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Bipolare Störung - Hintergrund / Einleitung

Bipolare Störung


Bei der bipolaren Störung – früher auch manisch-depressive Erkrankung oder Zyklothymie genannt – handelt es sich um eine sogenannte affektive Störung, die durch sich abwechselnde depressive und manische Phasen, aber auch gesunde Episoden, gekennzeichnet ist. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig an der bipolaren Störung, wobei der Ersterkrankungsgipfel im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt liegt. Behandelt wird die bipolare Störung sowohl mit Medikamenten wie Stimmungsstabilisatoren und Antidepressiva, als auch mit Psychotherapie und Soziotherapie.

Definition: Bipolare Störung


Die bipolare Störung wurde früher manisch-depressive Erkrankung oder Zyklothymie genannt und wird zu den sogenannten Affektiven Psychosen (oder nach ICD-10: affektiven Störungen) gezählt. Es handelt sich bei der bipolaren Störung um eine individuelle Abfolge von depressiven, manischen aber auch gesunden (euthymen) Episoden. Gesunde Zeiten nennt man auch Intervall, weil bei 80 bis 90 Prozent der Patienten irgendwann bezogen auf die Lebensspanne erneute krankhafte Phasen auftreten können.

Bis zum Auftreten der ersten Manie wird eine bipolare Störung oft als reine Depression verkannt. Den Wechsel von der Depression in die Manie nennt man Switch. Es gibt bei der bipolaren Störung gutartige Verläufe mit nur 1 bis 2 Episoden im Leben, aber auch welche mit 10 und mehr Krankheitsphasen. Sogenannte gemischte Phasen („Mischzustände“) umfassen manische und depressive Symptome gleichzeitig. Sie gehen häufiger mit psychotischen Symptomen und Suizidalität einher, dauern oft länger und sind oft schwerer behandelbar.

Historisch geht der Begriff Manie auf Hippokrates im 5. Jahrhundert vor Christus zurück. Es handelt sich bei der bipolaren Störung also um eine schon sehr lange bekannte Erkrankung. Der deutsche Psychiater Kraepelin ordnete sie um 1900 den Psychosen zu und unterschied sie dort von der Schizophrenie. Seit der 10. Revision des von der WHO vorgelegten Diagnosemanuals ICD, das 1994 erschien und bis heute maßgeblich ist, wird die Erkrankung bipolare Störung genannt.

Ursachen der bipolaren Störung


Affektive Psychosen wie die bipolare Störung sind genetisch stark bestimmte, biologisch fundierte Krankheiten, die vordringlich die Stimmung oder Gestimmtheit und den Antrieb betreffen, aber auch Störungen des Denkens, Verhaltens und Wahrnehmens, der Kognitionen und vegetativer Erscheinungen umfassen können. Phasen remittieren in der Regel ohne wesentliche Persönlichkeitsveränderung. Chronifizierungsraten mit einer Dauer von über 2 Jahren sind bei unter 20 Prozent der Patienten mit bipolarer Störung zu erwarten.

Die Ursachen für eine bipolare Störung sind multifaktoriell mit recht hoher genetischer Bestimmung, der Krankheitsverlauf ist aber keineswegs rein schicksalhaft. Es sollten für den individuellen Krankheitsverlauf einer bipolaren Störung auch psychosoziale und Umwelt-Faktoren sowie die erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten berücksichtigt werden. Genetische Faktoren sind als Vulnerabilität (Prädisposition) beteiligt und können ein erhöhtes Erkrankungsrisiko bedingen, wobei viele Gene beteiligt sind. Psychosoziale Auslöser werden für die Ersterkrankung, den Verlauf, die Episodenanzahl und das Ende der Erkrankung bedeutsam und spielen somit therapeutisch eine wichtige Rolle.

Biologisch relevant ist eine genetisch bedingte familiäre Häufung, wobei aber auch Menschen betroffen sein können, die keine erkrankten Verwandten mit bipolarer Störung haben. Leibliche Kinder eines Betroffenen haben ein Erkrankungsrisiko von 10 bis 15 Prozent oder anders ausgedrückt ein 5 bis 10-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Das bedeutet aber auch, es bleiben bis zu 90 Prozent aller Kinder von Patienten mit bipolarer Störung lebenslang gesund.

Im Gehirn gibt es bei Patienten mit bipolarer Störung unter anderem gewisse funktionelle und anatomische Besonderheiten, wobei die Befunde sich teilweise widersprechen. Besondere Beachtung erfahren hierbei die Netzwerke der Emotionsregulation und -verarbeitung.

