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Medikamentenabhängigkeit - Hintergrund / Einleitung

Medikamentenabhängigkeit

Zu den Medikamenten, die am häufigsten abhängig machen, gehören die Benzodiazepine (z.B. Valium®, Tavor®, Tafil®), die als Beruhigungsmittel eingesetzt werden sowie verschiedene Schmerzmittel (z.B. Thomapyrin ®, Spalt®, Vivimed®). Diese Medikamente werden häufig zunächst vom Arzt zur Behandlung z.B. von Angstsymptomen, Schlafstörungen oder Schmerzen verabreicht und führen dann später erst zu einer Medikamentenabhängigkeit. D.h. die Patienten kommen von den Medikamenten im weiteren Verlauf nicht mehr los, weil sie entweder die Tablettenzahl immer mehr erhöhen müssen, um den erwünschten Effekt zu erreichen, oder beim Absetzen Entzugssymptome auftreten bzw. sich z.B. Angstsymptome oder Schlafstörungen wieder verschlechtern. Daher ist es immer wichtig, diese Medikamente nur zeitlich begrenzt einzunehmen (max. 6 Wochen). Auch sollten zur Behandlung von Ängsten, Schlafstörungen, Depressionen möglichst andere Medikamente eingesetzt werden, die nicht abhängig machen (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika, pflanzliche Stoffe).

Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen

In Deutschland schätzt man, dass ca. 1,2 Mio. Menschen von Benzodiazepinen abhängig ist. Wenn eine Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen besteht, kann es bei Absetzen zu psychischen und körperlichen Entzugssymptomen kommen, die von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

  • Psychische Entzugssymptome: Angstzustände, Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und depressive Verstimmung. Bei schweren Entzugssymptomen kann es auch zu einem Delir (s. Kap. 4.2) mit Verwirrtheit und psychotischem Erleben (z.B. Wahnerleben und Halluzinationen) kommen.
  • Körperliche Symptome: Blutdruck- und Pulserhöhung, Zittern und Schweißausbrüche, Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Bei schweren Entzugssyndromen können auch epileptische Anfälle auftreten.

Daher ist es wichtig, Benzodiazepine immer in enger Absprache mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie schrittweise, d.h. langsam über Wochen abzusetzen, um Entzugssymptome zu verhindern oder zumindest erträglicher zu machen. Oft ist zur Behandlung der Medikamentenabhängigkeit von Benzodiazepinen eine stationäre Behandlung notwendig.

letzte Aktualisierung: 14.05.2012

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Univ.-Prof. Dr. med. Klaus Lieb

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