine zur Behandlung von Angst und Unruhe. Nach fünf Wochen war die psychotische Symptomatik verschwunden und der Patient wurde auf eine offene Station zur weiteren Rehabilitation verlegt. Diagnose: Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie.
Wie verlaufen Schizophrenien?
Entgegen einer früher weit verbreiteten Meinung ist die Schizophrenie keine prinzipiell unheilbare Erkrankung!
Der Verlauf schizophrener Erkrankungen kann sehr unterschiedlich sein. In der Regel überlegeverlaufen sie in wiederholten Krankheitsphasen. Als Anhaltspunkt kann folgende Drittelregel des Langzeitverlaufs schizophrener Störungen gelten:
– ca. 1/3 verläuft zu Zuständen mit schweren Restsymptomen oder chronischen Schizophrenien. Bezüglich des Krankheitsverlaufs unterscheidet man drei Phasen: Die Prodromalphase (Phase vor dem akuten Erkrankungsausbruch), die aktive Krankheitsphase und die Residualphase (Phase mit Restsymptomen nach Abklingen der akuten Symptome).
– Prodromalphase: Vor Ausbruch der akuten schizophrenen Erkrankung beobachtet man häufig eine Prodromalphase, die für einige Monaten bis viele Jahre bestehen kann. In dieser Phase sind die Patienten oft besonders empfindsam, reizbar und weniger leistungsfähig. Sie verlieren ihr Interesse an dem, für das sie sich früher noch begeistern konnten und ziehen sich immer mehr zurück. Häufig ist ein „Knick in der Lebenslinie“ zu beobachten, der durch Leistungsabfall, Verlust von bisherigen Interessen und ungewöhnliches Verhalten charakterisiert ist.
Gerade weil die Symptome der Prodromalphase meist untypisch sind, werden sie häufig nicht erkannt! Wenn die Betroffenen noch jung sind, kann es sehr schwierig sein, Prodromalsymptome einer Schizophrenie von „unbequemen Aspekten der Entwicklung zum Erwachsenwerden“ oder Reifungskrisen zu unterscheiden.
- Aktive Krankheitsphase: In dieser Phase treten akut die o.g. Symptome wie Wahn, Halluzinationen oder Ich-Störungen auf.
– Residualphase: In dieser Phase stehen wieder uncharakteristische Symptome wie in der Prodromalphase im Vordergrund. Dazu gehören Antriebsstörungen, Affektverflachung, Interessenlosigkeit usw.
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