Unterscheidung zwischen Bipolar-I-Störung und Bipolar-II-Störung


Man unterscheidet die sogenannte Bipolar-I-Störung (mit mindestens einer eindeutig manischen Phase) von Bipolar-II-Störungen, bei denen Manien oft nur leicht ausgeprägt sind und Hypomanie genannt werden. Als bipolare Spektrumerkrankungen bezeichnet man zusätzlich die Zyclothymia und das zyclothyme Temperament. Diese werden in DSM-V „bipolar-NOS“ (not otherwise spezified) genannt.

1 bis 2 Prozent der Bevölkerung haben eine Bipolar-I-Störung, 4 bis 6 Prozent der Bevölkerung können zum bipolaren Spektrum gezählt werden. Ausschließlich manische Episoden ohne Depressionen sind recht selten.

Manische Phasen bei Patienten mit bipolarer Störung


Meist ist bei der bipolaren Störung die Zahl depressiver Episoden höher und deren Leid wesentlich länger anhaltend als das der Manien. Hypomane Episoden werden von Betroffenen sogar oft nicht als krankheitswertig erkannt, weil man sich subjektiv wohl fühlt, während seine Umgebung sich schon anfängt Sorgen zu machen oder zu wundern. Im Selbstkonzept der Patienten mit bipolarer Störung besteht oft eine positive Bewertung der Hypomanie, in der man leistungsfähig ist, Erfolge erzielt und Attraktivität besteht, mit oft unrealistischer Bewertung der affektiven Mittelposition.

Schwere Manien sind dagegen auch für den Laien leicht als krankhaft erkennbar, gehen aber manchmal mit fehlender Krankheitseinsicht des Betroffenen einher. Manche Patienten mit bipolarer Störung haben sich in diesem Zustand schon sozial schwer geschädigt, indem sie Partnerschaften oder Arbeitsverhältnisse beendeten oder schädigten oder großen finanziellen Schaden anrichteten. Erlebnishunger und eine herabgesetzte Hemmung kann unkritischen Alkohol- oder Drogenkonsum oder sexuell enthemmte Verhaltensweisen bedeuten. Klingt die Manie dann ab, werden die eigenen Handlungen oft verwundert zur Kenntnis genommen und bedauert. Die in der Manie herabgesetzte Angst führt manchmal zu Risikoverhalten, z.B. im Straßenverkehr, was schwere Unfälle nach sich ziehen kann. Patienten mit bipolarer Störung verglichen schon die schwere Manie mit einem Drogenrausch.

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Ersterkrankung bei der bipolaren Störung


Es gibt einen Ersterkrankungsgipfel bei Patienten mit bipolarer Störung im 2. bis 3. Lebensjahrzehnt, wobei erste psychische Symptome oft deutlich früher bis ins Teenageralter zurückverfolgt werden können. Das Geschlechterverhältnis von Frauen zu Männern ist in etwa ausgewogen (ca. 1:1). Sogenanntes rapid cycling gibt es bei Frauen 2- bis 4-mal mehr. Damit meint man mindestens 4 Krankheitsphasen in den letzten 12 Monaten. Das betrifft ca. 10 Prozent der Patienten mit bipolarer Störung. Kindliche Bipolarität ist selten.

Jahreszeitlich betrachtet kommen Depressionen gehäuft auftretend in den Umbruchphasen Frühjahr und Herbst, Manien eher im Sommer vor.

Manchmal manifestieren sich bipolare Störungen als Wochenbettdepression. Etwa 50 Prozent der echten Wochenbettdepressionen (nicht der sehr viel häufigeren Heultage!) sind bipolare Störungen.

Auslöser für Erkrankungsphasen bei der bipolaren Störung


Auch eine Psychodynamik affektiver Psychosen wird diskutiert. Potenzielle Auslöser von Erkrankungsphasen bei der bipolaren Störung können aus biologischer Sicht körperliche Erkrankungen, Operationen, Fasten, Wochenbett, Medikamente, Zeitzonenüberquerung und die Jahreszeit sein. Psychisch relevant für die Auslösung von Phasen sind alle Arten von Stress, z.B. partnerschaftliche Trennung, Todesfälle, andere Verlustereignisse, Kränkungen, life-events und Überlastung im privaten oder beruflichen Bereich.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012

Artikelinformationen zu Bipolare Störung
Autor
Dr. Markus Schmidt

Dr. med. Markus Schmidt

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