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Alkoholabhängigkeit - Hintergrund / Einleitung


Die Alkoholabhängigkeit ist bei weitem die häufigste Abhängigkeitserkrankung. Ca. 2 Mio. Menschen in Deutschland leiden an einer behandlungsbedürftigen Alkoholabhängigkeit. Das entspricht ca. 5% der männlichen und 2% der weiblichen Erwachsenenbevölkerung. Jedes Jahr sterben in Deutschland ca. 42.000 Menschen an den Folgen der Alkoholabhängigkeit (z.B. Leberzirrhose). Die Gefahr der Entwicklung einer Leberzirrhose besteht schon bei einem täglichen Alkoholkonsum von 60 g bei Männern (z.B. 0,5 l Wein oder 1 l Bier) und 20 g bei Frauen!

Fallbericht

Ein 24-jähriger arbeitsloser Patient stellt sich in einer Beratungsstelle für Suchtkrankheiten vor. Er hat seit 5 Jahren einen erhöhten Alkoholkonsum, der sich in den letzten 2 Jahren nach Trennung von seiner Freundin auf jetzt 7 Flaschen Bier und eine halbe Flasche Schnaps täglich steigert. Der Patient ist nicht mehr in der Lage, auf den Alkohol ganz zu verzichten, weil bei Absetzen Entzugssymptome in Form von Unruhe, Schlafstörungen, Zittern und Stimmungsschwankungen auftreten. Auch verliert er schnell die Kontrolle, wenn er begonnen hat zu trinken und kann nicht aufhören, bis er einen Rausch hat. Körperlich ist er in keiner guten Verfasung, die Leberwerte sind erhöht und er fühlt sich schwach und leistungsunfähig. Er ist motiviert, seinen Alkoholkonsum zu beenden, um sich wieder um seinen 3-jährigen Sohn kümmern zu können. Von seinem Hausarzt wird der Patient in eine Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie überwiesen, wo er vom Alkohol entzogen wird. In den anschließenden 3 Wochen werden Auslöser und aufrechterhaltende Faktoren des Alkoholkonsums genauer analysiert, die Motivation für eine weitere Alkoholabstinenz gefördert und der weitere Behandlungsplan wird erstellt. Ein Jahr nach der Entlassung ist der Patient dank regelmäßiger Gespräche beim Hausarzt und in einer Suchtberatungsstelle sowie Teilnahme an der Selbsthilfegruppe „Anonyme Alkoholiker“ weiterhin trocken.

Therapie

Ziel der Therapie ist der vollständige Verzicht auf Alkohol. Dies kann erreicht werden durch eine Entgiftung mit anschließender Kurzzeitbehandlung für ca. 3 Wochen (stationäre Motivationsbehandlung; Erfolgsrate nach 1 Jahr ca. 30 - 40%) oder eine Entgiftung mit anschließender Entwöhnungsbehandlung für 2 - 4 Monate (Erfolgsrate nach 1 Jahr ca. 50 - 60%). Entscheidend für den Erfolg ist immer die Eigenmotivation des Patienten zum Verzicht und die Bereitschaft, sich auf Hilfe einzulassen! Da bis zu 50% der Patienten wegen einer anderen psychischen Störung (z.B. einer Angsterkrankung) alkoholabhängig werden, ist im Anschluss an die Entgiftung immer auch die Grunderkrankung zu behandeln, um Alkoholrückfälle zu vermeiden.

Setzen alkoholabhängige Patienten gewollt oder ungewollt (z.B. infolge eines Unfalls mit anschließendem Klinikaufenthalt) den Alkoholkonsum nicht fort, entwickelt sich in der Regel ein vegetatives Alkoholentzugssyndrom, das meist drei bis sieben Tage dauert und durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:

  • Brechreiz, Durchfälle
  • Pulsbeschleunigung, Bluthochdruck, Kurzatmigkeit
  • Schwitzen, Zittern, Muskelbeben
  • Schlaflosigkeit und innere Unruhe
  • Depressive oder gereizte Stimmung, Angst und Schreckhaftigkeit, Antriebssteigerung
  • Konzentrationsstörungen und leichte Ablenkbarkeit
  • Krampfanfälle (Grand Mal-Anfälle)

Bei ca. einem Drittel der Patienten muss das Alkoholentzugssyndrom medikamentös mit Distraneurin® oder anderen Medikamenten behandelt werden. In schweren Fällen kann sich auch ein Alkoholdelir (Delirium tremens) entwickeln, das intensivmedizinisch behandelt werden muss. Das Beenden des Alkoholkonsums sollte daher immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Um Alkoholrückfälle zu vermeiden, kann nach Abschluss der Entgiftung auch das Medikament Acamprosat (Campral®) verordnet werden. Die Therapie mit Disulfiram (Antabus ®) ist eine so genannte Aversivbehandlung. Das Medikament wird täglich verabreicht und erzeugt beim Trinken von Alkohol eine Disulfiram-Alkoholreaktion mit Erbrechen, Angst, Schwindel, etc. Durch diese unangenehme negative Konsequenz sollen Rückfälle verhindert werden.

Patienten, die nach einer qualifizierten Entzugsbehandlung oder einer Langzeit-Entwöhnungsbehandlung ärztlich/psychologisch weiterbetreut werden, haben eine bessere Chance, langfristig ohne Alkohol zurecht zu kommen. Elemente der Nachbetreuung sind:

  • Teilnahme an Selbsthilfegruppen (z.B. Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Guttempler, Kreuzbund)
  • Regelmäßige Kontakte beim Hausarzt bzgl. körperlicher Symptome
  • Einzeltherapie bei einem Psychiater oder Psychologen, v.a. wenn gleichzeitig andere psychische Erkrankungen vorliegen.
letzte Aktualisierung: 25.01.2010
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