You need to upgrade your Flash Player and/or activate Javascript
Akutklinik Bad Saulgau animiert mit Telefonnummer
medfuehrer - medizinische Transparenz Login
  • Home 
  • Kontakt 
  • Sitemap

Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik

- Psycho-Fachärzte- und Fachkliniken
- Fachredaktion zu Psychischen und
- Psychosomatische Erkrankungen

medführer Startseite » Ratgeber Gesundheit » Psychische Erkrankungen » Krankheiten » Entwicklungsstörungen » Hintergrund / Einleitung

Entwicklungsstörungen - Hintergrund / Einleitung

Gitta Jacob

Den Entwicklungsstörungen ist gemein, dass sie in der frühen Kindheit oder Kindheit beginnen und eine Einschränkung oder Verzögerung in der Reifung von Funktionen zu beobachten ist, die eng mit der Reifung des Gehirns zusammenhängt. Entwicklungsstörungen nehmen einen kontinuierlichen Verlauf, d.h. sie verlaufen nicht in wechselhaften Phasen wie viele andere psychische Störungen. Einer Entwicklungsstörung geht üblicherweise keine Periode normaler Reifung der betroffenen Funktion voraus, sondern die Entwicklung der jeweiligen Funktion ist praktisch von Anfang an gestört.

Störungen der Sprache und des Sprechens

Davon wird gesprochen, wenn die normalen Muster der Sprachentwicklung von früh an gestört sind, ohne dass dies auf neurologische Störungen, auf Umweltfaktoren (wie z.B. Umzug in einen anderen Sprachraum), auf sensorische Beeinträchtigungen (Hörschwäche) oder auf zu geringe Intelligenz zurückgeführt werden kann. Dabei ist zu beachten, dass sich unterschiedliche Kinder natürlich nicht gleich entwickeln und viele Kinder zumindest phasenweise ein eher langsames Entwicklungstempo haben, ohne dass dies gleich als Störung zu betrachten ist. Eine Störung liegt erst dann vor, wenn die Entwicklung der betreffenden Funktion über einen längeren Zeitraum extrem langsam vonstatten geht oder wenn gleichzeitig damit zusammenhängende Funktionen gestört sind. Damit ist gemeint, dass mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Sprachstörung vorliegt, wenn zeitgleich oder in zeitlicher Folge beispielsweise ausgeprägte Lese- oder Schreibprobleme auftreten. Allerdings wird nicht von einer Sprachstörung gesprochen, wenn sich alle Funktionen schlechter entwickeln, da dies eher auf eine generelle Intelligenzminderung (s. Kap. 4.9) hinweist. Eine spezifische Störung der Sprachentwicklung ist die sog. Artikulationsstörung. Hier fehlen einzelne Laute oder Lautverbindungen entweder völlig, sie werden fehlerhaft oder verdreht eingesetzt oder durch andere Laute ersetzt. Artikulationsstörungen sind die häufigsten Sprachentwicklungsstörungen und treten bei ca. 7% der 5-jährigen Jungen und 2% der 5-jährigen Mädchen auf.

Bei der expressiven Sprachstörung kann das Kind sich nicht altersgemäß ausdrücken, also bspw. keine altersangemessenen Sätze sprechen, das Sprachverständnis gegenüber anderen ist jedoch normal. Wenn das Sprachverständnis gestört ist, wird von einer rezeptiven Sprachstörung gesprochen.

Beim Stottern liegt eine Störung des Sprechablaufes vor, entweder durch eine Hemmung oder Unterbrechung des Sprechflusses, wobei Laute oder Silben häufig wiederholt oder gedehnt werden. Stottern tritt bei 5% der 5-jährigen Jungen und 2% der 5- jährigen Mädchen auf. Auch das Poltern ist eine Störung der Sprechflüssigkeit, es zeigt sich durch extrem unrhythmischen und unregelmäßigen Sprechfluss bei teilweise sehr schneller Sprechgeschwindigkeit.

Umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten

Zu diesen Störungen zählen die Lese-Rechtschreibstörung („Legasthenie“) sowie die Rechenstörung („Dyskalkulie“). Beide Störungen kommen als Teilleistungsstörungen vor, d.h. die restlichen Fertigkeiten sind altersgemäß entwickelt. Ca. 10% aller Kinder sind von Teilleistungsstörungen betroffen, Jungen deutlich mehr als Mädchen. Für die Lese-Rechtschreibstörung finden sich Erkrankungsraten zwischen 4 und 7%, für die Rechenstörung bis zu 6%. Bei diesen Störungen liegen die schulischen Beurteilungen der jeweils gestörten Funktionen im untersten Bereich. Häufig bestehen zusätzliche Probleme wie Unaufmerksamkeit oder Hyperaktivität und die Störung geht nicht ohne weiteres zurück, wenn das Kind mehr Unterstützung angeboten bekommt.

In der Folge von umschriebenen Teilleistungsstörungen kann es durch das Erleben von Versagen, Spott und schlechten Leistungen zu emotionalen Problemen wie Ängsten, Störungen im Sozialverhalten, psychosomatischen Symptomen oder Schulverweigerung kommen.

Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie)

Fallbeispiel Legasthenie

Der 9-jährige Joachim wird vom Kinderarzt in die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz überwiesen. Er sei bis zum Schulbeginn ein heiterer und altersgemäß entwickelter Junge gewesen. Von Beginn der ersten Klasse habe er große Schwierigkeiten mit dem Erwerb des Lesens und Schreibens gehabt, obwohl sowohl die Lehrerin als auch die Mutter ihn sehr unterstützt hätten. Dabei fällt auf, dass Joachim dieselben Wörter auf derselben Seite sehr unterschiedlich schreibt und sogar Schwierigkeiten hat, ein Wort vom anderen abzuschreiben. In allen übrigen Fächern zeigt er dagegen sehr gute Leistungen und arbeitet aktiv mit. Nachdem sich die Lese- und Schreibprobleme schon über zweieinhalb Jahre hinziehen, hat Joachim immer weniger Freude an der Schule, er schläft häufig schlecht, morgens klagt er oft über Bauchschmerzen, dadurch kann er öfters nicht in die Schule gehen.

Die Legasthenie zeigt sich im Auslassen, Verdrehen, Ersetzen oder Hinzufügen von Buchstaben oder Worten beim Schreiben und Lesen, einer niedrigen Lesegeschwindigkeit mit ausgeprägten Startschwierigkeiten und häufigem Zögern sowie dem Vertauschen von Buchstaben im Wort oder Worten im Satz. Auch das Leseverständnis ist gestört, so können die betroffenen Kinder z.B. Gelesenes nicht in eigenen Worten wiedergeben oder eigene Schlüsse aus dem Gelesenen ziehen. Der Legasthenie geht häufig eine Sprachentwicklungsverzögerung voraus. Im Erwachsenenalter können v.a. Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung bestehen bleiben, die Lesefertigkeit normalisiert sich üblicherweise. Statt einer Lese-Rechtschreibstörung ist in manchen Fällen eine reine Rechtschreibstörung zu beobachten, während das Lesevermögen und -verständnis unbeeinträchtigt sind.

Therapeutisch stehen neben der Informationsvermittlung an Eltern und Kind Übungsbehandlungen der gestörten Funktionen im Vordergrund. Daneben können in Abhängigkeit von der Rechtslage des jeweiligen Bundeslandes evtl. schulrechtliche Möglichkeiten wie Legasthenie-Boni oder zusätzlicher Förderunterricht genutzt werden.

Rechenstörung (Dyskalkulie)

Bei der Rechenstörung werden grundlegende Rechenfertigkeiten wie die vier Grundrechenarten deutlich unterhalb der Altersnorm beherrscht. Dabei können verschiedene Fehler auftreten. Z.B. werden die Konzepte der Rechenarten nicht verstanden, die mathematischen Ausdrücke und Zeichen werden nicht verstanden oder nicht wiedererkannt, das Einmaleins nicht erinnert oder der Zahlenaufbau und die richtige Zahlenreihenfolge nicht verstanden. Möglicherweise ist bei den betroffenen Kindern die räumliche Vorstellungskraft unterdurchschnittlich gut ausgeprägt.

Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen

Bei dieser Störung sind die Kinder motorisch (in ihren Bewegungen) ungeschickt und haben bspw. Schwierigkeiten, sich selbst anzukleiden, Schuhe zu binden, mit Schere und Kleber zu arbeiten, zu zeichnen oder zu malen. Kompliziertere Bewegungsabläufe wie Fahrradfahren oder Schwimmen werden sehr verzögert gelernt. Die betroffenen Kinder kommen durch Defizite in Schule, Sport und Freizeitbereich leicht in eine Außenseiterposition. Für die Diagnosestellung ist die Abklärung wichtig, dass die Störungen nicht durch eine Sehbehinderung erklärt werden können. Betroffen sind ca. 1,4% aller Schüler, Jungen doppelt so häufig wie Mädchen. Therapeutisch sind Übungstherapien und ein Training der Körperwahrnehmung angezeigt.

Autismus

Der Autismus zählt wie das Rett-Syndrom zu den sogenannten tief greifenden Entwicklungsstörungen, die durch schwere Beeinträchtigungen von sozialen Interaktionen und der Kommunikation sowie stereotype und wenig variierende Interessen oder Bewegungen charakterisiert sind.

Beim frühkindlichen Autismus, der vor dem 3. Lebensjahr beginnt, sind die sozialen Interaktionen schwer gestört. Die Kinder können soziale Signale schlecht einschätzen und zeigen wenig Reaktion auf den jeweiligen sozialen Kontext, es fehlt eine soziale oder emotionale Gegenseitigkeit, auch soziales Spiel tritt kaum auf. Die Sprachentwicklung ist häufig ebenfalls gestört, auf jeden Fall wird die vorhandene Sprache kaum sozial eingesetzt und wenig flexibel gebraucht. Zusätzlich zeigen die Kinder starre, stark eingeschränkte und häufig sich wiederholende Verhaltensmuster (Stereotypien), z.B. das häufige Berühren oder Beriechen von Dingen oder eine ritualhafte Beschäftigung mit Fahrplänen oder Daten. Neben diesen Merkmalen haben autistische Kinder häufig diverse Verhaltensauffälligkeiten wie Ängste, Selbstverletzungen (z.B. Kopf an die Wand schlagen oder sich in die Hand beißen), Schlaf- und Essstörungen.

Eine leichtere Verlaufsform ist das Asperger- Syndrom. Auch hier zeigen die Kinder eine beeinträchtigte Kommunikation, stereotype Verhaltensweisen und einen eigenwilligen Gebrauch der Sprache, die intellektuelle Leistungsfähigkeit und Entwicklung der sprachlichen Fertigkeiten ist dagegen nicht beeinträchtigt.

Bis zu 0,1% aller Kinder sind Autisten, wobei Jungen zwei- bis dreimal so häufig betroffen sind wie Mädchen.

Rett-Syndrom

Beim Rett-Syndrom, das nur Mädchen betrifft und zwischen dem 7. und 24. Lebensmonat beginnt, kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust bereits erworbener motorischer und sprachlicher Fertigkeiten. Typisch sind stereotype windende Handbewegungen. Im Verlauf kommt es u.a. auch zu körperlichen Fehlentwicklungen und Symptomen mit verlangsamten Kopfwachstum, epileptischen Anfällen. Insgesamt ist der Verlauf schlecht und kann nicht entscheidend positiv beeinflusst werden.

letzte Aktualisierung: 25.01.2010
Als Autor anmelden

Spezialisten finden

Hier finden Sie Ihren Psychiater und Psychotherapeuten


Fach-Redaktion Schnellsuche

Krankheit, Fachbereich (Herz, Brustkrebs, Orthopädie usw.) eingeben und Schnellsuche starten


Arzt- und Klinik-Schnellsuche

Suchbegriff z.B. Fachbereich, Stadt und/oder Arztname eingeben - und die Suche starten.



Fachportalauswahl

Umfangreiche medizinische Informationen über Krankheiten, Behandlungen und Vorsorge-untersuchungen... Wählen Sie...

Anzeigen Service

Pfizer Neuroscience